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Man sieht ihm die vielen Jahre kaum an, die es auf den Weltmeeren zubrachte. Ein großes, stolzes Segelschiff ist am Kai angetäut. Ganz ruhig liegt es da, während kleine Wellen an den hölzernen Rumpf klatschen. Nur wenn man genauer hinsieht, ahnt man, wie viele Stürme dieses Schiff wohl schon erlebt hat. Etliche Planken mussten erneuert werden und auch die Masten wurden alle schon einmal ausgetauscht. Sicherlich eines der ältesten Schiffe in dem großen Hafen. Und doch wird ihm die meiste Aufmerksamkeit gezollt. Die meisten Menschen hier wollen das große Segelschiff besichtigen und sind weniger an den ganz modernen Schiffen interessiert. Denn diese gibt es wie Sand am Meer... Eine der außergewöhnlichsten, erfolgreichsten, geliebtesten und gehasstesten deutschen Bands feierte 1999 ihr 30jähriges Bestehen: Eloy! Wohl keine zweite deutsche Band hat so viele radikale Umbesetzungen erlebt, hat eine so wechselvolle und einmalige Geschichte zu erzählen wie die Hannoveraner. Über 2 Millionen verkaufte Tonträger sprechen eine deutliche Sprache. Und heute, nach 30 Jahren, hat das felsige Urgestein deutscher Rockgeschichte eine Anhängerschaft, die rund um die Welt reicht. Ich habe mir die Mühe gemacht, die Geschichte aufzuschreiben. In einer Ausführlichkeit, wie das noch nie der Fall war. Und wer könnte die Geschichte besser erzählen, als die Eloys selber? Als langjährigem Leiter des Fanclubs liegen mir zahlreiche Interviews vor, die bisher nur dem Fanclub und seinen Mitgliedern zugänglich waren. Ich habe mich bemüht, eine gute Auswahl aus dem riesigen Fundus herauszuarbeiten. Hier und da habe ich ergänzt oder das Eine oder Andere hinzugefügt. Aber wie fing eigentlich alles an? Frank Bornemann ist der Gründer und sozusagen Kapitän auf dem imposanten Segelschiff Eloy. Um ein solches Schiff in Gang zu setzen und über die Weltmeere zu lenken, bedarf es einer guten Crew. Frank stach erstmals 1969 in See und hatte seine Mannschaft zusammen. Allerdings hatte er vorher, bei seiner allerersten Band, schon geübt, wie man gute Musiker um sich versammelt. "In den 60er Jahren gab es in Hannover bereits einige interessante Bands, die in Jugendzentren und Clubs spielten. Und in jeder dieser Bands gab es ein oder zwei Musiker, die wirklich gut waren und mit denen ich gerne zusammen gespielt hätte. Ich überlegte fieberhaft, wie ich diese Leute dazu bewegen könnte, mit mir Musik zu machen. Schließlich hatte ich den rettenden Einfall. Ich rief alle Musiker meiner Wahl an und gab vor, eine neue Band gegründet zu haben, in welcher alle Spitzenmusiker der jeweiligen Konkurrenzband vertreten seien. Das hat natürlich alle sehr gereizt, denn jeder wusste ja, wer die ersten Leute in der Stadt waren. Ich habe dann tatsächlich alle zu einem Übungsabend versammeln können. Alle kamen mit der Vorstellung, dass die anderen Wunschmusiker schon fest in der Band wären. In Wirklichkeit war aber zu diesem Zeitpunkt niemand in der Band außer mir selbst."
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Die Band gab schließlich eine Anzeige auf, um an einen Manager zu kommen, der sich um einen Plattenvertrag kümmern sollte. Das klappte dann tatsächlich. Es meldete sich ein gewisser Freiherr von Lepel. Dieser Name alleine machte bei den Plattenfirmen schon großen Eindruck. So kam Eloy dann tatsächlich an den Plattenvertrag mit Philipps und bekam somit die Chance, eine erste LP zu realisieren. Aufgenommen wurde das Werk im Stars-Studio in Hamburg. Der Toningenieur war Conni Plank, der später noch zu großer Berühmtheit kommen sollte.
