Blues'n'Soul

Frühe Formen des Blues und deren Zwischenstufen bis hin zum Soul
siehe auch Bluesrock

A - I J - R S - Z
Al Jones
B.B.And The Blues Shacks
Blues Company
Born, Jessica
Fisherman's Fans
Delta Blues Band
Hilden, Gregor
Hootin' The Blues
Kay, Arny
Musixx
Schneller, Tommy
Six Was Nine
Splitting Soul
Todorovic, Toscho
Vieth, Tom



"Aus deutschen Landen Blues auf den Tisch"

"Somebody better help me, cause I canīt help myself", der Schweiß tropft von den Wänden in den Kellerkatakomben des Birdland. Auf der Bühne schafft sich ein langhaariges Quartett mit schleppendem OffBeat durch den Junior Wells/Buddy Guy Klassiker Snatch It back and Hold It. Handfester Chicago-Blues füllt den Raum, aber nicht in Theresaīs Lounge, 48th and Indiana auf Chicagoīs Southside sondern in Frankfurt Sachsenhausen kurz vor Weihnachten 1976. Udo Wolff, Gesang und Mundharmonika, und Tom Schrader, Gitarre, aus Hildesheim sind mit ihrer Band Das Dritte Ohr unterwegs. Das Dritte Ohr, gegründet 1971, und eine Handvoll weiterer Bands wie die Osnabrücker Blues Co., die Rainer Baumann Band aus Hamburg, die PeeWee Bluesgang aus Hildesheim oder die Münchener Al Jones Bluesband, gehören zu den wenigen Gruppen, die in den siebziger Jahren in Deutschland auf Tour sind, um authentischen Blues mit eigenem Stil live zu präsentieren.

Blues in Deutschland und dann noch von hiesigen Musikern. Für die meisten eingeschworenen Bluesfans lange Zeit ein doppelter Anachronismus. Blues ist die Musik der schwarzen Amerikaner in Mississippi, in Detroit oder Chicago und nicht in Hildesheim, Osnabrück oder in Bayern. Howlin Wolf, Muddy Waters oder B.B. King sind die Stars des originären Blues. Wer ist Abi Wallenstein, Toscho Todorovic oder Richard Hagel ? Das man auch hierzulande erstklassigen Blues spielen und hören kann, ist von diesen und vielen anderen Bluesmusikern inzwischen unstrittig gezeigt worden. Dabei sind die einheimischen Wurzeln des Blues weit vor den Krautrockjahren vor gut 25 Jahren schon in den frühen fünfziger Jahren gepflegt worden. Musiker wie Günter Boas, Oskar Klein und Leopold von Knobelsdorff fanden im Spannungsfeld des Nachkriegsjazz und des frühen RockīnīRoll ersten Zugang zum schwarzen Blues und begannen in Jazzclubs und Kneipen Blues in das Programm zu heben. Klaus Doldinger absolvierte seine ersten Auftritte mit Bluestiteln. Joachim Ernst Behrend initierte das American Folk Blues Festival 1962. Viele hörten hier erstmalig Blues im Original von Originalen und wovon sich Eric Clapton und Keith Richards inspirieren ließen, daß fruchtete auch bei vielen einheimischen Musikern.
Eigenständige Bluesgruppen formierten sich, spielten in lokalen Kneipen und lösten sich wieder auf. Einige Musiker verdingten sich als Begleitmusiker tourender Bluesmeister aus den Staaten und lernten das Bluesspiel direkt von ihren Vorbildern. Champion Jack Dupree, Louisiana Red oder Guitar Crusher gehören zu den schwarzen Bluesern, die sich in Deutschland niederließen und den hiesigen Musikern den Blues authentisch näher brachten.
Ein erster Zusammenschluß von Bluesenthusiasten gründete sich 1976 mit dem German Blues Circle in Frankfurt. Erste Bluesfestivals mit einheimischen Bands wurden ins Leben gerufen und die Auftritte in Gaildorf, Lahnstein oder Bremen entwickelten sich zu festen Treffpunkten für Musiker wie Fans. Fanzines wie das Magazin Blues Forum erschienen und die Produktion von Platten deutscher Bluesmusiker begann sich im Schatten des Deutschrockbooms zu entwickeln.

Aus den Anfängen von Toscho Todorovic, Udo Wolff, Rainer Baumann, Frank Diez, Al Jones und zahlreichen anderen ist 25 Jahre später eine breite und lebendige deutsche Bluesszene entstanden. Statt einer Handvoll Bands und ein paar Individualisten an Gitarre, Mundharmonika oder Klavier treten heute hunderte von Gruppen und Formation in den Clubs und auf den Festivals auf die Bühne und spielen den Blues. In Hildesheim, Osnabrück, Hamburg, Berlin, Frankfurt oder München existieren lebendige lokale Bluesszenen. B.B. & The Blues Shacks, The Bluescasters, FriendīnīFellow, Richard Bargel, Christian Rannnenberg, The Dynacasters, Matchbox Blues Band, Dieter Kropp sind nur einige Namen von vielen, die inzwischen in Deutschland die Fans mit solidem Blues begeistern. Dutzende von CD-Veröffentlichungen belegen die Bandbreite und Qualität zahlreicher deutscher Blueser, die vom soliden City-Blues, Cajun, Country oder Jump & Jive alle Stilrichtungen präsent hält und weit über dir gängigen Bluesklisches alter Männer am Mississippi oder sonnenbebrillter Blues Brothers Clowns hinaus geht.
[Thomas Gutberlet]



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- 11-Juni-2001 -