4. North German Hawkfan-Meeting 16./17.6.2000
Zwei Tage Musik auf dem kleinen aber feinen Festival in Hamburg-Harburg
Ein intimes Fantreffen, das eine einzigartige, freundliche Atmosphäre entfaltet. Auf dem kleinen Platz der Tipsy Apes (=Heavy Metal-Club)findet sich jedes Jahr aufs neue eine begeisterte Fangemeinde ein und feiert gemeinsam ab. Auch dieses Jahr konnten wieder ehemalige Hawkwindmitglieder für das Festival gewonnen werden. Aber beginnen wir chronologisch:
Freitag, 16.06.2000
Tower Of Electric Onions eröffneten das Festival mit einer Mixtur aus Rock und Jazz, Schwerpunkt Rock. Das war sehr ordentlich gespielt, hat mich aber nicht umgehauen. Vor allem, muss denn dieser quäkige 80er Jahre Synthiesound sein? Allerdings haben die Jungs einen quirligen, geschäftstüchtigen Manager, der verkaufte Tourplakate für einen Fünfer und von der Band signiert für einen Zehner!!! Ob das jemand gekauft hat???
Weiter ging´s mit Sloterdijk. Ein Amerikaner, der sich den Vollstress auf der Bühne gegeben hat, denn er hat eine interessante Einmannshow abgeliefert und war auch kaum von der Bühne zu bekommen. Behängt mit einer Gitarre und vor sich reichlich Elektronik lud er zu einem Spaceflight ein. Mit zunehmender Länge des Konzerts wurde es aber etwas langatmig. Ich glaube in einer Bandformation könnte er seine Ideen packender umsetzen. Leider fielen Lord Brain aus, aber dafür konnten die Liquid Visions kurzfristig einspringen und hatten sich gleich den Keyborder Wasi von Lord Brain gekrallt. Was folgte war das Highlight des ersten Tages! Immer mehr verknüpften sie ihren sixtiesinfizierten Psychedelic Rock mit langen Jampassagen und sorgten für traumhafte Abfahrten. Entsprechend begeistert waren denn auch die Publikumsreaktionen. Zauberhafte Melodien, knackige Breaks und faszinierende Laut/Leise-Passagen erzeugten ein trippiges Konzerterlebnis. Dazu kam als Überraschung eine mit Neonfarben bemalte Tänzerin, die unter Schwarzlicht und von der Lightshow angestrahlt die Bühne mit ihren Bewegungen auf eine andere Ebene brachte. Ein Farbentrip, der die Zuschauer verzauberte. Eine tolle Performance! Natürlich spielten sie als Hawkwindreferenz Master Of The Universe in einer ausufernden Jamfassung bei der nach Nik Turner (Hawkwindgründungsmitglied) gerufen wurde. Der ließ sich nicht zweimal bitten und jammte prompt mit. Und hier waren wir genau im Hawkwind-Spirit. Hurra!
Im Anschluss folgten Pseudo Sun aus Schweden und die hatten es schwer noch einen drauf zu setzen. Sie spielten lange Stücke, die vom prägnanten Gitarrenspiel dominiert wurden. In den Reihen waren 2 Elektroniker, die für spacige Klangflächen und -wirbel sorgten, die einen guten Kontrast zu den fetten Gitarrenriffs abgaben. Insgesamt ein kompaktes SpaceRock-Programm, das den gelungenen Abend abrundete.
Samstag, 17.06.2000:
Der zweite Tag begann mit einer Spontansession von Nik Turner und Trev Thoms und zwar am Mittag. Ich habe es nicht geschafft aus dem Zelt zu krabbeln, aber wenigstens akustisch konnte ich das Ganze verfolgen. Nik am Saxophon und Trev an der Gitarre mit Miniverstärker. Unter anderem spielten sie das Pink Panther-Thema. Am Nachmittag war Pause angesagt und so konnte man sich zwanglos mit Musikern und Gleichgesinnten unterhalten oder einfach nur relaxen. Außerdem gab´s die beiden neuen Ausgaben vom Hawkzine und damit war auch für Lesestoff gesorgt.
Am Abend ging´s mit Liquid Zoo los. Sie spielten erdigen Rock, der seine Wurzeln im 70er Hardrock hat und gut rüberkam. Ein sehr guter Leadgitarrist und eine kompakte Rhythmusgruppe sind hervorzuheben. Einzig der Sänger konnte mich nicht überzeugen. Es folgten Das Weeth Experience, die hatte ich mal als Vorgruppe von Barkmarket gesehen und damals spielten sie den üblichen IndieRock. Aber jetzt folgte eine Überraschung, denn sie spielen im Stil von Neil Young & Crazy Horse. Das kam absolut kraftvoll an und hat sich im Konzertverlauf stetig gesteigert. Feedbackorgien und eine dynamische Rhythmusgruppe haben definitiv gerockt!
So und nun kam das Hawkwindereignis. Spacewind hieß das Projekt und das waren Nik Turner (sax,flute,vocals), Harvey Bainbridge (keys), Trev Thoms (acoustic guitar) und die Band Spacehead um Mr. Dibs (bass, vocals).
Eingeleitet wurde das Konzert von Harvey mit spaciger, trippiger Elektronik begleitet von Querflöten- bzw. Saxophonspiel von Nik. Dieser Spacepart ging in ein mit energischen Spacehead-Tracks über. Sympathischer Spacerock, der das Publikum mitriss. Alle Dämme brachen als die Band zu Hawkwindstücken griff. Das geforderte Brainstorm wurde geboten, ebenso wie Master Of The Universe, Ejection und natürlich Silver Machine.
Ein zweieinhalbstündiges Konzert, das mir riesig Spaß bereitet hat und mich schon der Fortsetzung im nächsten Jahr entgegenfiebern lässt. Herzlichen Dank an die lieben Leute (Sönke, Thomas Gnad, Mike, Thomas Leonhardt und alle anderen vom Team), die dieses besondere Festival mit ihrem Enthusiasmus überhaupt ermöglichen! Und last not least an Dietrich Pleß, der das Hawkzine herausgibt. Dieses Festival ist umsonst und finanziert sich aus Spenden. Das ist sehr bemerkenswert und zeigt, dass es auch ohne Kommerz geht, wenn man zusammenhält. Dank auch an die Tipsy Apes, die ihr Gelände zur Verfügung stellen und mitfeiern.
Bis nächstes Jahr
Horst