Die Auflagenhöhe der "Mülltonne" bewegte sich um die 5.000 und fand in der lokalen Presse schon gute Resonanzen. Wer hätte damals gedacht, dass diese Platte zu einer wirklichen Legende werden sollte? Vor kurzem wurde das Werk in sehr ansprechender Aufmachung und mit einem 30-seitigen Booklet von der kleinen Plattenfirma Second Battle wiederveröffentlicht. Das Klappcover mit der authentischen Mülltonnendarstellung erregte schon Anfang der 70er Jahre viel Aufmerksamkeit. Auch wenn diese LP ein Frühwerk war und nicht unbedingt mit den späteren opulenten Werken der Gruppe verglichen werden kann, so war sie dennoch sicherlich ein erster wichtiger Schritt in Richtung des späteren großen Erfolges von Eloy! Die schwarze Scheibe ist seit über 20 Jahren eine der gefragtesten und am teuersten gehandelten Raritäten auf Plattenbörsen. Stürme hat das Segelschiff Eloy reichlich viele erlebt. Ein erster heftiger trat nach der "Mülltonne" auf. Die Differenzen zwischen Erich Schriever und Frank Bornemann waren groß. Jeder wollte in eine andere Richtung. Erich Schriever schied aus, und auch Helmut Draht war nicht mehr dabei. Er hatte einen schweren Autounfall und wurde schließlich durch Fritz Randow ersetzt. Fritz war in der hannoverschen Szene zu der damaligen Zeit schon ein kleiner Star, und seine Art zu trommeln passte ausgezeichnet zu der konzertanten Eloy-Musik. Der Sturm der Veränderungen riss auch Manfred Wieczorke mit, aber gottlob nicht von Bord, sondern er nahm eine neue Aufgabe wahr. Manfred spielte fortan Orgel bei Eloy. Ein neues Album war bald das Ziel für die jetzt zum Quartett geschrumpfte Besetzung: Inside! Die vierköpfige Gruppe hatte aber zunächst das Problem, den Sänger Erich Schriever zu ersetzen. Frank Bornemann dachte zunächst nicht daran, diese gewichtige Aufgabe zu übernehmen. Er sah seine Rolle mehr in der des Gitarristen und Songwriters. Frank Bornemann erzählt:
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"Es kam schließlich so weit, dass wir das Material für Inside zusammen hatten und ins Studio gehen wollten. Der Aufnahmetermin rückte näher und näher, und wir hatten noch immer keinen neuen Sänger. Der Not gehorchend, habe ich die Platte dann eingesungen. Allerdings mit einem sehr guten Erfolg. Das Album war wesentlich erfolgreicher als die erste LP. Wahrscheinlich, weil man spürte, dass wir eine Band waren, die sich viel vorgenommen hatte und die in der Lage war, Stimmungen zu produzieren. Aufgenommen haben wir Inside in Hamburg in einem Studio, das damals noch Windrose hieß. Es ist das heutige Chamäleon Studio, welches ziemlich bekannt ist. Es war für die Zeit eine sehr fortschrittliche Einrichtung. Die erste Seite wurde mit 8-Spur-Technik aufgenommen, der Toningenieur hieß Henning Rüte. Die B-Seite wurde von Thomas Kuckuck, der später sehr viel mit Udo Lindenberg zusammengearbeitet hat, mit einer 16-Spur-Bandmaschine aufgenommen."
Zu dieser Zeit tourte Eloy ununterbrochen. Die Band tingelte von Club zu Club, um an dem bereits einsetzenden Erfolg weiter zu feilen. "Wo eine Steckdose war, da wurde was geleistet", ist ein bekannter Ausspruch von Frank Bornemann. Eloy kam überall sehr gut beim Publikum an. Die Gruppe tingelte durch die Lande, war Wochen unterwegs. Aufgrund der ausgezeichneten PA-Anlage, die Eloy besaß, bekam die Band auch die Chance, als Vorgruppe bei amerikanischen oder englischen Bands aufzutreten. Bedingung war, dass der Headliner auch über diese Anlage spielen durfte. Auf einmal merkten die Veranstalter, dass auch deutsche Bands durchaus Erfolg haben können... Es gibt zwar heute, fast 30 Jahre später, immer noch einige ewig Gestrige, die nichts anderes zu tun haben, als auf die eigene Musikszene im Land herumzuknüppeln, aber es sind gottlob nur wenige. Manfred Wieczorke und Wolfgang Stöcker fuhren herum, um Gigs zu kriegen und diese so zu koordinieren, dass sie halbwegs hintereinander lagen. Manfred Wieczorke: "Das viele Touren hat sicherlich den Grundstein für den späteren Erfolg gelegt. Für den süddeutschen Raum hatten wir einen Mann, der hieß Carlo Hähnchenmeier. Der war, glaub, ich, der dickste Mann Deutschlands. Er hatte eine Agentur für Konzertveranstaltungen und eine Vorliebe für Würstchen. Plötzlich hatte der eine Dose mit 40 Würstchen geöffnet. Aber er hat keine davon abgegeben, der hat alle selber gegessen, 40 Stück!!" Eloy hatte damals das Glück, einen Plattenvertrag bei dem legendären Harvest-Label der EMI Electrola zu bekommen. Gekümmert hatte sich darum ein Mann namens Borchert-Jacobi, der bei dem Musikverlag Intersong arbeitete. Bei der EMI traf Borchert-Jacobi auf Ian Groves, den damaligen A& R Manager. Dieser war von dem Inside Material begeistert. Borchert-Jacobi bluffte, indem er vorgab, dass auch andere Plattenfirmen bereits großes Interesse an einer Veröffentlichung hätten. Schnell war daraufhin ein Vertrag unter Dach und Fach. Inside war wesentlich erfolgreicher als die Mülltonne. Die Verkaufszahlen kletterten schnell auf 8.000 Stück. Aufgrund dieser Tatsache bekam die Band die Chance, ein zweites Album zu machen. Aber durch das viele Touren war kaum Zeit da, um neues Material zu erarbeiten. Eloy beschlossen daraufhin, zunächst einmal eine Single zu veröffentlichen. Daybreak entstand. Der Titelsong wurde durch ein Streichorchester geprägt, welches von George Moslener arrangiert wurde. Auf der B-Seite ist On The Road zu hören, ein Stück, das die damalige Situation der Band ausdrückte, nämlich pausenlos unterwegs zu sein! Wolfgang Stöcker verließ nach Daybreak die Band. Die Situation, ständig spielen zu müssen, ohne dabei zu verdienen, war ihm zuviel. Er entschied sich für eine bürgerliche Existenz. Für ihn kam schließlich Luitjen Jansen (Harvey) in die Band. Damit begann die Floating Ära.
