Biografie 
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VITA NOVA war eine Gruppe, die niemals auf der Bühne auftrat, sondern nur im Aufnahmeraum spielte.
Eddy Marron (Ed Ugly-Ugly) wurde 1938 in Anklam in Pommern geboren und ging mit vierzehn Jahren nach Westdeutschland. Dort machte er eine Bäckerlehre und verdiente sich seine erste Gitarre auf dem Bau. Mit zwanzig Jahren war er schon Berufsmusiker und arbeitete sich von Gruppe zu Gruppe hoch. So trat er auch 1964 bei den Olympischen Spielen in Innsbruck auf, bis er schließlich 1968 beim Jochen Brauer Sextett landete, nachdem er im selben Jahr sein Studium der Konzertgitarre an der Staatlichen Hochschule für Musik in Heidelberg/Mannheim abgeschlossen hatte.
Sylvester Levay (Sylvester Lysy) wurde 1945 in Subotica (ungarisch Szabadka) in der Vojvodina (heute serbisch) als Sohn ungarischer Eltern geboren. Sein Vater war Schriftsteller, seine Mutter Musikprofessorin. Dank seiner erstaunlichen Begabung lernte er schon als kleines Kind das Klavierspiel und studierte später Musik, bevor er bei der Ambros Seelos Band einstieg.
Christian von Hoffmann (Chris Hoff) wurde ebenfalls 1945 geboren, und zwar in Luzern in der Schweiz. Die Ambros Seelos Band, wo er am Schlagzeug saß, führte ihn mit Sylvester Levay zusammen.
Als die beiden auf Eddy Marron trafen, beschlossen sie, zu dritt etwas ganz Neues zu machen. Daher der Name Vita Nova (lateinisch für "Neues Leben"). Sie waren es leid. immer nur für ihren Lebensunterhalt das spielen zu müssen, was die Leute gerade zu ihrer Unterhaltung hören wollten. Sylvester Levay mietete nun im Februar 1971 einige Tage in den bekannten Union-Studios in München-Solin, wo sie, frei von Gruppen- und Erfolgszwängen, das spielen konnten, was ihnen Freude machte. Dabei waren sie ihrer Zeit weit voraus, was ja der Begriff "progressive Musik" beinhaltet.
Etwas ganz Eigenwilliges erhielten die Stücke durch die Verwendung der Hohner Clavinet, ein von Sylvester Levay bedientes Tasteninstrument, eine Art von elektrischem Spinett. Erschwert wurden die Aufnahmen dadurch, daß die drei bis spät in die Nächte den Verpflichtungen in ihren Gruppen nachkommen mußten und erst danach, ohne zu schlafen, vom frühen Morgen an bis zum nächsten Mittag im Studio sein konnten. Aber es machte allen riesigen Spaß, und danach hört es sich auch an. Die Texte waren auch das etwas ganz Neues - in lateinischer Sprache verfaßt. Geschrieben wurden sie vom Schwager Sylvester Levays, Adalbert Hayduk. der auf der Schule eine altsprachliche Ausbildung bekommen hatte. Wenn auch manchen die zum Teil christlichen Inhalte stören mögen, so ist es doch ein bemerkenswerter Versuch. Die Texte müssen im Licht des damals aufkommenden Umweltbewußtseins gesehen werden: Durch die hemmungslose Zerstörung seiner Lebensgrundlagen und aller Werte gefährdet der Mensch sein eigenes Weiterbestehen und das der ganzen Welt. Besonders schwer gemacht wurde es Adalbert Hayduk dadurch. daß er von Sylvester Levay die fertigen Partituren vorgelegt bekam und dazu die passenden Worte finden mußte, während es doch sonst meist umgekehrt abläuft. Das Ganze erschien 1971 als Langspielplatte auf Life Records in Österreich (LS 5010) in einer Auflage von nur 500 Stück, gepreßt ebenfalls in Österreich. Auf der Rückseite der LP steht zu lesen: "Diese Produktion ist mit ihrem plötzlichen Wechsel in Rhythmik, Themen und Instrumentierung ein neuartiger Versuch auf dem Gebiet der Undergroundmusik. Das Besondere daran sollen auch die lateinischen Texte sein, die speziell für diese Musik geschrieben wurden und auf der Plattenhülle mit deutscher und englischer Übersetzung erscheinen. Besonders zu erwähnen ist die Hohner Clavinet. Sie spielt mit ihrem gitarrenähnlichen Sound eine große Rolle und stellt einen absolut eigenen Klang der Vita Nova dar, der in dieser Art bisher noch nicht produziert wurde."
Im Laufe der Zeit stieg der Sammlerwert der LP auf über 1000 DM an, und so beschloß man, sie im Originalcover auf CD wiederzuveröffentlichen. Leider waren die Mutterbänder nicht mehr vorhanden. Daher mußte eine Überspielung von einer neuwertigen Platte mit hohem technischen Aufwand so bearbeitet werden, daß Mutterbandqualität erreicht wird. Ein Unterschied ist nicht mehr feststellbar, jedes Rillenstörgeräusch entfernt. Im Sommer 1971 nahm man zwei weitere Stücke, "Lacrimosa (Death of a world)" und "Olymp 99", für eine geplante Single auf, die dann aber doch nicht erschien. Sie sind jetzt ebenfalls auf der CD enthalten. Der Hüllenentwurf für diese Single stammt von Sylvester Levays kürzlich verstorbenem Bruder Endre. Möglicherweise wird es einen Sonderdruck davon als Poster geben.
Eddy Marron gründete 1971 nach Abschluß der Aufnahmen eine eigene Musikschule in Mannheim und leitete später die Jazzwerkstatt in Darmstadt. Mit der Jazzrockgruppe Dzyan mit Peter Giger am Schlagzeug veröffentlichte er die beiden hörenswerten LPs "Time machine" (D 1973: Bacillus BLPS 19161, wiederveröffentlicht 1977 als Bacillus BAC 2019) und "Electric silence" (D 1974: Bacillus BLPS 19202, wiederveröffentlicht 1977 als Bacillus BAC 2033), die inzwischen auf Bellaphon auch auf CD erschienen, mit Giger/Lenz/Marron die beiden Jazz-LPs "Beyond" (D 1977: Nagara mix 1011-n) und "Where the hammer hangs" (D 1978: Nagara mix 1015-n) und als Eddy Marron solo die LP "Por Marco" (D 1980: Nagara mix 1020 n). 1976 zog er in die Niederlande, wo er derzeit an der Königlichen Hochschule für Musik in Den Haag Gitarre und Jazzrhythmik lehrt. Außerdem ist er seit 1981 Dozent für Gitarre und Rhythmik in Köln und veröffentlichte 1990 im AMA-Verlag sein Buch "Die Rhythmiklehre".
Sylvester Levay spielte in den siebziger Jahren auf einigen Platten von Joy Fleming, lebt heute abwechselnd in Süddeutschland und Los Angeles und ist vorwiegend als Komponist tätig, wofür er mehrere Goldene und Platin-Schallplatten und für "Fly, robin, fly" sogar einen Grammy bekam. Unter anderem stammt auch das Erfolgsmusical "Elisabeth" von ihm.
Christian von Hoffmann hat heute einen Musikladen in Baden und spielt in einem Fusion-Quartett.
[Quelle & Copyright: "Garden Of Delights"]
[Mit Beiträgen von: Klaus Unland]
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