BURG HERZBERG FESTIVAL
Traditional Hippie Convention
19.-22.07.2006, Breitenbach / Hessen
Mittwoch, 18.07.2007
2005 waren Uwe und ich erst am Veranstaltungstag angekommen und hatten dementsprechend sehr wenig Zeit, um das Festivalfeeling schon im Voraus richtig aufsaugen zu können. Letztes Jahr trieben wir uns schon zwei Tage vor Beginn auf dem Gelände herum, was auch irgendwie nicht der Brüller war. Manchmal gab es dann doch Langeweile pur, und vor allem noch keine Getränke- und Imbissstände!
Also diesmal einen Tag vor Beginn zum Berg, es konnte uns im Bezug aufs Parken und Zelten ja nichts passieren... hatte ich angenommen. \\\"Solltet ihr dann auf dem Freak City Gelände keinen Platz mehr bekommen, könnt ihr auch im Backstagebereich parken und zelten.\\\" hatte Gunther Lorz (Mitveranstalter) mir irgendwann im Laufe des Jahres bei einem unserer Telefongespräche mitgeteilt.
Okay, manchmal sagt man anscheinend irgendwelche Sätze einfach so dahin, denn als wir am frühen Nachmittag im Festivalbüro auftauchen gibt’s - wie sonst in den letzten Jahren üblich - für Uwe und mich noch nicht einmal die Erlaubnis für das Betreten des Backstagebereiches, sondern lediglich \\\"No Backstage\\\" bedruckte Pässe, was die harmlose Umschreibung für \\\"bis in den Fotograben und nicht weiter\\\" war. Und Parken auf dem Backstagegelände wäre sowieso \\\"völlig unmöglich\\\" lässt man uns wissen!
Na tolle Rolle, also Abfahrt Richtung Freak City zum nahegelegenen Hauptcampingparkplatz.
Nach längerem Debattieren mit einem Einweiser, der uns schon gar nicht mehr aufs Gelände lassen und uns auf einen Nebenplatz am A... der Welt schicken will (\\\"Wir haben Foto- und Videoausrüstungen dabei und müssen ständig zwischen Bulli und Bühne rumturnen, zwischendurch Akkus aufladen, weitere Kameras und Objektive, Fotochips, Videokassetten und andere Sachen holen und zurückbringen... usw.\\\") lässt er uns dann doch noch auf den Hauptplatz, wo wir wider Erwarten nach längerem Suchen tatsächlich noch `ne Lücke finden.
Halloooo, Burg Herzberg Veranstaltungsteam, was habt ihr denn dies Jahr für ein Problem mit uns vom German Rock e.V.?
Die Park- und Campingstory an sich ist ja schon schräg´ genug, doch die weitaus wichtigere Frage ist zweifellos, wie wir für ein Musikmagazin, welches sehr stark von Konzert- und Festivalstorys geprägt ist, Berichte schreiben und letztendlich auch Promotion machen sollen, wenn wir noch nicht einmal die Gelegenheit bekommen, `ne Menge interessante Informationen durch Gespräche mit den Musikern persönlich aus erster Hand zu erfahren, um sie dann im German Rock News Heft bzw. auf unseren Internet Seiten publik zu machen?
Als da wären zum Beispiel Infos über auf den letzten Drücker zusätzlich angesetzte Termine während der gerade laufenden Tourneen eines Muckers, Storys über Studiopläne und neue CDs und personelle Bandveränderungen. Und warum tritt eine bestimmte Band gerade heute mit einem anderen Basser auf als vorgestern noch? Liegt die Umbesetzung eventuell am zugeschwollenen und veilchenblauen Auge des Drummers? Wieso hat eine andere Truppe gerade vor ein paar Tagen ihren Manager rausgeschmissen? Weshalb machen Van der Graaf Generator jetzt als Trio weiter und holt sich keinen neuen Saxophonisten an Land? Aus welchem Grund hat Götz Widmann seine neue CD mit Band eingespielt, nur um jetzt doch wieder Solokonzerte zu geben? Und so weiter, und so weiter, die üblichen Fragen halt.
Zudem treffen wir gerade mit vielen auf diesem Festival anwesenden Musikern / Managern / Tourmanagern übers Jahr immer wieder persönlich zusammen - und ausgerechnet hier auf dem Burg Herzberg wird uns jeglicher Kontakt mit ihnen vor oder nach deren Konzert von vorn herein durch den Veranstalter unterbunden?!