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Um das Material für das neue Album zu erarbeiten, mietete sich die Gruppe ein Haus in der Lüneburger Heide. Der Grund dafür war, dass beim regulären Proben immer ein oder zwei Musiker zu spät kamen. Dieses Problem wurde durch das gemeinsame Wohnen ausgeschaltet. Floating wurde insgesamt sehr viel rockiger als Inside, was in erster Linie an dem pausenlosen Touren lag. Erstmals wurde auf Floating ein Synthesizer eingesetzt. Das war damals noch ein Steckmodulkasten. Zunächst wusste niemand so recht damit umzugehen. Das Gerät wurde somit erst mal spärlich eingesetzt. Frank Bornemann war mit dem Album nicht hundertprozentig zufrieden, was daran lag, das er es nicht als Weiterentwicklung empfand, sondern lediglich als Veränderung. Bei den Texten griff er auf die Hilfe von Erich Schriever zurück, der Frank auch schon bei Inside unterstützt hatte. Später textete er dann mit Richard Smith, alias Gordon Bennit, weiter. Wenn man die Texte liest, so stößt man bei Floating wohl auf eine Kernaussage, die in vielen Eloy Textpassagen immer wieder, wenn auch auf die unterschiedlichste Art und Weise, zum Ausdruck kommt. The Light From Deep Darkness. Dass selbst in schlimmsten Zeiten und fürchterlichsten Katastrophen der Mensch immer auf die Kraft der Liebe vertrauen soll und das Licht am Ende des Tunnels suchen soll.
Das Album wurde unter ziemlichem Zeitdruck in Köln im EMI-Studio eingespielt. Fritz Randow bekam zu dem ursprünglich vorgesehenen Aufnahmeterminen eine Blinddarmentzündung. Somit musste alles verschoben werden. Frank Bornemann hatte dann noch ein anderes Problem zu lösen. Er hatte den Scorpions zugesagt, deren Album Fly To The Rainbow zu produzieren. Er musste also das Kunststück fertig bringen, bei beiden Produktionen gleichzeitig anwesend zu sein! Das bedeutete, tagsüber in München im Musicland Studio zu arbeiten, abends den letzten Flieger nach Köln zu erwischen und nachts dann Floating einzuspielen...Ein wirklich mörderisches Programm!
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Etwa zu dieser Zeit passierte für eine deutsche Band etwas schier Unvorstellbares: Eloy hatte Erfolg in den USA! Frank Bornemann:
"Zustande gekommen ist es dadurch, dass einige Radiostationen dort mit der Inside bemustert wurden. Die Initiative ging von unserem damaligen Musikverlag Intersong aus. Das fand eine so starke Resonanz im Radio, dass eine amerikanische Plattenfirma, Chess und Janus sich dafür interessierte. Inside kam heraus und Future City wurde sogar ein großer Top Ten Radiohit. Weil ich damals arg darum bemüht war, so zu klingen wie Ian Anderson, hielten uns die Leute wahrscheinlich für Jethro Tull. Als man ihnen dann offenbarte, es sei Eloy, war das auch egal! Damit war Eloy mit einem Mal ein Thema in Amerika. Unzählige Manager meldeten sich daraufhin bei uns. Das beste Angebot das hätten wir glatt machen sollen war sicherlich Miles Copeland, der damalige Manager von Wishbone Ash und spätere Manager von Police. Wir waren sehr verblüfft und noch zu unerfahren, um das richtige Angebot herauszufiltern. In diesen ganzen Wirren tauchte ein Dritter auf, ein Amerikaner in Deutschland, der zwar kein Manager war, es aber verstand, sich so toll darzustellen, dass wir alle mächtig beeindruckt waren. Es war Jay Partridge, der dann leider auch unser Manager wurde... Auch Floating war ein Erfolg in den USA. Dann aber passierte etwas, womit keiner gerechnet hatte: Chess und Janus ging pleite und somit standen wir bald wieder vor dem Nichts!" Frank Bornemann hatte zu diesem Zeitpunkt aber bereits den nächsten großen Schritt der Band vor Augen. Es war allerdings jemand an Bord, der daran arbeitete, das Schiff stranden zu lassen, und das war der Manager Jay Partidge. Man erzählt die tollsten Geschichten über ihn. Eine ist, er habe der Plattenfirma einen Koffer Geld auf den Tisch geknallt mit den Worten: " Das investiere ich, was tut ihr?" Sicherlich ist es vorteilhaft, wenn eine Band ein Management hat, welches über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, aber Jay Partridge wollte einen Einfluss, der weit über das Finanzielle hinausging...
