RATTLES

Biografie
Die bewegte Geschichte der RATTLES ist eng verbunden mit der Geschichte deutscher Rock- und Popmusik. Ihre Ursprünge reichen bis in die frühen 60er Jahre zurück, als sie sich anschickten, das Aushängeschild des legendären "Star Clubs" zu repräsentieren. Die RATTLES haben die Großen ihrer Ära persönlich kennengelernt. Sie waren mit den Beatles upd Stones auf Tournee, ersannen eine beachtliche Serie von Top-Hits und hielten rund zehn Jahre ihre Position an vorderster Rock-Front. Nach der Trennung blieben die beteiligten Musiker im Gespräch, und zwar so gut, daß eigentlich niemand an eine Reunion der "deutschen Beatles" denken mochte. 25 Jahre nach ihrer besten Zeit jedoch kam es zu einem Comeback' das allen Unkenrufen zum Trotz künstlerisch und kommerziell erfolgreich verlief. Die RATTLES wollten keine öde nostalgische Aufwärme, sondern strebten die sinnvolle Kombination aus drei Jahrzehnten Rock-Erfahrungen an. Jetzt ist die Zeit reif für eine zweite LR "Painted Warrior" ist randvoll mit musikalischen Überraschungen, propagiert vor allem Spaß von begeisterungsfähigen Musikern, die nicht in kühler Routine erstarren, und ist zugleich der Auftakt zur Zusammenarbeit mit der BMG/RCA.

Die RATTLES wurden 1961 von Achim Reichel und Herbert Hildebrandt ins Leben gerufen. Ein Jahr später spielten sie zur Eröffnung im Hamburger "Star Club" und gewannen den "Star Club"-Wettbewerb als "Beste Beatband". Anfang ,63 löste Dicky Tarrach den Ur-Drummer Dieter Sadlowsky ab, und mit dem damaligen zweiten Gitarristen Hajo Kreuzfeld trat die Band anläßlich ihrer zweiten England-Tournee in der Vorweihnachtszeit ,63 gemeinsam mit den Animals im berühmten Liverpooler "Cavern Club" auf. Der MELODY MAKER schrieb: "Den größten Erfolg seit den Beatles haften im Cavern Club das deutsche Equivalent.THE RATTLES. Diese sensationelle Gruppe ist die einzige deutsche Band, die in England einen Fan-Club hat!"

1965 zogen die RATTLES mit dem Top 20-Hit "La La La" erstmals in die deutsche Hitparade ein. Es folgten "Stoppin' In Lasvegas",1966 "Come On And Sing" und "Love Of My Life" sowie 1967 "Cauliflower". Doch. damit nicht genug. Im Sommer ,66 begleiteten die RATTLES die Beatles auf deren Deutschland-Tour im Vorprogramm und bald darauf brachten sie mit "Hurra die Rattles kommen" den ersten deutschen Beatfilm in die Kinos. Nun waren die Hamburger Jungs unumstritten die erfolgreichste und international angesehenste deutsche Band ihrer Dekade. Die einzige echte Beat-Gruppe hierzulande wurde von den Mädels umschwärmt, und vielerorts wurde von einer "Rattlemania" gesprochen.

Umso bedauerlicher; daß die erste und beste RATTLES-Generatlon ein jähes Ende fand. Die Bundeswehr hatte wenig Verständnis für das muntere Beat-Treiben und zog Achim Reichel ein. Daraufhin wurde die Gruppe zum Quintett aufgestockt, doch im Herbst '67 schied auch DickyTarrach ,aus um später mit Reichel das kurzlebige Projekt Wonderland zu realisieren. 1968 verließ mit Herbert Hildebrand der letzte Ur-Rattle die Szene. Nun übernahm mit Ex-"Rivets"'"- Henner Holer ein neuer Steuerrnann das Ruder bei den RATTLES. "The Witch" war eine der ersten neuen Aufnahmen, fand jedoch zunächst keine Beachtung, und Ende 1969 schien das endgültige Ende gekommen zu sein Aufgrund der überraschenden positiven Auslands-Resonanz auf "The Witch" wurden die RATTLES Anfang 197o,völlig neu formiert. "The Witch" schaffte anschließend in einer Neuaufnahrne den Sprung zum No. 1-Hit und wurde in 23 Ländern auf Top-Plätzen der Charts registriert. Doch der Nachzieher blieb aus, und bis Ende 1976 verkamen die einst so glorreichen RATTLES zu einem ambitiotislosen Hobby-Unternehmen. Doch wie gesagt, von den Ur-RATTLES war niemand mehr dabei.

Achim Reichel begann 1971 seine Solo-Karriere mit der Elektronik-Exkursion "Die Grüne Reise", widmete sich anschließend verrockten Shanties, bearbeitete mit Erfolg deutsches Liedgut und nahm schließlich in den 80er Jahren seinen Platz als erfolgreichster deutscher Rock-Solist neben Udo Lindenberg und Marlus Müller-Westemhagen ein. Dicky Tarrach avancierte zum begehrten Studio-Drummer in Deutschland, verwirklichte Solo-Projekte und war Initiator von Erfolgsbands wie Randy Ple und Moti Speojal, Herbert Hildebrandt verfaßte und produzierte die Hits "The Witch", "Mademoiselle Ninette" (Soulful Dynamios) und war gemeinsam mit Henner Holer am Aufbau der Les Humphries.Singers beteiligt. Hoier seinerseits profilierte sich als Komponist und Verleger. Als die 80er Jahre sich ihrem Ende neigten, faßte Dicky Tarrach den Plan, die RATTLES wieder zusammenzubringen. Ab 1987 fanden lockere Jam-Sessions statt, doch erst im Frühjahr '88 hatte Tarrach seine Partner soweit überzeugt, daß einer Reunion nichts mehr im Wege stand. Gesagt getan. Die Single "Hot Wheels" bereitete im Herbst l988 die gleichnamige LP vor; die für heftige Medien-Reaktionen sorgte und auch eine beachtliche Chart-Position erreichte. Der STERN schrieb: "Die RATTLES knüpfen nahtlos an ihre goldenen Zeiten an", und ME/SOUNDS stellte fest: "Eine grundsolide Produktion. Gutes Handwerk ohne Schnörkel, Glimmer und Glitzer". Damit widersprachen die RATTLES der alten Boxerweisheit: "They never come back". Im Gegenteil, auch die Live-Band THE RATTLES war wieder gefragt. Die einstigen "German Beatles" waren erneut voll im Gespräch, ohne sich auf alten Lorbeeren auszuruhen. Ihr frischer, zeitgemäßer Rocksound reaktivierte nicht nur die alten Fans, sondern gewann jede Menge neue, jüngere dazu. Für das BMG/RCA-Debüt haben die RATTLES zehn Titel (zwei Bonus Tracks für die CD) aufgenommen; Darunter zwei Coverversionen: "Hot Summer Nights« und als besonderes Bonbon "Keep On Running" mit Spencer Davis als Gaststar.

"Painted Warrior" verdeutlicht, daß hier eine professionelle Band agiert, die nach 25 Jahren immer noch einen riesigen Spaß am unprätentiösen Rock findet. Die RATTLES strotzen nur so vor Selbstbewußtsein und vermitteln mit jeder Sekunde ihres Albums Goodtjme-Feeling.

03/90 "Painted Warrior" - ZL/ZK/ZD 74578

[BMG/RCA Presseinfo 3/90]

[Mit Beiträgen von: Fritz Griepentrog, Kurt Mitzkatis, Wolfgang Pokall, Ralf Saak]



© 1998, 2003 german rock e.v.
- 08-Juli-1998 -