BILL WYMAN & THE RHYTHM KINGS (GB),
TOMMY SCHNELLER BAND
Osnabrück, Stadthalle, 11.06.2004
Es kommt nicht oft vor, dass man Legenden live erleben kann. Am Donnerstag, dem 11.06.2004 war es aber soweit. Bill Wyman, der 31 Jahre lang Bassist der Rolling Stones war, kam mit seiner eigenen Band The Rhythm Kings in die Stadthalle nach Osnabrück.
Als Vorgruppe hatte man die Tommy Schneller Band verpflichtet, die erstklassig einheizte. Ein sehr gepflegter Bigbandsound, der nicht mit Kabinettstückchen und einer gehörigen Portion Dampf sparte. Die Jungs durften wegen eines Missverständnisses nur bis 20:37 Uhr spielen, obwohl vehement nach weiteren Zugaben gerufen wurde. Wer auf erstklassigen Blues und Boogie Woogie aus Deutschland steht, der sollte nach der Band Ausschau halten. Es lohnt sich!
Nach fast 50 Minuten erschienen dann die Musiker, auf die alle warteten. „We are not a rock’n roll band, but we play rock’n roll, boogie woogie, blues, gospel , funk, Country and Soul!“ So kündigt Bill Wyman mit ruhiger Stimme das an, was da folgen sollte. Etwa 500 Zuschauer füllten den Kongresssaal und vermittelten trotzdem Clubatmosphäre! Der Mann, der allen anderen Schlagzeilen zum Trotz der schlimmste (sexuelle) Finger der Stones war (er hatte etwa so viele Mädels im Bett, wie Keith und Mick zusammen!) gab sich auf der Bühne wie immer. Er stand wie angewurzelt auf der Stelle, und selbst im Zeitraffer würde man kaum ein Minenspiel bemerken. Damit endet allerdings auch die Gemeinsamkeit mit früheren Stonestagen.
Bill hat eine erlesene Schar exzellenter Musiker um sich versammelt und präsentiert eine musikalische Reise, die kein anderer so darbieten könnte. Es würde nicht funktionieren. Durch seine eigene Zurückhaltung schaffte er es, dass alle Zuschauer so nach und nach die Musiker auch wirklich als eine Band wahrnahmen und nicht nur als Bills Begleitmusiker. Ganze neun Musiker bringen die Bühne zum Brodeln und dem Zuschauer eine Menge Spaß. Im Stile eines Entertainers tritt Mike Sanchez im fünfziger Jahre Outfit mit weißem Sakko auf und kündigt großes an, er spielte an diesem Abend Piano, da Georgie Fame, der das sonst macht leider verhindert war. Tja und dann kommen die Rhythm Kings - und eine echte Queen: die farbige Rastazöpfe tragende Sängerin Beverly Skeete, die mit Mike zusammen die jüngere Fraktion bilden, dann Andy Fairweather Low, der von Amen Corner noch bekannt ist an der Gitarre, Albert Lee mit schulterlangen weißen gelockten Haaren, aber jungenhaft verschmitztem Grinsen im Gesicht spielt ebenfalls Gitarre. Der nächste Saitenstreichler ist Bills ältester „echter“ Freund Terry Taylor. Die Bläsersektion wurde von Frank Mead und Nick Payn gebildet, die von der Maultrommel, über die Flöte bis zum Saxofon alles spielten - doch davon später mehr. Als Schlagzeuger lieferte Graham Broad fast so unspektakulär wie Bill, doch genauso präzise den stabilen Soundteppich.
Diese Gruppe führte das Publikum durch die Geschichte der Musik und bereitete allen einen tollen Abend. Die Band hat ein neues Album am Start. Just For A Thrill heißt es und ist ebenso bunt wie das Programm live. Wenn so exzellente Musiker auf der Bühne stehen und offensichtlich Spaß haben, dann braucht es keine Riesenlightshow, oder spektakuläre Bühnenaufbauten. Hier herrschte die intime Nähe eines Clubs. Auch die Stones lieben und brauchen das ja heute ebenfalls immer noch: die unmittelbare Konfrontation und Reaktion der Fans. Bill kann sich das nun jeden Abend leisten. Er, der Stadien reichlich bespielt hatte, kann nun immer das spielen, was er will - und mit wem er will. Die Rhythm Kings jedenfalls sind eine gute Wahl.
Die Stimme von Beverly ist ein Knaller und bringt alles zum Glühen. Andy Fairweather Low dagegen war wohl etwas heiser, konnte aber mit seinem ungemein bluesigen Gitarrenspiel schwer beeindrucken. Mike Sanchez war ganz klar der Rock’n Roll und Showman, der bei Funk und Soul sich sogar zum Ende der Show reichlich Mädels auf die Bühne holte und sich selbst hinlegte und stöhnte „I suffer the good sight“. Ein echter Performer mit Götz Alzmann-Tolle. Was Frank Mead und Nick Payn leisteten, das war unglaublich: Ihr Saxofonspiel ist extrem präzise, und ich denke, dass sie wirklich zu den Besten in dieser Sparte gehören. Einige Titel des neuen Albums wurden gerade durch ihren Einsatz zu Knallern wie die Ballade Cry Baby im Zusammenspiel mit Beverly Skeete. Booty Ooty hatte dagegen Kool & The Gang - Touch, während der Beatlestitel Taxman erstklassig zeitgemäß umgesetzt wurde.
Ein ganz besonderes Highlight muss hier noch erwähnt werden. Mayfields Stück Hit The Road Jack wurde in schönstem Zusammenspiel mit Publikumsgesängen regelrecht abgefeiert. Im instrumentalen vom Saxofon ausgeführten Zwischenteil erklangen ganze vier Takte von Paint It Black - der einzigen Stones-Erinnerung an diesem Abend. Außerdem dachten alle an die großartige Version zu diesem Stück von Ray Charles, der genau an diesem Abend starb, wie man erst am nächsten Tag erfuhr - Seltsam...
Auf jeden Fall war es ein erstklassiger sehr unterhaltsamer Gig. Es lässt wirklich hoffen, dass ein so bunter Abend wie dieser möglich ist. Qualität und Performance sind also wieder gefragt! Danke Bill, dass Du diese Fahne hochhältst!
Kurt Mitzkatis
| Band Name |
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| Bill Wyman & The Rhythm Kings (GB) |
| Tommy Schneller Band |
| Musiker Name |
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