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Eloy arbeitete an einem der ersten großen Konzeptalben der deutschen Rockgeschichte: Power And The Passion. Die Geschichte des Titelhelden Jamie, der mittels einer Droge ins Mittelalter zurückversetzt wird, lebt vor allem auch von der Begegnung mit dem Mädchen Jeanne, die in dieser Zeit lebt und Jamie mit ihren Problemen konfrontiert. Jamie gerät in die Wirren dieser unruhigen Zeit und kehrt schließlich mit Hilfe eines alten Magiers in die heutige Zeit zurück, ohne Jeanne. Frank Bornemann zu der Geschichte:
"Mir ging es in diesem Zusammenhang vor allem darum, aufzuzeigen dass die Menschheit innerhalb dieser Zeitspanne von 600 Jahren zwar eine Menge technischen Fortschritts erworben hat, dass aber in Bezug auf die Qualität im Umgang miteinander und dem Respekt vor anderen Menschen von einem Fortschritt leider nicht die Rede sein kann. Unterdrückte gibt es heute noch genauso wie damals. Auch gibt es wenig Toleranz in unserer Gesellschaft. Dafür aber um so mehr Regeln, die gewisse Leute für das Leben in unserer Gesellschaft aufstellen und nach denen sich jeder zu richten hat. Auch besteht sehr viel Druck und wenig Freiheit. Die Wertigkeit des Seins in der Gesellschaft hängt davon ab, was man hat! Innerhalb der Band ließ man sich jedenfalls gerne auf ein so exotisches Thema wie Power And The Passion ein. Bei allen gesellschaftskritischen und politischen Dingen, die ich eben angesprochen habe, stand natürlich auch der Aspekt der zwischenmenschlichen Beziehung auf diesem Album stark im Vordergrund. Vielleicht ist dies mit ein Grund dafür, warum das Album so erfolgreich wurde. Nicht nur, weil es ein Konzeptalbum war, sondern es war bestimmt auch der Identifikationsgrad dieser sehr sensiblen Seite des Albums, der sehr viel Anklang gefunden hat." Erstmals gab es neue Ausdrucksmöglichkeiten in der Musik, was in erster Linie auf die Erfindung des Synthesizers zurückzuführen ist. Manfred Wieczorke hatte plötzlich ganz andere Sounds zur Verfügung und machte von diesen Möglichkeiten auch regen Gebrauch. Auch war bei Power And The Passion ein zweiter Gitarrist, Detlev Schwaar (Pitter), dabei, der zusätzliche Akzente setzte. Es war Frank Bornemanns Idee, einen weiteren Gitarristen dazu zu holen, der seine eigene Handschrift in die Musik einbringen konnte. Mit Detlev Schwaar wurde die Band verstärkt durch einen jungen Musiker, der eine wirklich tolle Gitarre spielte. Die Band hatte schließlich so viel Material für die Produktion zusammengetragen, dass leicht ein Doppelalbum zu machen gewesen wäre. Leider klappte das nicht. Sowohl der Manager Jay Partridge, als auch die Plattenfirma machten Frank Bornemann damals einen Strich durch die Rechnung. Dadurch blieben viele musikalische Ideen unverwirklicht, die Frank Bornemann dann aber teilweise auf Dawn mit neuen Musikern verwenden konnte. Zunächst aber musste sich die Band mit dem Manager auseinandersetzen, der sich überall einmischte und auch künstlerisch Einfluss nehmen wollte. Selbst im Studio war er ständig während der Aufnahmen präsent. Dadurch wurde es für Frank Bornemann eine sehr schwierige Produktion. Das Ergebnis hätte noch viel besser ausfallen können, wenn man Frank in Ruhe hätte produzieren lassen.
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Erstmalig wurde im Soundstudio N in Köln bei Georgi Nedeltschev aufgenommen. Frank textete zusammen mit Richard Smith, der übrigens auch die Idee für den Albumtitel hatte. Und seine Frau, Mary Smith war es dann auch, die die Stimme der Jeanne auf dem Album übernahm. Als Power And The Passion auf den Markt kam, machten die Verkaufszahlen einen gewaltigen Sprung. Das Album verkaufte sich über 30.000 mal.