So könnte ich in dem nun folgenden Bericht zu einigen gehörten, bzw. mir zugetragenen Vorfällen / Themen nur Mutmaßungen anstellen, deshalb habe ich mich entschlossen, über diese Infos aus zweiter und dritter Hand gar nichts zu schreiben. Einfach deshalb, weil die mir gegenüber geäußerten Aussagen / Behauptungen von befreundeten Reportern und Fotografen, die den Backstagebereich betreten durften, auf Grund des oben genannten Verhaltens der Burg Herzberg Leitung meinerseits nicht bei den betreffenden Musikern nachgefragt werden konnten.
Und es ist noch nie mein Ding gewesen, irgendwelche Halbwahrheiten zu verbreiten, die sich später eventuell als absoluter Blödsinn entpuppen könnten. Insgesamt werden die nächsten Seiten deshalb Hintergrundinformativ ziemlich oberflächlich ausfallen. Sorry, doch ich bin der Meinung, dass ich der Letzte bin, der dafür etwas kann. Gänzlich danebengeraten kam die Verweigerung des Backstagepasses letztendlich auch wegen des Regens im Bezug auf unsere Videokameras / Fotoapparate: Während die anderen Fotografen bei einsetzenden Schauern sich 10 Meter weiter im Backstagezelt mit ihren teueren Geräten unterstellen konnten, durften wir entweder im Regen stehen bleiben oder aber den langen Marsch durch Wolkenbruch und Schlamm zum Bulli antreten. Wenn man dort ankam, waren die Apparate entweder feucht oder im schlimmsten Fall richtig nass.
Donnerstag, 19.07.2007
9 Uhr 45: Hellster Sonnenschein und es wird ziemlich warm. Also erst mal Aufstehen und etwas über den Platz tippeln. Das erste, was ich kurz danach erblicke, ist eine Frau vor ihrem Zelt, großen Spiegel außen hängend, Haarspraydose in der Hand, und los geht’s... Nach erfolgreichem Toupieren gibt’s dann erst mal Lippenstift, Kajal, Rouge und so weiter Nachdem ich mir die unwirkliche Szene aus einiger Entfernung eine Weile ungläubig betrachte hab´ ich irgendwie das Gefühl, im falschen Film zu sein und marschier weiter.
Schon gestern Abend liefen uns jede Menge Bekannte vom letzten Jahr über den Weg, Besucher, Händler, Burg Herzberg Mitarbeiter, weitere Fotografen und Mitglieder der \\\"schreibenden Zunft\\\". Inzwischen kann ich beim Gang über den Platz die bekannten Gesichter gar nicht mehr zählen. Mittlerweile ist es Nachmittag geworden, Holger trifft auf unserem Platz ein. Er hatte auch keine Lust aufs Parken am Ende der Welt und beim Einweiser angegeben, dass seine Kumpels hier einen Platz für ihn freihalten würden. Schlimm an Holgers Erscheinen ist eigentlich nur, dass der Knabe bei seiner Ankunft den ersten Regen mitbringt und wir sein Vordach deshalb noch nicht aufstellen können. Glücklicherweise verziehen sich die Wolken gegen 18 Uhr zum ersten Auftritt wieder.
Wie schon in den letzten Jahren eröffnet die zusammengewürfelte Jam Truppe namens Session Band das Programm. Aus irgendeinem Grunde gefällt mir deren Programm dieses Mal nicht ganz so gut wie die vorherigen Jahre, zudem beginnt die Gruppe erst 20 Minuten nach der regulären Anfangszeit zu spielen. (Diese 20 Minuten werden sich allerdings gegenüber weiteren Verspätungen noch als absolut lächerlich herausstellen...)
Danach betreten Brant Björk And The Bros. die Bühne. Guter (Stoner-) Rock zum Mittanzen, mit andauernder Spieldauer klingt das Repertoire jedoch immer eintöniger. Die darauf folgenden Paatos - fünf Schwedenjungs sowie eine Sängerin - präsentieren einen musikalischen Verschmelzungssound, den ich nicht einordnen kann. Ethno? Synth? Folk? Psychedelic? Balladesk? Rockpop? Ziemlich schnell ist für mich zu erkennen, dass eben genau dieser Verschmelzungssound nur bedingt mein Fall ist. Den Abschluss und Abräumer des ersten Abends machen Quantum Fantay. Psychedelicsound in Richtung Ozric Tentakles, nicht ganz so spacig aber gut rübergebracht. Um zwei Uhr Freitagmorgens geht die Band von der Bühne, nicht ohne vorher dem Publikum bekannt zu geben, dass sie soeben der Beifallklatschende Teil des neuen Live Albums geworden sind.
