Rock, Peace and Solidarity, Duisburg, Soundgarden, 16.11.2001


ROCK, PEACE AND SOLIDARITY

Duisburg, Soundgarden, 16.11.2001


Etwa 1000 Besucher statteten den drei Bühnen, auf denen insgesamt 25 Bands auftreten sollten, ihren Besuch ab. Besonders schwer hatten es dabei die Bands, die zuerst auftraten. Insgesamt ist zu bemerken, dass der Sound auf Bühne Eins immer etwas zu laut war. Die besten Bands des Abends waren eindeutig auf den kleineren Bühnen Zwei und Drei zu finden, wobei es sehr störte, dass der Sound dieser beiden sich gegenseitig beeinträchtigte.

 

Die kleinste der drei Bühnen, im hinteren Teil des Soundgarden gelegen, bot vorwiegend Unplugged-Acts. Die meisten Besucher des Festivals waren so zwischen 21:00 und 23:00 Uhr anzutreffen. Das hatte zur Folge, dass sehr gute Bands wie Any Color You Like und Symbioose unter Besuchermangel litten, da sie erst weit nach 23:00 Uhr auftraten. In meinen Augen war das wirklich ein Skandal, zumal man auf Bühne Zwei noch mit technischen Problemen zu kämpfen hatte. Offenbar hatte die Person an diesem Mischpult wenig Ahnung von der Materie, so dass die Bands keinen oder kaum Monitor hatten und damit fast taub spielen mussten, während der Sound im Zuschauerraum generell vollkommen übersteuert wurde, was wieder mal klar beweist: Laut ist nicht gleich gut. Es empfing Mike Davids gähnende Leere, als er um kurz nach 20:00 Uhr die Bühne Drei betrat. Der sympathische Mike schlug sich aber wacker und sang seine vier Stücke tapfer bis zum Ende. Besonders gut gefiel das Cover von My Way (Frank Sinatra). Aber auch die anderen Stücke Destiny, Your Eyes und Honesty (Billy Joel) klangen gesanglich recht gelungen. Ein nur zu verständlicher Kommentar entschlüpfte Mike Davids vor Beginn des zweiten Stückes: " Noch mal mache ich nicht den Opener!" Etwas besser besucht war durchweg die Bühne Eins, auf der sich zu Beginn eine Duisburger Band namens Äerszä tummelte, die eigentlich keiner Erwähnung bedarf, da sie schlechtgesungenen Punkrock a’ la Die Ärzte präsentierte, der jede Qualität vermissen ließ. Einige der Duisburger Teenies hatten jedoch offenbar ihre Freude daran, immerhin durfte sich die Band über knapp 100 Zuhörer freuen.

 

Auf der 2. Bühne machte die Band Fresh Game, mit neun Leuten zusammengequetscht, den Auftakt. Die Band war reichlichst instrumentiert (Tamburin, Querflöte und so weiter..) was aber leider teilweise etwas unterging. Das Material war überwiegend rockiger Natur. Sie konnten sich über 40 Zuhörer nicht wirklich freuen, vielleicht der Grund für die etwas verkrampfte Haltung der beiden Sänger. Die nächsten auf Bühne Eins waren die sechs Köpfe von Black Milk aus Dortmund. Obwohl die Band nicht überragte, muss man dem Sänger eine ganz gute, leicht an Bono von U2 erinnernde Stimme bescheinigen. Die Lieder variierten von ruhigem Rock mit leichten Darkwave-Einschlägen bis hin zu Hardrock.

 