Aber die Freude über diesen Erfolg konnte die Band nicht mehr genießen. Jay Partridge hatte es geschafft, die Formation zu entzweien. Eine geplante Tour kam auch nicht mehr zustande. Der Manager war der Meinung, Roadies bräuchte man nicht, man könne alles selbst machen und Schlaf sei ohnehin überflüssig. Die Formation fiel auseinander. Jay Partridge versuchte eine Zeit lang, Frank zu ersetzen, sang für ihn auf einem Konzert. Das Publikum reagierte sehr abweisend, und auch den Namen Eloy durften sie dann nicht mehr verwenden. Das Ganze war zum Scheitern verurteilt, und der Name Eloy war gottlob an Frank gebunden, aber dennoch war das Segelschiff gestrandet. Frank Bornemann war der einzig Verbliebene... Frank suchte sich einen Job, um Geld zu verdienen. Der Traum von der großen Karriere war zunächst vorbei. Übrig geblieben war ein riesiger Schuldenberg, aber auch ein großer Hoffnungsschimmer. Die Plattenfirma hatte nämlich Frank erneut den Rücken gestärkt und ihn dazu aufgefordert, die Band neu zu formieren und ein Album zu planen. Das, was in den nächsten Jahren passierte, liest sich wie eine Bilderbuch-Karriere und ist in der Geschichte deutscher Bands ein wohl einmaliger Fall. Eloy, die mit Power And The Passion bereits auf dem Weg zum ganz großen Erfolg waren, schadete die fast völlige Neubesetzung nicht, im Gegenteil: Dawn verkaufte sich binnen weniger Wochen nach dem Erscheinen mehr als 60.000 mal. Frank hatte das riesige Glück, genau die richtigen Leute zu treffen, mit denen er weitermachen konnte und die, und das ist für mich das Erstaunlichste überhaupt, sich sofort in den Spirit von Eloy einfügen konnten. Das Schiff Eloy war wieder auf Kurs! Der Erste, auf den Frank traf, war Detlev Schmidtchen. Detlev zu seiner Begegnung mit Frank: "Angefangen habe ich 1970 in einer Schülerband. Während meiner Lehre gründete ich mit anderen Musikern eine Band, die sich Getriebe nannte.1975 nahmen wir an einem POP-Festival teil und belegten auch prompt den ersten Platz. Dafür gab es einen Blechpokal, über den sich jeder freute und man kam in die Zeitung. Das war für eine Amateurband das Allergrößte. Das Interessante an dem Abend war allerdings, dass Eloy als Topact auftraten. Dadurch, dass wir Platz 1 geschafft hatten, durften wir mit den Eloy-Musikern zu Abend essen. Und so kamen wir natürlich ins Gespräch. Ich war überglücklich, einmal die Bekanntschaft von Profimusikern zu machen. Ich kam mir vor, als würde ich mit Genesis zu Abend essen. Später traf ich Frank wieder, Getriebe fiel auseinander und von Eloy war Ähnliches zu vernehmen. Ich fragte Frank einfach, ob ich nicht bei ihm einsteigen könne. Wir verabredeten uns für eine kleine Session und nach einer Bedenkzeit rief Frank bei mir an und sagte: "O.K., das geht klar." Der nächste, den Frank ins Boot holte, war Klaus-Peter Matziol, genannt Matze. Frank Bornemann erzählt: "Ich arbeitete in einem Musikgeschäft, in dem Matze des öfteren Kunde war. So bekam ich mit, dass er Bassist war. Auch hatte er einen sehr guten Namen in der Amateurszene, zu der ich selbst mittlerweile einen gewissen Abstand hatte." Klaus-Peter Matziol selbst schildert seinen Einstieg bei Eloy so: "Kennengelernt habe ich Frank im Musikgeschäft Kleemann, wo er damals arbeitete. Ich hörte, dass er neue Leute für Eloy suchte. Irgendwann habe ich ihn dann abends mal besucht. Ich tauchte damals mit Aktentasche und Bügelfaltenhose bei ihm auf! Wir haben uns auf Anhieb sehr gut verstanden und vereinbarten einen Probetermin. Detlev Schmidtchen war zu dieser Zeit ja schon als Gitarrist dabei. Als Schlagzeuger fungierte zunächst ein Bekannter von Detlev, ebenfalls, wie er, ein vorheriges Mitglied der Formation Getriebe. Aber das haute mit ihm nicht so gut hin und so habe ich dann Jürgen Rosenthal vorgeschlagen. Wir versuchten zunächst, die Keyboards durch den Organisten von Boorturm zu besetzen, das ist die Band, in der ich vorher spielte, aber auch das funktionierte nicht so gut." Schließlich hatten sich die Vier gesucht und gefunden und planten einen bedeutenden musikalischen Schritt. Man traf sich fast jeden Abend im Übungsraum, um das Material für Dawn zu erarbeiten. Aus der Not heraus, bot sich Detlev Schmidtchen schließlich an, den Part des Keyboarders zu übernehmen, was er aber hervorragend meisterte. Man kann sagen, dass er mit der Zeit einen ganz eigenen Stil hatte, Melodien zu kreieren und zu spielen. Da die anderen Musiker auch ein ganz individuelles Profil besaßen, entstand eine Musik, die einzigartig war. Frank