Freitag, 20.07.2007
Als erste Formation sorgen die Bayern von Weißwurscht Is für Stimmung unter den nicht wenigen Zuschauern. Kurz nach 13 Uhr verbreiten sie eine Super Fun-Mucke in verrückten Kostümen und mit vielen Tanzeinlagen, und natürlich wirbelt das Publikum mit. Zum Finale, dem Unterhosenlied, befinden sich jede Menge - meist nur mit Unterhosen bekleidete - Männlein sowie Weiblein singend und tanzend auf der Bühne. Die Truppe ist wahrlich nicht unbedingt etwas für Leute, die der Meinung sind, dass Musik einen ernsten Hintergrund haben muss. Sie liefert einfach Spaß mir bayrischen Texten.
In der Umbaupause vor den Local Heros von Purple Rain gibt’s das erste Gewitter, einen tierischen Regen, und es wird merklich kühler. Bei Purple Rain wird einem allerdings schnell wieder warm, die drei Jungs mit Mastermind Philip Bölter an der Gitarre spielen eine gute Mischung aus TYA und Hendrix-Covern sowie diverse eigene Titel in genau diesem Stil - kommt alles richtig gut rüber, die würde ich gern noch mal irgendwann sehen.
Der finnische Gitarrist Ben Granfeld (Ex-Leningrad Cowboys / Wishbone Ash) bietet ab 17 Uhr 30 allen E - Gitarrenliebhabern ein wahres Fest. Hart und Rockig - starkes Konzert, besser als im FCS, wo ich ihn auch schon erlebte.
Irgendwann muss der Mensch auch mal etwas Essen, Trinken und sich ausruhen. Dies passiert bei uns Dreien zufällig gleichzeitig zum Auftritt vom Bayerischen Reggaepapst Hans Söllner. Deutscher Reggae ist sowieso nicht unbedingt mein Fall, bayerischer schon gar nicht, und bevor ich Ben Granfeld oder die nach Söllner auftretenden Van Der Graaf Generator sausen lasse...
Holger und Uwe scheinen da genau so zu denken.
Auf eben diese Van Der Graaf Generator in ihrer jetzigen Formation bin ich natürlich gespannt, denn die Bandgeschichte läuft ja jetzt seit kurzem ohne Saxophonklänge weiter. Und siehe da, so schnell kann sich ein Musikstil verwandeln. Ordnete ich Van Der Graaf Generator bisher immer unter Jazzrock ein, so hört sich das heutige Trio durch den Wegfall von Jacksons Saxophon schon eher nach Artrock auf der Gentle Giant Schiene an. Hamill kann für mich immer noch nicht richtig singen, doch an seine Mischung aus Gesang und Sprechgesang hab´ ich mich irgendwie in den Jahren gewöhnt.
Um 23 Uhr 45 haben sie ihren Abgang. Inzwischen ist man - nimmt man die normale Zeit für den Soundcheck / Bühnenumbau der folgenden Band mit hinzu - mehr als 60 Minuten über der eingeplanten Zeit. Nun, das wäre auch irgendwo noch zu verkraften gewesen, doch bei Pavlo`s Dog brechen daraufhin alle zeitlichen Dämme! Durch einen tierisch langen Soundcheck - unter anderem wegen angeblich technischer Probleme - fängt die Band statt um 23 Uhr erst um 0 Uhr 45 an!
Rockige Sache, optisch mit einem Slash-Klon an den Drums, David Suhrkamps Stimme ist zwar gewöhnungsbedürftig, jedoch sehr interessant. Den angereisten Fans gefällt es, und David begibt sich zwischendurch auch noch zum Händeschütteln in den Fotografen-Graben. Ziemliche Schwierigkeiten gibt es an dem Abend noch mit einigen angesoffenen / besoffenen Typen, die unbedingt meinen, die Security ärgern zu müssen und (mit vorherigen Ansagen!) mehrere Versuche starten, über und durch den Absperrzaun des Fotografenbereiches zur Bühne zu gelangen.