Auf Bühne Drei faszinierte derweil das Duo Eddie Who durch frischen, mit Akustikgitarre und Geige sehr gut dargebrachten Irischen Folk. Das absolute Highlight auf Bühne Drei war sicherlich Melanie Jung, die mit ihrer wunderbaren Stimme zur Gitarre ihres Partners brillierte. Einige der Zuschauer waren nur zu dem Festival erschienen um ihr zu lauschen. Sie war die einzige Künstlerin auf dieser Bühne, die mehrfach um eine Zugabe gebeten wurde, die sie dann auch bereitwillig gab. Die lautstarke Untermalung, die von Bühne Zwei herüber dröhnte, brachte Melanie Jung nicht aus dem Konzept. Auf Bühne Eins traten derweil unterschiedliche Bands allesamt aus Duisburg auf. Dort rappten gerade noch Wojna Rapper, kurz darauf verbreiteten Trijanity zwar eine gute Stimmung mit ihrem Reggae, stellten aber gesangstechnisch eine ziemliche Pleite dar. Eine weitere Band auf Bühne Eins, die mit selbstkomponierten Stücken auftraten, war Sandrakete, eine vierköpfige, sehr junge Band, vom Gesangsstil an Tocotronic erinnernd, jedoch rockiger. Als ein besonderer Leckerbissen auf Bühne Zwei erwies sich die fünfköpfige Band Little Dick Shark aus Dinslaken. Sie selbst bezeichnen ihre Musik als spannungsgeladenen, melodieorientierten Gitarrenpop, wobei man durchaus schon ein klein wenig Metal erkennen kann. Sowohl der Sänger Michael Lübeck, als auch seine allesamt überzeugenden Bandkollegen Krischan Weyers(g), Dennis Föll(g,v),Thomas Güldenberg(d) und am Bass André Lapehn brachten es unter den gesamten Bands wohl am ehesten fertig, trotz der miesen Technik in dieser Halle einen insgesamt überzeugenden Auftritt hinzulegen. Das mag auch an dem sehr interessanten Songmaterial liegen, das irgendwo einen ganz eigenen Charakter hat und wohl auch daran, dass sie das Glück hatten über ausreichend Publikum zu verfügen.

 

Nachdem lja’s Richter sehr gekonnt und mitreißend 70iger Rock von Deep Purple, Sweet, Golden Earring und so weiter gecovert hatten spielte eine mehr heftige als gute Hardrockband, deren Namen ich mir nicht merken konnte (oder wollte?) das Publikum aus der Halle. Den verbliebenen Gästen (etwa 30) präsentierten sich Any Colour You Like (A.C.Y.L.) mit ihrem melodiösen Gitarrenrock in guter Form. Der Sänger der Band Olaf Schmitt versuchte zu animieren und sie nach vorne zu locken. Er hatte sich als Zeichen der Solidarität mit den USA eine amerikanische Flagge als Kopftuch umgebunden. Jedoch hatte der ansonsten recht quirlige Sänger auf der kleinen Bühne relativ wenig Bewegungsfreiheit, so dass er sich nicht so ganz wie gewohnt in Szene setzen konnte. Auch die anderen Bandmitglieder wirkten nach dem Auftritt etwas enttäuscht, da sie gehofft hatten, vor einem größeren Publikum spielen zu können. All das tat der Qualität von  A.C.Y.L. aber keinen Abbruch, und ich bin mir sicher, dass die Jungs demnächst größere Erfolge feiern werden. Direkt danach betrat das äußerst sympathische Quartett von Symbioose die Bühne. Zusätzlich als Gastmusiker waren der bekannte Schlagzeuger Tony Lieotta aus New York und Tobias Cosler als Keyboarder mit dabei. Symbioose überzeugte durch äußerst gefühlvolle, melodiöse, sanfte Rockklänge, die leider nur immer wieder durch die mangelhafte Technik beeinträchtigt wurden. Als Premiere präsentierten sie das Lied Was Kann Ich Tun? passend zum Thema des Festivals. Tony Lieotta begeisterte zu Beginn mit einem hervorragenden Schlagzeugsolo. Für die Musiker war der Auftritt aufgrund der mangelhaften Technik und der wenigen Zuschauer eher enttäuschend. Ich persönlich finde das sehr bedauerlich, der Veranstalter sollte sich fragen, ob er bei der nächsten Veranstaltung wieder in der Lage sein wird gute Bands zu verpflichten, wenn diese dann so gegen den Mixer arbeiten müssen. Das Ende des Festivals verlief ebenfalls nicht nach Plan. Da einige Bands auf Bühne Eins, die sich größerer Zuschauerzahlen erfreuen konnten, kräftig überzogen hatten, konnte die letzte Band Slutsy Tipsy erst mit reichlich Verspätung auftreten.


Abgesehen von den zahlreichen Mängeln hat mir die Veranstaltung dennoch gefallen.

 

Elke Kiehlmann