war mit der Ausführung von Power And The Passion nicht ganz zufrieden gewesen, und auch das Thema war für ihn noch nicht abgeschlossen. Darum beschloss die Band, einen zweiten Teil zu machen, der in der Aufmachung sehr ähnlich zu Power And The Passion war. Beide Cover waren nicht gezeichnet sondern von sehr schönem Fotomaterial geprägt. Außerdem tauchte erstmals der berühmte Eloy-Schriftzug auf. Jürgen Rosenthal hatte sich bereit erklärt, die Texte zu schreiben, und so entstand eine völlig andere Sicht der Dinge. Das Thema wurde diesmal eher aus philosophischer Sicht betrachtet, was aber bei den Anhängern der Band ein breites Echo fand. Schließlich wurde das Album in sechs Wochen im Soundstudio N eingespielt. Frank Bornemann: "Wir konnten bei der Produktion von Dawn sehr viel professioneller arbeiten, zielgerichteter, konzentrierter und vor allem unbelastet von irgendwelchen Querelen. Ich hatte diesmal keine Probleme, die Produktion zu lenken. Hinzu kommt, dass dieses Album ganz ohne Leistungsdruck entstanden ist, außer vielleicht dem, dass wir die frühere Formation übertreffen wollten. Wir wollten allen zeigen: Eloy gibt's wieder und zwar besser, als denn je zuvor! Der Titel Dawn hatte einerseits die Bedeutung als Nachfolgealbum zu Power And The Passion, zum anderen dokumentierte er den Neuanfang der Band. Dawn heißt ja Sonnenaufgang und für mich war es wirklich wie ein Sonnenaufgang nach einer doch sehr schweren Zeit!" Dawn ist ein besonderer Meilenstein in der Diskografie von Eloy. Es ist ein sehr komplexes, besonders sensibles und klassisch geprägtes Album geworden. Viele Kenner von Eloy behaupten, es sei das allerbeste Album überhaupt. Interessant sind vor allen Dingen auch die Streichereinsätze auf dieser Platte. Die Arrangements sind hervorragend, und da stecken unglaublich schöne Melodien drin. Wer Musik dieser Art als Teutonen-Bombast-Rock oder ähnlichen Bezeichnungen betitelt, hat von Tuten und Blasen wirklich keine Ahnung. Was auf Dawn zu hören ist, ist sicherlich internationaler Standard der seinesgleichen sucht.
Gleich nachdem Dawn auf den Markt kam, brach das Eloy-Fieber in Deutschland aus. Die Verkaufszahlen schnellten in die Höhe und Eloy betrat mit der neuen Formation erstmals die Bühne. Im Herbst gab es eine Tour, die so erfolgreich verlief, dass gleich darauf im Frühjahr eine zweite gemacht wurde. Die Band spielte stets vor ausverkauften Häusern und der Jubel wollte kein Ende nehmen. Frank Bornemann, der zu diesem Zeitpunkt die letzte Identifikationsfigur für die Fans bedeutete, war gerührt über die treue Anhängerschaft. Nun gab es auch wieder einen neuen Manager, Bernd Gukelberger. Dieser leistete hervorragende Arbeit und auch die Plattenfirma strebte an, Eloy noch weiter noch vorne zu bringen. Es gab erste Fernsehauftritte der Band und selbst die Kritiker reagierten noch gelassen. Dann jedoch wagte sich das Segelschiff in so weit entlegene Gewässer vor, dass der Ozean schier kochte, eine einzige, tosende See! Das nächste Album wurde zum absoluten Höhepunkt der Karriere der Hannoveraner: Ocean! Gleichzeitig wurde die Band aber leider auch von den Printmedien zerrissen. Es gibt in Deutschland keine zweite Band, die größere Kontroversen ausgelöst hat als Eloy!
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Frank Bornemann zu der Entstehung von Ocean:
"Die beiden Dawn-Tourneen haben Eloy sehr weit nach vorne gebracht. Danach war klar, dass wir wiederum etwas ganz Besonderes machen mussten. Auf der einen Seite war da ein sehr hoher Erwartungsdruck, andererseits natürlich auch sehr viel Motivation. Wir waren auf einmal mit der Wahrscheinlichkeit konfrontiert, die erfolgreichste deutsche Band zu sein. Das war eine völlig neue Ausgangssituation. Zunächst mussten wir einen neuen Übungsraum suchen und das Kuriose war: Wir landeten in einem Bunker! Dort herrschte eine Atmosphäre, die wir alle nicht sonderlich geschätzt haben: Düster, dicke Wände und muffige Luft. Aber es gab keine Alternative. Nachdem wir durch geschickte Beleuchtung den Raum etwas freundlicher gestaltet hatten, fingen wir an, unsere ersten musikalischen Impressionen auszuleben. Die Musik, die dabei entstand, unterschied sich von Dawn insofern, dass sie rhythmisch ziemlich heavy - und insgesamt kräftiger wurde. Detlev Schmidtchen, der bei Dawn noch Debütant an den Keyboards war, hatte den Ehrgeiz, auf dem neuen Album stärkere Akzente zu setzen und mehr Profil zu zeigen. Aber eigentlich ging es uns allen so: Wir wollten noch einen