Als Uwe und ich noch etwas Essen wollen und über den Platz schlendern, läuft uns Rockradio.de Moderator Klaus Schnabel-Koeplin über den Weg und lädt uns zum Umtrunk ein, weil er.... Täterätääää... heute Geburtstag hat! Herzlichen Glückwunsch! Zusammen mit Frau und Sohn Sascha sitzen wir daraufhin noch einige Zeit zusammen. Electric Orange und die darauf folgenden Man schenk ich mir dann von wegen der Uhrzeit. Irgendwann ist einfach Schluss mit Lustig, doch Electric Orange krieg´ ich kurz vorm Einschlafen einige Zeit wenigstens noch akustisch mit.
Samstag, 21.07. 2007
Gegen 15 Uhr beginnen die Krautrocker von Sahara in Originalbesetzung ein nicht nur mich begeisterndes Konzert. Der heutige, auch den Musikern sichtlich Spaß bringende Konzertstreifzug durch ihre musikalische Vergangenheit gehört mit Sicherheit zu den Highlights des diesjährigen Festivals, unter anderem noch mit original alter Hammond. Und genial eingesetzte Instrumente wie Saxophon und Flöte findet man in Krautrockbands auch nicht unbedingt oft. Musikalisch unterzubringen in etwa bei Pink Floyd meets Emerson Lake & Palmer plus einen Touch Sweet Smoke mit zwischendurch schönem, mehrstimmigem Gesang.
Beim Auftritt der Edgar Broughton Band regnet es mal wieder. Der Out, Demons, Out-Brüller wird vielen 70er Jahre Rock(?) Fans noch in den Ohren hängen. Bei der Bezeichnung Rock bin ich mir allerdings nicht so ganz sicher, ob man sie hier ohne weiteres anwenden kann. Psychedelic, Polit, Folk - irgendwie ist von allem etwas dabei. Gutes Konzert, besser als vor einiger Zeit in der MHW.
Liedermacher Götz Widman soll sich dieses Jahr mit der kleinen Bühne begnügen. Muss man nicht unbedingt verstehen, hat er doch letztes Jahr auf der Großen schon die Massen angezogen. Und so ist auf dem Zuschauerplatz vor der kleinen Bühne auch nichts mehr frei... trotz Dauerregens, oder besser Dauergießens. Von oben prasselt wirklich ohne Unterbrechung alles an Wasser runter, was runter will. Irgendwann später holt Götz viele Besucher zu sich auf die Bühne unters Dach. Und zwar haargenau so lange, bis die Security alle Typen außer Götz nach kurzer Zeit wohl wegen Einsturzgefahr wieder runterschickt. Widmann bringt seine Texte, die sich überwiegend um ganz gewöhnliche Alltagsthemen, Politik und vor allem um Alkohol und Haschisch drehen meist solo mit Gitarre rüber. Nur zu einigen neueren Songs holt er sich den Basser der Band zur Unterstützung, mit der er seine aktuelle CD eingespielt hat.
Absolutes Highlight und Publikumsliebling ist natürlich immer noch der Song von der Zaubersteuer. Kein Wunder bei einer textlichen Aussage Marke: \\\"Man muss nur Hasch legalisieren.\\\" Und nächstes Jahr spielt er laut eigener Aussage auch wieder auf der großen Bühne.
Bei Colosseum schaffen es die Wolken tatsächlich, knapp 20 Minuten dicht zu bleiben. Dafür kommt es dann wieder richtig knackig, selbst die Kameramänner vom Rockpalast suchen entnervt das Weite. Mit Holger bin ich auf den Platz marschiert, und zusammen mit ihm hau ich auch wieder ab, während Chris Farlowe und die Band ihren Set unbeirrt weiter spielen, und am Bulli bekommen wir dann durch die Regenwand noch die Valentine Suite mit. Es gießt so extrem stark, dass selbst Holgers teure Camel Boots durch den Marsch von der Bühne bis zum Wagen total durchnässt sind, was mir bei meinen Gummistiefeln Gott sei Dank nicht passieren kann.
Hab´ ich im Übrigen schon erwähnt, dass wir dazu noch ein seit mehreren Stunden andauerndes Gewitter mit Blitz und Donner unser Eigen nennen dürfen? Die Gewitterfront kommt anscheinend aus diesem komischen Kessel hier zwischen den Bergen nicht raus und dreht sich ständig im Kreis. Mal kommen die Blitze von rechts, dann wieder nach kurzer Zeit von links, mal stärker, mal abgeschwächt und so weiter.
