KETTCAR
Stuttgart, LKA Longhorn, 26.02.2012
Seit dem letzten Album Sylt vor vier Jahren war es eine Zeit lang ruhig um die Hamburger Band Kettcar. Ende letzten Jahres dann die frohe Botschaft, ein neues Album mit dem Titel Zwischen Den Runden ist auf dem Weg. Mit der Veröffentlichung einher sollte natürlich auch eine Deutschlandtour gehen. Umgehend wurden für das Konzert in Stuttgart am 26.02.2012 Karten rechtzeitig bestellt, da absehbar war, dass diese Tour zum Ausverkauf neigen wird und die Erwartungen der Fans überaus hoch sind.
Das Album war dann ab 10. Februar erhältlich und selbstverständlich digital auf dem mp3-Player verbannt. Nun hieß es, möglichst in kurzer Zeit das Album auswendig zu lernen, damit das Konzert sich noch mehr lohnt. Zunächst stellte sich dies allerdings als etwas schwieriger als angenommen dar. Das neue Album von Kettcar erfuhr eine musikalische Wendung, die es schwer machen sollte, den Anschluss an die vergangenen drei Veröffentlichungen zu finden. Die Fangemeinde teilt sich in zwei Lager. Fans die das Album in den Himmel loben und sich schwärmend äußern und andere finden es viel zu depressiv, musikalisch zu schwülstig und auch die Aufnahmen selber technisch nicht besonders gelungen. Der anstehende Konzertbesuch stand daher auch unter unklaren Vorzeichen. Um es mit den Worten von Kettcar zu sagen, die Erwartungen waren Schwebend – übrigens auch eines der besonderen Highlights auf dem neuen Album.
Vom Support wurde nur noch das letzte Lied mitgenommen, die Halle war bereits brechend voll. Nachdem das obligatorische Startgetränk an der stark umlagerten Bar besorgt wurde, konnte es nach einer kurzen Umbaupause auch schon los gehen. Das LKA präsentiert nicht zum ersten Mal Kettcar und ist von der Größe her im erträglichen Rahmen. Kettcar hätte mit Sicherheit eine größere Halle voll bekommen, aber der Stimmung hätte dies eher nicht gut getan. Und so war das LKA die richtige Wahl. Dies bestätigte Marcus Wiebusch, Sänger und Frontmann von Kettcar, bereits zu Beginn des Konzerts. Ihnen wurde u.a. die Schleyerhalle und andere Lokationen angeboten, aber Kettcar lehnte dankend ab, da das LKA eine Showtreppe (es ist eher eine Wendeltreppe vom Backstageraum runter auf die Bühne) habe und das ist Grund genug, das LKA als Auftrittsort zu wählen.
Kettcar, inzwischen Profis in der Branche, spielten ein sauberes Konzert mit allem was dazu gehört. Der Ton war, für das LKA zumindest, ganz ordentlich abgestimmt, die Lichtshow gut inszeniert, die Songauswahl nahezu perfekt. Gefühlt schien es, dass der Ablauf schon beinah zu perfekt war – etwas steril für meinen Geschmack. Aber dies kündigte sich eigentlich schon irgendwie an, dass Kettcar anders geworden sind, professioneller, aufgeräumter, ruhiger, älter – als man das noch von der letzten Platte oder den vergangenen Konzerten her kennt.
Aber letztendlich bleibt festzustellen, dass das was Kettcar abgeliefert hat, ordentliche Arbeit war. So wurden, nicht wie man es vielleicht vermutet hätte, nur eine kleinere Auswahl an Titeln des neuen Albums gespielt und mit einer guten Mischung alter Songs und Hits der letzten drei Alben versetzt. Fast hätte man den Eindruck gewinnen können, dass Kettcar ihr neues Album für einen Live-Gig selbst ein bisschen zu bedächtig und emotional finden und daher mit älteren Stücken, die mehr Energie versprühen, zwangsläufig aufgepeppt werden musste. Leider kam es dann aber auch nicht dazu, dass wirklich sehr gute Titel wie beispielsweise Erkenschwick gespielt wurden, was definitiv in die Setliste gehört hätte. Dafür kamen aber Kracher wie Balu und Balkon Gegenüber zum Einsatz, die nicht auf der neuen Platte zu finden sind.
Insgesamt also ein durchaus gelungener Abend, ohne nennenswerte Überraschungen und einem Touch kommerzialisierte Professionalität, die irgendwie als Beigeschmack im Gedächtnis bleibt. Dennoch, und dass muss im Abschlusssatz erwähnt werden, Kettcar ist eine der Vorzeigebands deutscher Rock- und Popindependentmusik – die Respekt verdient hat und wirklich sehr schöne, hörenswerte Musik macht. Die Stilrichtung muss man mögen wollen.
Zwischen Den Runden ist vielleicht auch, wenn man den Albumtitel interpretieren will, ein Ausflug in andere Gefilde – um später wieder zu Kettcar zurück zu finden. Eben ein Album Zwischen Den Runden. Noch viel mehr unterstützt diese Vermutung sogar die Tatsache, dass das neue Album, wie bei den Vorgängern, nicht fast ausschließlich aus der Feder von Marcus Wiebusch stammt, sondern etwa die Hälfte der Titel von Reimer Bustorff (bass, voc) geschrieben wurden.
Und so gingen wir nach spürbar geplanten Zugaben doch irgendwie trotzdem oder gerade deswegen zufrieden nach Hause und fanden,
„Aber irgendwie schon besser, im Taxi zu weinen, als im HVV Bus, oder nicht?!“ (Zitat aus Im Taxi Weinen, Kettcar)
Kai Rudolph
| Band Name |
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| Kettcar |