BRINGS
Hilden, Stadthalle, 24.04.2002
Brings, viele von Euch haben den Namen möglicherweise noch nie gehört. In der rheinischen Metropole Köln und weitläufiger Umgebung gehört diese ,kölsche' mundartliche Rockband jedoch bereits seit geraumer Zeit zu den Top-Acts.
Ich selbst hatte Brings bereits vor ca. 4 Jahren in Solingen im Getaway erlebt und wusste, dass man bei einem Konzertbesuch eine gehörige Portion musikalischer Power einfangen kann. Auch wenn die Presse hierzulande eher den Schwerpunkt auf die fulminanten geradezu erdbebenartigen Einflüsse auf die letzen Karnevalssessionen legten. Diese Band ist in erster Linie eine ernstzunehmende Rockband. So begab ich mich also am 24.04. nach Hilden, einem Vorort von Düsseldorf, in die Stadthalle.
Mein erster Eindruck bezog sich auf das Publikum. Eher im gesetzten Mittelalter war es, ein Spektrum beginnend in den frühen 20igern bis hin zu jung gebliebenen Mittfünfzigern. Es drängte sich mir die Frage auf, ob wohl alle diese Leute, ca. 650 hatten sich eingefunden, dem Presserummel um den Karneval gefolgt sein würden?
Bereits der Opener Drachesteije von der 92iger LP Kasalla zeigte mir das Gegenteil. Das Publikum war sofort da, einige kannten den Text und sangen mit. Einige Stücke später kochte das Volk zum ersten Mal dicke Bubbleblasen bei Nur Mer Zwei. Die Band nutzte das und setzte mit Nix Iss Verjesse gleich noch einen drauf.
Bereits jetzt war mir klar, 80% der Leute waren knallharte Brings-Fans und das sozusagen in „Feindesland“, wer die ewigen Querelen zwischen Düsseldorfern und Kölnern kennt weiß wovon ich spreche. Es folgten wieder einige Stücke, bunt gemischt von Balladen bis zu Powerrock, dann der Titel, auf den nicht nur ich, sondern wohl auch alle anderen sehnsüchtig gewartet hatten: Superjeilezick für Nichtkölner: Supergeile Zeit. Und nun erklang der Text aus tatsächlich 650 Kehlen.
Ich hatte Angst um die Statik der Halle! Dieser, eben tatsächlich im Karneval bekannt gewordene Song, hat einfach die Wirkung von einem Tetrapack Adrenalin intravenös gespritzt. Und die Band reizte den Song denn auch erbarmungslos mit Gitarrensoli und vorgetäuschtem Songende bis zum Anschlag aus. Eine absolut überzeugende Live-Performance, und wenn Karneval so was hervorbringt, dann werde ich als absoluter Non-Karnevalist für die tollen Tage versöhnt. Wenn eine Band es sich erlauben kann, einen solchen Kracher in die Mitte des Programms zu setzen, statt wie meist ans Ende oder als Zugabe, dann bedeutet das, dass es noch genug anderes Material gibt, mit dem sie begeistern kann. Und genauso war es denn auch.
Es folgte Hit auf Hit, besonders hervorheben möchte ich nur noch Bis Ans Meer, ein gefühlvoller Song, der in seiner musikalischen Dramaturgie unverwechselbar gebracht wurde und textlich viel über die Erfahrungen der Musiker offenbart. Ein weiter Knaller, Niemols Im Laeve, beschließt die offizielle Spielzeit von zweieinviertel Stunden ohne Pause.
Natürlich wollten alle mehr hören, deshalb gab's noch zwei Zugaben aber auch das reichte nicht! Mit viel Zugaberufen und Fußgetrampel wurden Brings erneut auf die Bühne geholt, spielten noch mal zwei Songs und verabschiedeten sich endgültig mit dem Song Zoo Foos Noh Kölle Jon vom begeisterten und überzeugten Publikum. Insgesamt spielten sie somit fast drei Stunden zum Preis von 16 Euro, ein Preis / Leistungsverhältnis, das heutzutage seinesgleichen sucht. Wer auch immer in seiner Nähe mal die Gelegenheit hat, ein Brings-Konzert zu besuchen, dem sei gesagt: Keine Angst vor Texten, die man als Nichtkölner nur schwer versteht, die Musik und die Show lässt alles vergessen und außerdem, es gibt auch kölsche Wörterbücher!
Noch sehr begeistert am Tag danach:
Harald Stimpel
| Band Name |
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| Brings |