drauflegen!" Jürgen Rosenthal, der ja auch schon bei Dawn getextet hatte, zeichnete sich für das gesamte Ocean-Konzept verantwortlich. Niemand wusste so recht, was er im stillen Kämmerlein ausbrütete. Auch die musikalischen Vorbereitungen waren nicht immer einfach. Durch den enormen Erfolg hatte Frank viele Business-Verpflichtungen zu erfüllen. Doch der Studiotermin bei Georgi Nedeltschev rückte immer näher... Schließlich ging das Quartett ins Studio, ohne die Vorbereitungen ganz abgeschlossen zu haben. Jürgen Rosenthal erzählt: "Während bei den Aufnahmen von Dawn die Texte zum größten Teil fertig waren, gingen wir bei Ocean ganz ohne Texte ins Studio. Für mich war das der doppelte Mörderstress. Erstens musste das Schlagzeug auf dem Band sein, bevor die anderen mit dem Synchronisieren beginnen konnten, und außerdem musste ich nachts zusehen, wie ich das Konzept auf die Reihe kriegte! Es ging mir in erster Linie darum, einen Vergleich zwischen Atlantis und der heutigen Zeit zu ziehen. Über eine versunkene Hochzivilisation, die vor langer Zeit auf diesem Planeten existiert hat, das ist meine Überzeugung, und dazu den Vergleich zu ziehen, was wir für Wissen halten. Ich bin davon überzeugt, dass Außerirdische bei uns auf der Erde sind. Viele Menschen meinen, dass sie mit Ufos umherschwirren und schauen immer in den Himmel. Ich persönlich denke eher an die riesigen Ozeane! Es gibt so vieles Unerklärliche und Unentdeckte. Deshalb übt dieses Thema von jeher eine große Faszination auf mich aus. Von Atlantis hörte ich zum ersten Mal mit zwölf Jahren in der Schule. Seither hat mich das Thema nicht mehr losgelassen. Ich habe mittlerweile Hunderte von Büchern darüber gelesen. Mit Ocean wollte ich auch ausdrücken, dass alles Leben aus dem Wasser kommt. Es gibt Tiere wie die Wale, die vom Wasser an Land gegangen sind und vom Land wieder ins Wasser. Alles Leben kommt aus dem Ozean. Atlantis ist im Ozean verschwunden... Das war so mein grober Rahmen. Wie eine kleine Entwicklungsgeschichte der Menschheit. Oder ein Fingerzeig auch, den ich später auf Silent Cries And Mighty Echoes mit Apocalypse fortführte."
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Im Studio entstand ein enormer Zeitdruck. Kaum war die Tinte der von Jürgen geschriebenen Texte getrocknet, da musste Frank auch schon singen! Da Jürgen teilweise gewaltige Wortschöpfungen kreiert hatte, war es für Frank Bornemann nicht ganz einfach, diese Texte gesanglich umzusetzen. Dennoch schuf die Band in Köln wiederum ein einzigartiges Werk, das sich von allem bisher gemachten deutlich unterschied. Besonders erwähnenswert ist meiner Ansicht nach auch die brillante Tontechnik. Saß doch hinter den Reglern des Mischpultes kein Geringerer als Georgi Nedeltschev selbst. Er wurde in Insiderkreisen oft als 5. Bandmitglied bezeichnet. Georgi erinnert sich heute, gut 20 Jahre nach den Aufnahmen, noch sehr gut an die Produktion in seinem Studio:
"Wenn man eine Musik wirklich empfindet, hat man auch die theoretischen Mittel zur Umsetzung. Aber ich hatte auch immer Visionen bei der Musik von Eloy. Und wenn diese Visionen irgendwie akustisch in deiner Musikbox umherschwirren und du selber noch nicht so genau weißt, wie das umzusetzen ist, dann bedarf es einer Anregung von außen. Franks Stimme hat mich immer angeregt und die Eloy-Musik insgesamt. Und plötzlich wird in deiner Musikbox ein Fenster geöffnet und unglaubliche Energien fließen herein. So entstehen dann vorher ungeahnte Lösungen... Ich werde das nie vergessen: Wir waren beim Abmischen und ich war tot, hundemüde und hatte keine Ideen mehr. Ich sagte: Du Frank, ich kann nicht mehr. Ich gehe jetzt nach Hause und leg mich ein paar Stunden schlafen. Danach versuche ich die Mischung zu machen. Nach fünf bis sechs Stunden Schlaf kam ich zurück ins Studio, setzte mich ans Mischpult und fing wieder an zu arbeiten. Normalerweise dauert so ein Mix mehrere Tage, es sind unglaublich viele Regler zu schieben. Damals gab es ja noch keine Automatik und keine Computer in der Studiotechnik. Alles musste von Hand gemacht werden... Ich habe nur die Musik empfunden, meine Hände arbeiteten wie von Geisterhand gesteuert, und in unglaublich kurzer Zeit war die ganze Mischung ohne Schnitt fertiggestellt! Frank und ich standen hinterher da und trauten unseren Ohren und Augen nicht. Ich hatte bei seinen Gitarren einen Raumeffekt gemacht, der unglaublich satt und geil klang. Frank schaute mich nur an und fragte: Georgi, wie hast du das gemacht? Meine direkte und ehrliche