Sonderheft 1 - Out of Area !

AYABIE

Virgin Snow Color - Special Edition (2006, CLJ Rec, CLJ8812.2)
Genau wie Wizard zeichnen sich Ayabie durch unbändige Veröffentlichungswut aus. Seit ihrer Gründung 2004 erschienen sage und schreibe sechs DVDs, sieben Alben und über 20 Singles. Virgin Snow Color, ursprünglich im November als CD+DVD released, stand schon den folgenden Monat als CD in europäischen Läden.
Vom Sound ihrer Kollegen sind Ayabie nicht all zu weit entfernt. Ihren poppigen J-Rock reichern sie jedoch häufig so gekonnt mit Bassatacken und aggressiven Metalgitarren an, dass eine gewisse Nähe zu Luna Sea und Nightmare, manchmal auch zu Kagerou kaum zu verleugnen ist.
Immer wieder schmeicheln hingegen Pianoeinlagen dem Ohr, beispielsweise beim Namen gebenden Instrumental-Opener.
Alles in allem ein gut hörbares Album, das zwar klare Linien vermissen lässt, dafür aber auch jeglicher Langeweile entbehrt. Dank Visual kei gleichfalls was fürs Auge.
A propos Auge - mehr davon auf der DVD Virgin Snow Color Tour 06/07, die das Abschlusskonzert zeigt. Meiner Ansicht nach rockt die noch besser als das Album.
Kontakt: www.ayabie-web.com
[Jürgen Hornschuh]

Virgin Snow Color Tour 06/07 (2007, CLJ Rec, CLJ8816.8)
Das Gros der japanischen Tourdokumentationen stammt aus Aufnahmen der sogenannten Finals, der letzten Gigs einer Konzertreihe. Von X Japan (Dahlia Tour Final) über Malice Mizer (Merveilles l'espace) bis zur aktuellen DéspairsRay-DVD (Liquidize) besteht eine beeindruckende Tradition dieser Filme. So wurde auch das 80-minütige Finale der Virgin Snow Color Tour im heimischen Tokyo für die vorliegende Ayabie-DVD mitgeschnitten.
Die auffällige Spielfreude, die auf den Gesichtern und an den Bewegungen der Ayabie-Members anfangs der Show zu sehen ist, weicht seltsamerweise schon nach wenigen Songs der bei japanischen Musikern häufig zu beobachtenden Versunkenheit im Spiel der Instrumente, um erst nach einem Drumsolo wieder zu erwachen. Das Material der aktuellen CD sowie ältere Stücke knallen hier zwar noch besser, die Lightshow ist sehr gefühlvoll an die Songs angepasst und während bei Ancient Tree Schnee auf die Bühne fällt, möchte man, dass dieser Moment noch viel länger anhält, als nur ein paar Minuten.
Ayabie beziehen auch ihr Publikum konstant besser mit ein, als die meisten anderen jungen Bands. Hier wird nicht nur ein Track nach dem anderen runtergerissen. Hier steht niemand mit dem Rücken zum Bühnenrand. Hier gibt es zur Musik auch Ansagen. Aber im großen und ganzen verläuft dieses Ayabie-Event genau so ereignislos und unspektakulär wie tausend andere auch.
Ein Genuss war das Konzert für mich trotzdem. Selten findet man in Gruppen mit kurzer Geschichte so gut ausgebildete Talente. Sänger Aoi, der bekanntermaßen bereits bei Mask Erfahrung sammeln konnte, beiseite gelassen, verfügen Ayabie mit Intetsu über einen phantastischen Bassisten, der sein Instrument mal klassisch, mal kontrabassähnlich und dann wieder gitarrenartig rockt. Sein Rhythmus-Kollege vermöbelt die Schießbude genau so souverän, und selbst die beiden Gitarristen mit ihrem Sugizo-Sound, vielleicht nicht unbedingt die Erleuchtung schlechthin, spielen sich die Bälle flüssig zu, wie man es von einer Profiband erwarten darf.
Fazit: Sympathische Visual kei Aufführung mit viel Pop&Rock und weniger Modenschau.
[Jürgen Hornschuh]

[Fotos: Jürgen Hornschuh]

Köln, Gloria Theater, 20.5.2007
Direkt nach der Arbeit bretterte ich gen Köln, zog unterwegs auf einem Parkplatz noch geschwind passendere Klamotten an und begab mich dann zum Gloria-Theater, wo Ayabie ein Oneman (Einzelkonzert) gaben. Gleich am Eingang flossen Tränen, weil mehrere sehr jung aussehende Mädels ihren Ausweis vergessen hatten und nicht reindurften. Immer das gleich Spiel. Als ob es nicht hinlänglich bekannt wäre.
Die Halle füllte sich leider nur zur Hälfte. Leider für die Japaner, die den weiten Weg bis hier auf sich genommen hatten, und leider auch für jeden, der das Konzert nicht gesehen hat. Ich möchte behaupten, dass an diesem Abend das bisher neben Mucc beste J-Rock-Live in Deutschland stattfand (zumindest soweit ich dabei war). Die Songauswahl rockte, die Band war in Feierlaune, die Fans auch. Aoi (v) animierte das Publikum mit seinen wahnsinnig schnellen Parapara-Eigenkreationen zum Mitmachen.
Es ging relativ zivilisiert zu. Keine Schubsereien, freundliche Security, zügiger Einlass. Der Sound war ganz ok, abgesehen von den zu schwach gemixten Vocals. Die Musik eingängige Kompositionen irgendwo zwischen Luna Sea und Kagerou, mit einem Hauch von X. Sie spielten Ancient Tree (göttliche Ballade) und Brownie (ein schnell fetzender Rocker). Mehr brauchte ich gar nicht, aber es gab mehr. Kotonohanoru, Lapis Lazuli, Shine, 0010, Hinata, Mefish No Uta etc pp. Einschließlich Zugaben 19 Songs, hauptsächlich von der aktuellen CD Virgin Snow Color, und Kenzo (d) spielte ein unlangweiliges Solo. Da speziell die Rhythmusfraktion der Band technisch zu begeistern weiß, war heute nicht nur optisch etwas geboten.
Aoi und Yumehito (g) hatten sich mordsmäßig aufgebrezelt, wobei vor allem Letzterer dermaßen niedlich in seinem rosa Lolita-Outfit daherkam, dass mir bei jedem Blickkontakt ein Grinsen ins Gesicht stieg. Die deutsch-englisch-japanischen Ansagen waren - soweit ich sie verstehen konnte - auch sehr drollig.
Ihr Bemühen um die Fans ist Ayabie hoch anzurechnen, und sie bekommen es an diesem Abend umgehend gedankt. Die Mitgrunznummer B.L.C. wird auf ganzer Länge unterstützt. Stagediven für Aoi kein Problem; alle Hände waren oben. Und jedem Einzelnen der fünf Musiker spendet das Konzertvolk mehrfach Applaus.
Wenn ich es richtig mitbekommen habe, erhielten die Mädchen, welche nicht eingelassen worden waren, nach dem Konzert wenigstens noch Autogramme und eine Einladung zu einem später stattfindenden Event.
Ja, die Gruppe will eine weitere Europatour unternehmen. Ratet mal, wer sich das auf keinen Fall entgehen lassen wird.
[Jürgen Hornschuh]


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- 21-Mai-2007 -