Sundown-Festival Behnkenhagen (bei Rostock), 23./24.07.1999


SUNDOWN-FESTIVAL

Behnkenhagen (bei Rostock), 23./24.07.1999

Das neue Gelände für das 1999er Force Attack stand fest, warum nicht gleich eine Woche vorher schonmal die zwei Bühnen antesten, mit ganz anderen Bands? Für ein Publikum jenseits von Hardcore und Punk, das trotzdem offen ist für diverse kleine Extreme... Knorkator und City auf einem Open Air (?) staunt der Laie und der Experte wundert sich... Veranstalter Jörg Quandt (AMC Entertainment) und Imre Sonnevend (dröönland production) trauten sich einfach und hoben vom 23. bis 24.07.1999 das Sundown-Festival aus der Taufe, im idyllischen Behnkenhagen, 10 Kilometer östlich von Rostock. Auch wenn die Besucherzahlen von ca. 1300 Leuten pro Tag nicht für schwarze Zahlen reichten, so hatte man doch sichtlich seinen Spaß. Locker, flockig und streßfrei organisiert gab es Anspruch und Party, Nostalgie und Moderne gleichermaßen.


Am Freitag eröffneten Bordstein, eine Coverband aus der Altmark mit kultigem \"Westcoast-Sound\" das Geschehen. Punkigen Irish Folk a la Ramones lieferten The Whisky Priests bei einer lebendigen Live-Performance, die so manchen Zuhörer das Herz in die Tanzboots katapultierte. Die Lebensgefühl-Legende Freygang, nach DDR-Spielverbot und anderen Qualitätsbeweisen inbrünstig wie eh\' und je, brachte mit leisen und lauteren Tönen die Köpfe zum Brodeln, ohne die Bauchregion rhythmisch zu vernachlässigen.


The Inchtabokatables bestachen durch gewohnt charismatisches Flair und abgedrehte "Beschimpf den Schlagzeuger!" Einlagen, superbe Songauswahl und sichtliche Spielwut. Die Überraschung jedoch wurden für alle Noch-Nicht-Fans die zwei romantischen Klangzauberer von Rosenfels, welche mit abgrundtiefer Stimme und berauschenden Pianoklängen die zarten Seiten der Zuhörer erreichten. Einem fesselnden Norbert Leisegang und seinen Keimzeit -Mannen fiel es schwer, ihr normalerweise vier Stunden überschreitendes Liveprogramm auf die halbe Spielzeit zu reduzieren, verzückte Publikumschöre bei Hits wie "Kling Klang" zauberten jedoch ein phantastisches Flair über die wirklich perfekte Show.


Da Fleisch aus gesundheitlichen Gründen absagen mußten, ging es am Sonnabend bei Lady Godiva und den Lousy Lovers weiter, abwechslungsreich und bunt. Die Berliner Partylöwen der Space Hobos sind Rockabilly-Kult zum Abfeiern, was sie auch diesmal eindrucksvoll bewiesen. Vom ersten Ton an richtig in Trance gerieten die Brachial-Genial-Soundvollstrecker von Knorkator welche mit gigantischen Requisiten, schrägen Sounds/Lyrics und wilden Bühnenaktionen für Adrenalinattacken sorgten. Spätestens bei City kam ein überwältigendes Zusammengehörigkeitsgefühl unter die Leute, welches durch den Gänsehauteffekt der Nostalgie-Melodien noch verstärkt wurde. Nach dem CäsarTrio wurde es bei The Sweet noch einmal richtig kultig, als die Glam-Altrocker zur Sache kamen. So viel musikalische Abwechslung bei unkomplizierter Ausführung, guter Technikcrew und netter Security hat eine Fortsetzung im nächsten Jahr redlich verdient.


Andrea Göbel