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Herzlich willkommen im Reich der Töne ! Auch für dieses Heft hat die Industrie keine Kosten und Mühen gescheut und bietet uns eine Fülle an neuen und als CD wiederaufgelegten Tonträgern - nix wie hinein also :
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Popol Vuh existiert als Band mal ja, mal nein, dazu mit stetiger Personalfluktuation. Ähnlich abwechslungsreich sind die diversen Label, auf denen Popol-Tonträger veröffentlicht werden. Heute ist mal Efa dran: Nicht hoch im Himmel ist eine Auswahl aus dem eigentümlichen, sphärischen Schaffen der Band. Die Aufnahmezeiten liegen zwischen 1971 und 1988. Im eigenen Studio arbeiteten Florian Fricke und seine Gesellen überwiegend im gedämpft elektronischen Bereich, dazu kamen hie und da Conny Feit und Danny Fiechelscher an den Gitarren. Als Sänger hört man auf einigen Tracks Djong Yun, der ganz eigene Farbe ins Spiel bringt. Die Kopplung der Titel ist gelungen, zeigt die Entwicklung der Formation recht präzise auf. Nochmal: Dies ist keine Best Of-Zusammenstellung, es ist wirklich bislang unerhörtes Material.
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Irdischer, aber doch ziemlich abgehoben gaben sich Annexus Quam 1970 auf der ersten LP Osmose, die jetzt auf dem Zyx/Ohr-Label wiederveröffentlicht wurde. Die Wurzeln der Band reichen bis 1967 zurück, weswegen das Debut schon eine ausgewogene Sache war: Irgendwo im Bereich zwischen Jazz, Rock und Avantgarde pendelt diese Musik, die stark gitarrenbetont eingespielt wurde. Dazu fügte man in gekonnter Weise im Studio etliche psychedelische Soundgimmicks, die die Scheibe seinerzeit zu einem echten Meilenstein der Kraut-Szene werden ließen. Die Band bestand zu der Zeit aus sieben Musikern, die dank dieser Produktion reichlich Livegigs bekamen. Diese Erfahrungen und der Ausbau der persönlichen Vorlieben führten auf der zweiten Veröffentlichung Beziehungen,
auch wieder auf Zyx/Ohr erhältlich, dazu, daß die Band, um zwei Leute verringert, doch sehr experimentelle Wege beschritt. Hier bekommt man kompetent eingespielten Free Jazz, der mit Krautrock im eigentlichen Sinne nicht mehr viel zu tun hat. Überzeugend jedoch das Engagement, mit dem die Musiker hier zu Werke gehen. Selbst nach nahezu 30 Jahren reizt diese Musik, man muß sich entscheiden: Entweder man liebt sie oder man haßt sie, es gibt keinen Kompromiß.
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Hier und heute gibt es immer noch Bands, die die Fahne des Progressivrocks in allerlei Schattierungen hochhalten. Eine besonders angenehme darunter ist die Schweizer Kapelle Starglow Energy, die mittlerweile schon einige nette Scheiben unter das Volk gebracht hat. Die aktuelle Produktion Gate To Celdan, Black Rills Rec., ist im bewährten Strickmuster gehalten: Reichlich Keyboards, die zusammen mit den prägnanten Gitarren genügend Zeit zu spannenden Improvisationen haben. Getragen vom sicheren Drums-/Baßbackground, entwickeln die Herren hier einen fetten Sound, leicht psychedelisch betatscht, der irgendwo zwischen Purple, Floyd und Hawkwind liegt. Schon vom Lesen kommt der Appetit, nicht wahr ? Nun wartet erstmal ab, bis der Silberling sich tatsächlich in Eure Ohren bohrt - macht garantiert gierig !
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Völlig anders arbeitete Jerry Berkers, seinerzeit Bassist von Wallenstein, auf seinem einzigen Soloalbum Unterwegs, jetzt wieder als CD bei Ohr/Zyx. In der Band eher von hartem Kaliber, nahm Jerry hier in deutscher Sprache Songs auf, die musikalisch recht locker ausfielen, denn hier gab es relaxten Folksong europäischer Prägung. Manch einer vermutet Rückgriffe auf britische Vorbilder, doch nach meiner Meinung ist das Ding hier urdeutsch, obwohl der Jerry eigentlich Holländer ist. In jedem Fall läuft diese CD völlig entgegen
der kosmischen Rockereien, die Wallenstein damals auf uns losließ. Schon aus diesem Grund ein interessanter Vergleich.
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Schon mal was von Martin Schmitt gehört? Wenn nicht, wird es Zeit, denn seine CD Sunrise Joys, Nullviernull (ist das Label!) geht ab wie Schmidt's Katze: Boogie satt, am Klavier von Martin gefühlvoll eingegroovt, entwickelt sich im Lauf der Zeit zum echten Dauerbrenner, da Martin seine Fühler auch in Richtung Rhythm'n'Blues, Soul und leichten Jazztouch ausstreckt. Die Kombination dieser vielen Einflüsse ergibt eine absolut muntere Mucke, die keinen kalt lassen kann, der sie hört. Anders als bekanntere Größen verläßt sich Martin hier nicht auf altbewährte Methoden, sondern forscht und entwickelt sich stetig nach vorn. Guter Mann, der zudem dankenswerter Weise fast ganz auf Vokaleinlagen verzichtet.