Vom Regen-, Blitz- und Donnerwetter aus betrachtet hat dies Wochenende schon jetzt alles übertroffen, was ich bisher an Festivals mitgemacht habe (Rock am Ring, drei Mal hintereinander (!) Blues Rock & More in Twistringen, Deichbrand in Cuxhaven...). Hatten wir letztes Jahr hier die tropisch-heiß-trockenen Zustände, gibt’s im Moment das absolute Gegenteil.
Uwe taucht auf einmal auf... im (fast) wahrsten Sinne des Wortes! Nach Götz Auftritt total durchgeweicht hatte er sich komplett umgezogen und mit Regenjacke, Regenhose und dicken Motorradstiefeln bewaffnet auf den Weg zu Colosseum gemacht. Doch diese von oben runterbrechenden Wassermengen mit der dazu eintreffenden Kälte hält man auch in der - wie sagt der Volksmund so schön - \\\"passenden Kleidung\\\" nicht lange aus, und Motorradstiefel sind nun mal auch nicht so wasserundurchlässig wie Gummistiefel.
Es gießt weiter... und gießt weiter ... und gießt weiter... und wir haben nicht die geringste Lust, uns wieder annähernd Richtung Bühne zu begeben. Auch weil es jedes Mal einen Kraftakt bedeutet, durch den stiefelhohen Matsch zu stapfen. Nicht nur einmal sind mir die Stiefel im Schlamm stecken geblieben. Zu allem Übel kommt dazu noch die Gefahr wegzurutschen und dadurch die doch erheblich teueren Foto- und Videoausrüstungen zu ruinieren.
Um 21 Uhr sollten Uriah Heep auftreten, um 23 Uhr ist es dann doch schon soweit! Heep sind da... und der Regen weg. Is´ ja irre! Die Zeitkoordination zwischen der Freak Stage und der großen Bühne läuft jetzt mittlerweile natürlich auch völlig aus dem Ruder. Da Uwe und ich Heep schon einige Male gesehen haben, wollen wir uns nach einiger Zeit wieder Richtung Freak Stage und Sunya Beat zuwenden. Ach so, kurz noch ein paar Worte zu Uriah Heep. Instrumental klingt die Truppe noch okay, schlimm wird es allerdings, wenn Bernie Shaw anfängt zu singen. Die neueren Songs hören sich natürlich soweit \\\"normal\\\" an, logisch, man kennt sie ja nur mit seiner Stimme. Aber die alten Klassiker, ehemals von Dave Byron (Lady In Black, Easy Livin´, Stealin´...) zelebriert oder von John Lawton (Free Me) gesungen... Oha. oha, oha.
Bei der Freak Stage angekommen, stellen sich für uns zwei Fragen. Erstens: Was geht hier denn ab, beziehungsweise nicht ab? Und zweitens: Wo sind Sunya Beat? Keine Instrumente, Boxen und so weiter auf der Stage, kein Mischer zu sehen, keiner vom Rockradio.de an seinem Arbeitsplatz. Und von den Besuchern, die dort rumdackeln, kann uns auf Nachfrage auch keiner weiterhelfen. Informationsblätter an der Bühne sind auch nicht zu finden. Sunya Beat sind einfach nicht da. Schluss. Aus. So einfach geht das anscheinend. Also back to the Heep. Rechzeitig zurück, als die Zugaben angekündigt werden. Wie... Zugaben? Waren wir so lange unterwegs zwischen den Bühnen? Natürlich nicht, und um es kurz zu machen: Uriah Heep spielen als Zugaben eine gute Version von Easy Livin´ sowie danach eine für meine Ohren gesanglich grottenschlechte Version von Lady In Black, und nach einer Stunde und fünf Minuten Spielzeit ist die Band wieder verschwunden! Ob Originalmitglied Mick Box sich mit dem ganzen Unternehmen selbst noch einen Gefallen tut weiß ich auch nicht so recht. Doch wenn allein der Name Uriah Heep noch die Kassen gut klingeln lässt, kann man es Mick irgendwo auch nicht unbedingt verübeln.
Jedenfalls haben diese Musiker mit der Top-Rockband der 70er Jahre weder von der musikalischen Leistung wie auch von der personellen Besetzung her sehr wenig zu tun... um nicht zu sagen: Eigentlich gar nichts!
