ZYMA

Biografie
ZYMA, nach einem künstlichen Gärmittel, nannte sich 1972 eine Gruppe aus dem Raum Heidelberg und Mannheim, die damals zu Anfang noch progressiven Hardrock spielte. Die Tasten bediente der Lehrer Günter Hornung (*16.2.1938 in Karlsruhe), der schon in vielen Jazz- und Jazzrockgruppen, darunter auch eine Bigband und zuletzt in der Soulgruppe Groovers gespielt hatte. Von seiner langen Erfahrung und seinen überragenden Fähigkeiten her war er der Kopf von Zyma. Die treibende Kraft dagegen war Bodo Brandl (*1O.4.1943 in Nikolsburg) am Baß, ebenfalls Lehre,. der seit 1963 auf der Bühne gestanden hatte. Auch er kam von den Groovers, ebenso wie Meinrad Hirt (*5.1.1945 in Triberg), der den Gesang, die Geige, Flöte, Tasten und nebenher auch die Gitarre übernommen hatte. Der eigentliche Gitarrist und auch Sänger war Tim Pfau (*8.6.1951 in Mannheim), und am Schlagzeug saß Karl-Heinz Weiler (*24.7.1951 in Mannheim). Für das Geschäftliche war Günter Hornungs Frau Ellen zuständig, für die Anlage Mitsou Kührbis. 1973 ging man zum progressiven Jazzrock über, woraufhin Karl-Heinz Weiler die Gruppe verließ. Er wurde von Udo Kübler (71.3.1951 in Heidelberg) ersetzt, der seit 1966 im Einsatz war. 1970 hatte er die die Experimental-Gruppe Filter gegründet, und zuletzt spielte er gleichzeitig bei Medusa Pop und bei Ra und Brassy Brew Jazzrock. Seinen Stuhl bei Medusa, mit denen er übrigens auch eine Single herausgebracht hatte, übernahm Karl-Heinz Weiler, der außerdem noch 1973 bei Nine Days Wonder unter seinem Künstlernamen Hyazintus auf der LP "We never lost control" (Bacillus BLPS 191630, Quadro-Ausgabe Bacillus BAC 20310. CD-Wiederveröffentlichung Bacillus 288.09.113) Schlagzeug spielte.
Nachdem Meinrad Hirt für ein paar Jahre ausgestiegen war, kam Anfang 1974 Dorle Ferber (*7.9.1952 in Mannheim) als Sängerin und an der Geige und Flöte hinzu. Sie hatte klassische Musik studiert, war vom Folk beeinflußt und brachte diese Einflüsse auch bei Zyma mit ein. Im selben Jahr bekam man von Alfred Kersten die Gelegenheit, mit den beiden selbstgeschriebenen Stücken "Law like love" und "Tango enough" auf der Doppel-LP "Proton 1" (Kerston FK 65017) unterzukommen, und zwar zusammen mit den Gruppen Nexus, Andorra, Penicillin und Sun.
Diese Zusammenstellung erschien in einer Auflage von wenigen hundert, vermutlich nur 300 Stück, und ist angesichts dessen, wie selten und wie gut sie ist, noch erstaunlich billig in Sammlerkreisen zu bekommen. Die Aufnahmen wurden im Sommer und Herbst 1974 im TFE-Studio in Neustadt an der Weinstraße gemacht. Nachdem die Gruppe 1975 in einer dreiviertelstündigen Sendung im Süddeutschen Rundfunk (SDR) ausführlich vorgestellt worden war, trat sie später in der Jugendsendung "Drum special" des Südwestfunk III (SWF III) im Fernsehen auf. 1976 schied Tim Pfau aus. 1975 erschien dann, jetzt wieder mit Meinrad Hirt, die erste eigene Zyma-LP "Thoughts" ("Z"-Productions 0391978) im Selbstverlag in einer Auflage von 1000 Stück. Sie war im Studio Bauer in Ludwigsburg aufgenommen worden und enthielt nur selbstgeschriebene Stücke. Die Gestaltung der Hülle hatte Udo Kübler übernommen, der neben Bodo Brandl wohl der Rührigste in der Gruppe war. Die LP wurde 1979 in der dreiviertelstündigen Sendung "Pop Shop Spezial" des SWF III vorgestellt, und im gleichen Jahr stellte der SDR Zyma umfassend in der Sendung "Point" vor. Leider sind die Mutterbänder von "Thoughts", ebenso wie die von den beiden Kerston-Aufnahmen, nicht mehr vorhanden, so daß die Stücke für die vorliegende CD aufwendig entknistert werden mußten. Diese Aufgabe erledigte auf vorbildlichste Weise Walter Speckmann aus Dortmund, den Dorle Ferber von ihrer späteren Zeit bei Cochise her kennt. Eine unveröffentlichte viertelstündige Fassung von Chic Coreas "Little Sunflower" konnte für den Silberling nicht berücksichtigt werden, da er auf Wunsch der Gruppe ausschließlich Selbstverfaßtem vorbehalten sein sollte. Ansonsten waren derartig lange Improvisationen für Zyma zumindest auf der Bühne, nichts besonderes. Es war durchaus üblich, daß man einzelne Stücke durch psychedelische Einlagen auf eine ganze Stunde Spielzeit ausdehnte und mit vier oder fünf Stücken einen Auftritt von mehreren Stunden bestritt.
Die CD-Veröffentlichung der zweiten und letzten Zyma-Platte "Brave New World" von 1979, ist für 1999 vorgesehen, und dort wird auch der zweite Teil der Gruppengeschichte zu finden sein. Vorher muß aber noch eine bei Günter Hornung stehende Kiste mit Bändern voll mit unveröffentlichten Aufnahmen gesichtet werden, worunter sich sicherlich einiges finden wird, was als Zusatzstück geeignet ist. Erstaunlich ist es, daß Zyma in Sammlerkreisen bisher kaum ein Begriff ist. In "The crack in the cosmic egg" von Steven und Alan Freeman steht lediglich: "Zyma eine kaum bekannte Progressiv-Gruppe der siebziger Jahre, spielen einen sehr von Canterbury beeinflußten Jazzrock' mit Anklängen an Soft Machine und Isotope. Zur Gruppengeschichte ist nichts bekannt." In der ansonsten recht vollständigen Ubersicht "Aus deutschen Landen" von Achim Groh sind, ebenso wie bei den Freeman-Brüdern, nur "Brave New World" und die Kerston-LP verzeichnet. In "Cosmic dreams at play" von Dag Erik Asbjornsen werden sie bis auf letztere völlig unterschlagen. Das heißt, daß "Thoughts" bisher so gut wie nirgends aufgeführt worden ist. Diesem Mißstand ist mit vorliegender CD nun abgeholfen worden.
[Quelle & Copyright: "Garden Of Delights"]
Anmerkung:
Die Stücke aus "Thoughts" wurden in Schwetzingen alle gespielt. Es waren beim ersten Konzert etwa 350 Menschen anwesend - beim 2. Konzert im Umfeld der sogenannten "1. Schwetzingen Jazz-Tage" waren es fast 600 - und das Konzert war ein riesiger Erfolg.
[Jörn-Patrik Schaller]

[Mit Beiträgen von: Klaus Unland, Carsten Agthe]



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- 1-September-2004 -