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Gänzlich unterschiedlich dazu die Band Emtidi, deren zweite LP Saat jetzt wieder als Ohr/Zyx-CD vorliegt. 1972 aufgenommen, arbeitete die Band spektakulärerweise mit einem deutsch/englischen Textgemisch, was damals schon sensationell war und auch heute seinesgleichen sucht. Dazu kam dann die Musik, die wohl auf dem Wege zur Elektronik war, dabei aber auch reichlich folkige und rockige Anleihen berücksichtigte. Wer die frühe Brösel-maschine oder Hölderlin kennt, wird sich auch mit diesem Album anfreunden können, obgleich tatsächliche Ähnlichkeiten eher selten sind, doch die Grundstimmung ist vergleichbar. Jedenfalls war diese Produktion das Highlight der Bandgeschichte, danach war Funkstille. Im Nachhinein schade, wer weiß, was da noch hätte kommen können !
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| Ganz andere Süppchen kochen die Peacocks aus der Schweiz. Diese Eidgenossen frönen auf In Without Knockin' einerseits dem guten britischen Ska, peppen diesen Stil aber mächtig mit knackigen Rockeinflüssen auf, der hier wie eine Frischzellenkur wirkt. Kaum zu glauben, daß dies eine Alpencombo sein soll, eher könnte man hier die Erben von den Special oder den frühen Madness vermuten! Egal, auf jeden Fall knallt das Resultat dieser Bemühun-gen mit reichlich guter Laune aus den Boxen, es macht auch beim wiederholten Hören einfach Spaß, was diese Jungs so aus den Instrumenten und Köpfen zaubern. | |
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Ein Meilenstein in der Historie des Krautrocks ist ohne Zweifel das gleichnamige Debutalbum der Stuttgarter Band Gila, nun wieder als CD bei Ohr/Zyx. Das war damals, 1971, wirklich experimenteller Sound mit ausladender Gitarrenarbeit auf zielbewußtem Rhythmusfundament. Dazu gibt es einfallsreiche elektronische Improvisationen, die das aufregende Gesamtbild entscheidend mitprägen. Mancher meint, hier Pink Floyd herauszuhören, doch ich meine, daß eher bei den Floyds diese Scheibe öfter rotiert hat. Aber das wird natürlich keiner zugeben. Live soll diese Truppe noch besser gewesen sein und sich mit Guru Guru heiße Duelle geliefert haben - schade, habe ich nie gesehen, doch schon diese CD läßt erahnen, was da so pasiert sein muß. Gila paßt, ohne Abstriche, auch ins Heute, weil vergleichbare Musik eigentlich nie mehr gemacht worden ist.
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Zwischendurch holen wir jetzt mal den Hammer heraus: Terra Firma aus unseren Landen bietet mit der CD Rainbow Ride auf SPV einen knackigen Ritt entlang der Grenze von Hardrock und Heavy Metal. Das knallt ganz ordentlich hier, Gitarren wie Messer über dampfendem Rhythmus, der ständig Turbotempo vorlegt. Die Musiker wissen um den richtigen Einsatz ihrer Mittel, das Handwerk paßt zur Intention, den Hörer mal richtig vom Hocker zu fegen. Schade eigentlich, daß die Band trotz aller vorhandener Power und Spielfreude keinen eigenen Charakter entwickelt, denn vom Songmaterial her ist der Stoff nichts besonderes, ähnliches
machen -zig andere Bands. Wenn sich in der Hinsicht tut, muß man vor dem nächsten Album sicherlich richtig Respekt haben.
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Oben war schon mal von Guru Guru erwähnungsweise die Rede - hier nun richtig: Als Silberling gibt es nun auch wieder UFO, Ohr/Zyx, die allererste Tonkonserve von 1970 der Legende, die immer noch aktiv ist! Damals war diese Aufnahme ein echter Kracher, ein Musterbeispiel für Acid-Rock, bei dem sich die kopfmäßig erzeugten, absolut abgehobenen Ideen nahezu unver-ändert auf Tonträger umgesetzt sahen. Da Guru Guru abstam-mungsmäßig aus der Jazz-Szene kamen, staunt man auch jetzt noch über die irre Kombination von Improvisation und Rock, über die Spieltechnik der Musiker und auch
über den Mut der Plattenfirmen, dermaßen abgefahrene Töne zu veröffentlichen - na ja. Ohr-Eigner Kaiser war ja auch nicht von dieser Welt. Jedenfalls gibt es hier Titel wie Stone In und Der LSD-Marsch, die schon vom Namen her verraten, woher der Wind weht. Jedoch: Auch ohne Stoff kann man dieses Treiben wirklich goutieren !
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Seit 11 Jahren sind Fury In The Slaughterhouse on tour, in den letzten Jahren haben sie den verdienten Durchbruch geschafft. Als letzte Gabe für ihre bisherige Plattenfirma SPV gibt es nun die Doppel-CD Super Fury, ein umfassender Rückblick auf die bisherigen musikalischen Stationen der Band, die auch vor der Ochsentour durch sämtliche Clubs dieser Republik nicht zurückschreckte, um nach oben zu kommen. Die Songs hier sind eine gelungene Auswahl aus den bisherigen Alben, knackiger Gitarrenrock, aber auch manch' softerer Titel, die den ehrlichen Charakter der Formation gut zum Ausdruck bringen. Dazu gibt es einige Songs in remixter, neuer Version und ein bislang völlig unveröffentlichtes Stück. Über allem schweben Wingenfelder's charakteristische Lyrics, die ein gut Teil von Fury's eigener Note ausmachen. Für Einsteiger ein Muß, für die sowieso-Fans eine schöne Ergänzung der Sammlung.
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Bezug der genannten CDs Rep = Repertoire Tel = Telefunken/WEA Ariola = Ariola TWR = Two Wolf Records exclusiv (wo es auch alle anderen genannten CDs gibt. Vereinsmitglieder erhalten übrigens 1 DM Nachlass) [Wolfgang Pokall]
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© 1998, 2004 german rock e.v.
- 9-April-1999 -