Was passierte sonst noch in dieser Nacht? Natürlich, es regnet. Mal wieder, oder auch immer noch, alles irgendwie nicht mehr richtig auseinander zu halten. Ich ergreife jedenfalls wieder einmal völlig durchnässt (selbst die Kameratasche trieft jetzt) die Flucht Richtung Bulli, Riverside und Orange fallen für mich flach wegen der wieder wolkenbruchartigen, nicht aufhörenden Regengüsse.
Langsam hab´ selbst ich die Schnauze voll, obwohl sich mein bisheriges Leben meist im oft trüben und verregneten Norddeutschland abspielte und ich gegenüber dieser Art von Wetter eigentlich sehr tolerant bin. Aber das, was hier seit geraumer Zeit aus den Wolken abläuft, erfüllt schon fast den Tatbestand der Körperverletzung...
Uwe erzählt am nächsten Morgen, dass er noch einige Fotos geschossen hat. Und alles ohne Gedrängel im Fotograben... er war als einziger Vertreter seines Berufsstandes an dem Abend übriggeblieben, sozusagen als letzter Mohikaner!
Nach drei Songs ging laut seiner Aussage nichts mehr, er war dermaßen durchnässt und durchgefroren, dass er die Kamera ohne großes Zittern nicht mehr halten konnte und allein deshalb aufhören MUSSTE.
Sonntag, 22.07.2007
High Noon, 12 Uhr mittags: Naurea kommen aus Brasilien... und haben von dort anscheinend `ne Extratüte Sonne mitgebracht! Musikalisch sind sie in der Nähe von Berim Brown anzusiedeln, und die Typen benehmen sich auch genauso \\\"verrückt\\\". Der Drummer verlässt zum Beispiel während des Gigs die Bühne, mischt sich unter die Besucher und führt höchst selbst eine ellenlange Polonaise an, nachdem ihm die erste von seinen Mitmusikern geforderte Zuschauerpolonaise wohl nicht so richtig gefallen hat. Samba und artverwandte Klänge von sieben Vollblutmusikern vorgetragen, das bringt die Menschen in Tanzstimmung.
Eben diese Art von Tanzstimmung gibt es bei der darauf auftretenden Formation Ougenweide weniger. Die mittelalterlichen Klänge auf den dazu gehörigen Instrumenten laden eher zum Zuhören und Relaxen ein, auch wenn sich natürlich einige schnellere, tanzbare Stücke im großen Repertoire der seit 1970 existierenden Mittelalter & Folk-Band befinden. Als besondere Überraschung präsentieren sie diverse neue Stücke, die es ansonsten erst auf ihrer demnächst erscheinenden CD zu hören gibt.
Shantel & The Bucovina Club Orchestra sind dagegen wieder eher etwas für Leute mit Hang zum Ausflippen. Fetzige osteuropäische Rhythmen mit Gesang (teilweise auch zweistimmig) und instrumental z. B. im Polkasound. Dem Publikum gefällt es, sie mischen mächtig mit, was bei Einigen auch an der Wirkung des in der ersten Reihe verteilten Wodkas liegen mag....
Leider kommt der Sound zumindest direkt vor der Bühne in großen Teilen viel zu basslastig rüber, selbst einer der Securitymitarbeiter versucht, durch andere Boxenstellungen etwas am Klang zu ändern, was leider nicht so richtig funktioniert. Aber der Versuch war’s auf alle Fälle wert.
Die 17 Hippies, Lüüls Band, gegründet Mitte der 90er. Sie machen...ja, wie soll man es beschreiben? Auf alle Fälle keine Schubladenmusik, eher ein Mischmasch aus Tango, Polka und weiteren fetzigen Musikstilen, oft osteuropäisch angesiedelt, mit Banyo, Klarinette, Geige, Trompete und so weiter. Eigentlich hätten sie auch zusammen mit den Bukovinas auftreten können.
Gegen 20 Uhr 30 bedanken sich die Veranstalter von der Bühne herunter bei Besuchern sowie Musikern und hoffen auf ein Wiedersehen 2008, bevor die Herzberg Blues Allstars um Gert Lange zum letzten Akt erscheinen.
Die ersten Songs sind reine Hamburg Blues Band Sachen und werden auch nur von Gert (Gitarre / Gesang), Alex Conti (Gitarre), Hansi Wallbaum (Schlagzeug) und Bexi Becker (Bass) rübergebracht. Danach geht’s richtig in die Vollen: Gert hat wieder illustre Gäste um seine Formation gescharrt, die dieses Festival jetzt auf der großen Bühne beenden sollen. Unter anderem wären da Clem Clempson und Barbara Thompson von Colosseum, Zoot Money, Miller Anderson, Pete York, Martin Ace von Man und und und..., selbst Maggie Bell (Ex-Stone The Crows- Sängerin) gibt sich die Ehre. Ein prima Abschluss diese Festivals..., es sei denn, man kämpft sich wie wir danach noch einmal zur Freak Stage hoch, wo die deutsche Kultband Embryo mit ihrer totalen Kiffermucke spät nach Mitternacht endgültig die Festivalpforten für dieses Jahr dicht macht.
So, zwei harmlose Geschichten aus der Gerüchteküche hab´ ich eben noch anzubieten:
Sunya Beat waren wohl auf dem Gelände gewesen, sollen es über den völlig vermatschten Zufahrtsweg allerdings nicht geschafft haben, ihr Equipment bis zur Bühne zu bringen - Konzert stinksauer abgesagt! Vielleicht hätte man da auch noch einen Infozettel für die Besucher an der Bühne anbringen können, nur so als Idee am Rande...
Und bei Man stand anscheinend nur Martin Ace als derzeitiges Originalmitglied auf der Bühne. Die weiteren Mitglieder sollen wohl aus unerfindlichen Gründen zu Hause geblieben sein, und so musste er sich hier Aushilfsmusiker für den Gig suchen, mit denen er die schwierigeren Man-Titel auf die Schnelle nicht mehr einüben konnte. Deshalb spielten sie auch viele Coverversionen bekannter Hitparaden - Oldies (Like A Rolling Stone, Foxy Lady, All Along The Watchtower, I Saw Her Standing There, Wooly Bully (!). Solch´ Peinlichkeit hätt´ mir an dem verregneten Abend noch den Rest gegeben: Man als Oldiecover - Truppe! Bloß gut, dass ich pennen gegangen bin...
Die Zuschauerzahlen waren diesmal wieder um einiges höher anzusiedeln als in den Jahren zuvor. Wie jeder Besucher unschwer bemerken konnte, wurde viel mehr Gelände gebraucht, um dem Ansturm der Parker und Camper gerecht zu werden. Schätzungsweise dürften es so zwischen 13000 und 15000 Leute gewesen sein.
Womit ich automatisch am nächsten Thema dran bin: Die Toiletten. Gerüchteweise standen genauso viel Häuschen wie bei den Festivals zuvor zur Verfügung, und wenn man sich deren Innenleben dieses Jahr ansah, war man sehr stark geneigt, den Gerüchten Glauben zu schenken. In meinen Herzberg Berichten 2005 und 2006 hatte ich schon bemängelt, dass zu wenig von den Dixies aufgestellt wurden. Sahen in den beiden Jahren die Teile nach geraumer Zeit zwischen den einzelnen Abpumpintervallen schon nicht mehr lustig aus, schlug es dies Jahr dem Fass echt den Boden raus. Tatsache ist, dass sich an dieser bemängelten Situation absolut nichts zum Positiven verändert hat, ganz im Gegenteil. Viele Toiletten erinnerten von ihrem Innenleben her schon nach kurzer Zeit nicht mehr an Toilettenhäuschen, sondern eher an zu klein geratene Güllesilos!
Ich will mich jetzt lieber nicht in Einzelheiten verlieren, doch ich stand wirklich nah an der Kotzgrenze. So wie die Dixies zum größten Teil aussahen, eigentlich schon eher über dieser Grenze... Und es war absolut verständlich, dass sich nicht nur Typen zum Pinkeln an die Zäune stellten, sondern sich sogar die Frauen links und rechts NEBEN die Häuschen hockten, weil sie sich vor dem Innenleben der - sogenannten - Toiletten (?) einfach nur ekelten.
Mit der Bemerkung. dass ich so extrem beschissene (im wahrsten Sinne des Wortes) Klos noch auf keinem anderen Festival erlebt habe, und mit der Bitte um mindestens die doppelte Stückzahl mehr im nächsten Jahr möchte ich dies ekelhafte Bedürfnis-Thema jetzt beenden.
Des Weiteren habe ich jetzt auch das Bedürfnis, meinen kompletten diesjährigen Burg Herzberg Festival Bericht zu beenden. Ziemlich oberflächlich alles angelegt, weiß ich selbst. Hätte man Uwe und mir dieselben Freiheiten wie diversen anderen Reportern / Fotografen zugestanden, wären die vorangegangenen Seiten mit Sicherheit bedeutend interessanter und informativer ausgefallen.
Im übrigen gehe ich mal davon aus, dass die meisten Reporter noch viele weitere Informationen bekommen haben, da am Sonntagnachmittag genau wie im letzten Jahr bestimmt wieder eine Pressekonferenz im Backstagebereich stattgefunden hat. Doch nicht einmal Das kann ich mit Sicherheit sagen.
Ja, so ist es eben: Das eine Magazin bekommt sämtliche Informationen auf dem Silbertablett, beziehungsweise kann sie sich ohne Schwierigkeiten besorgen, das andere Magazin wird außen vor gelassen. Natürlich weiß ich, dass diese Machenschaften intern ständig so und so ähnlich ablaufen, habe es bislang allerdings noch nicht so offen praktiziert erlebt!
Falls diese Art von unterschiedlicher Behandlung weiter Schule macht, sollte man in den Redaktionsräumen der betroffenen Zeitschriften und Internetmagazine über eine weitere Zusammenarbeit mit den für dieses Verhalten bekannten Veranstaltern nachdenken und / oder sich zumindest schnellstens zu einem klärenden Gespräch zusammen setzen. Sollten diese Gespräche fruchtlos im Sande verlaufen: Es gibt mehr als genug weitere Veranstalter, die über Berichte ihrer Events sowie jede Art von Promotion happy sind, sich äußerst kooperativ zeigen und uns als Medienvertreter dementsprechend sämtliche Freiheiten lassen.
In gerade solchen Situationen zeigt sich erneut, welch großer Vorteil darin besteht, dass zum Beispiel der German Rock e.V. finanziell sowie kommerziell unabhängig und nicht auf das Wohlwollen Anderer angewiesen ist.
Da ich weiß, dass auch Ihr, die Verantwortlichen des Burg Herzberg Festivals, diese Zeilen lest, noch ein paar persönliche und direkte Worte meinerseits (Horst Krispien) an Euch: Wäre schön, wenn Ihr Eure Einstellung bezüglich Eures Verhaltens speziell gegenüber uns einmal überdenken würdet. Für den German Rock e.V. war das Herzberg Festival musikalisch wie auch von der \\\"Beschaffenheit\\\" der Besucher gesehen immer ein besonderes Ereignis, und aus genau dieser Perspektive wird es das für uns trotz alledem auch weiterhin bleiben. Soll heißen, wir würden auch in Zukunft gerne mit Euch zusammenarbeiten und berichten, jedoch nicht noch einmal unter derselben wie dieses Jahr stattgefundenen journalistischen Beschneidung. Aber irgendwie scheint dieses Jahr sowieso in mehreren Richtungen der Wurm drin gewesen zu sein, denn unsere Freunde und Partner vom Rockradio.de waren über ihre Behandlung bzw. die Arbeitsbedingungen bei Euch ja auch nicht gerade begeistert und übten ziemliche Kritik daran, doch das ist wieder ein anderes Thema.
Sollte ich nach diesem kritischen Bericht 2008 wider erwarten erneut von Euch als German Rock Vertreter akzeptiert werden, dann von meiner Seite aus nur unter der vorherigen, schriftlichen Zusage eines Backstagepasses!
Zum Einen habe ich nicht das geringste Interesse daran, noch einmal solch einen halbinformativen Bericht wie den obigen zu schreiben, und zum Zweiten werde ich meine Videoausrüstung auch kein weiteres Mal dem Risiko eines Dauerregens ohne schnellstmögliche Unterstellmöglichkeit aussetzen.
Im Übrigen möchte ich einen Punkt an dieser Stelle ganz klar stellen: Der abgelieferte Bericht, insbesondere jegliche geäußerte Kritik darin, spiegelt nur m e i n e p e r s ö n l i c h e & s u b j e k t i v e M e i n u n g über das diesjährige Festival wieder und nicht zwingend die Meinung Uwe Schumachers oder die des German Rock e.V.!
In diesem Sinne, .....
HORST Krispien