Antwort war: Frank, ich weiß es selber nicht, ich muss noch mal auf die Regler und Knöpfe schauen und mir alles selbst wieder vergegenwärtigen." Als Ocean dann im Spätherbst 1977 mit diesem überwältigenden Cover von Wojtek Siudmak auf den Markt kam, da explodierten gleich mehrere Bomben! Die eine war, dass der Verkaufserfolg überwältigend war und alle anderen Alben deutlich in den Schatten stellte. Selbst Dawn, die sich ja wirklich hervorragend verkauft hatte, wurde um mehr als das Doppelte überflügelt. Das bedeutete, dass die LP monatelang ganz oben in den Charts vertreten war und vor internationalen Top-Acts, wie Genesis, Queen und Pink Floyd rangierte. - Eine Sensation für eine deutsche Band. Und jetzt kommt das Kuriose an der Geschichte. Justament zu dem Zeitpunkt, als Eloy diesen Riesen-Erfolg hatte, setzte diese unbändige Hetzpropaganda der schreibenden Journaille ein, die niemand so recht verstand. Das konnte qualitativ noch so hochwertig - und mit einer Spitzen-Tontechnik produziert sein... Egal. Keine Chance! Woher kommt so viel unbegründeter Hass? Das Tragische daran ist auch, dass die Musiker teilweise persönlich angegriffen wurden, von Leuten, denen die Band niemals zuvor begegnet war. Persönliche Verunglimpfungen zu zelebrieren, obwohl man einen Menschen noch nicht einmal kennengelernt hat? "Journalismus" dieser Art ist mehr als zweifelhaft. Wie hat damals Jürgen Rosenthal diese negativen Resonanzen verkraftet? "Nach der Veröffentlichung von Ocean, schmetterten uns die Journalisten gnadenlos in die Tonne. Die meisten davon waren Akademiker, die mir glatt ins Gesicht sagten, ich schreibe Courths-Maler-Texte. Und noch so eine schöne Geschichte: Wir waren für eine Rockpalast-Sendung vorgesehen, damals noch eine richtig spektakuläre Sendung. Peter Rüchel, der Redakteur vom WDR, hat wörtlich gesagt: "So lange der Rosenthal so bescheuerte Texte schreibt, kommt mir die Band nicht in die Sendung!" Solche Sachen liefen damals. Ich habe das nur schwer verkraftet. Einerseits die euphorischen Reaktionen des Publikums und auf der anderen Seite diese gnadenlosen Verrisse und Zensuren. Das ist mir ganz schön nahegegangen." Auch Frank Bornemann hat sich damals zu diesem Thema seine Gedanken gemacht: "Wer über die Jahre hinweg verfolgt hat, wie Eloy von den Kritikern behandelt wurde, der muss einfach zu dem Schluss kommen, dass da offensichtlich eine Absicht hinter steckt. Es muss immer richtig link und übel klingen, das ist das Wichtigste! Was ich schlimm daran finde, ist einerseits die persönliche Verunglimpfung, und andererseits die Tatsache, dass keinerlei konstruktive Kritik stattfindet. Dabei produzieren sich dann einige dieser Schreiberlinge mit einer Überheblichkeit, die ich buchstäblich zum Kotzen finde, und verteilen mit selbsterteilter Qualifikation und Kompetenz Benotungen für die Musiker. In ihrer bornierten Selbstüberschätzung unterlaufen ihnen dann vor Übereifer diverse Peinlichkeiten. So hat z. B. einer von diesen schreibenden Amokläufern unseren Prolog vom Sun Song aus Eloy Live als bierernste Verse bezeichnet, in Unkenntnis darüber, dass diese Verse von keinem Geringeren als Arthur Rimbaud stammen. Wenn es um Eloy geht, treten alle Regeln des Fairplay außer Kraft. Auch mit der Wahrheit wird sehr großzügig umgegangen. So wurde ich oft als der große Absahner hingestellt, der seine Mitmusiker als Angestellte mit einem geringen Honorar abspeist! In Wirklichkeit ist Eloy eine der ganz wenigen Bands, bei der jeder Pfennig exakt aufgeteilt wird. Ich glaube, es gibt unter den Musik-Journalisten eine Clique von Leuten, die mich nicht ausstehen können. Die uns den Erfolg nicht gegönnt haben. Oder die nie mit dem Erfolg von Eloy gerechnet haben und jetzt, wo er doch eingetreten ist, aggressiv reagieren. Wenn man unsere Musik nicht mal als Teil der Musikszene akzeptieren kann, mögen ist etwas anderes, dann ist man nicht mehr rational. Ich werde von Leuten persönlich angegriffen, die mich persönlich überhaupt nicht kennen, die auch nichts über meinen persönlichen Background wissen." Zwei Beispiele möchte ich kurz einfließen lassen, um zu demonstrieren, wie so etwas klingt. Zunächst ein Auszug aus einer Plattenkritik zu Silent Cries And Mighty Echoes: "Ein brisantes, ein schiere Wut provozierendes Werk. So recht geeignet, um den Markt zu testen, quasi als Probe darauf, wie viel Käufer wohl bereit sind, mehr als 10 gute deutsche Märker herauszutun für prätentiösen Bockmist. Diese Sorte teutonischen Klangbrei, mit Schwachsinn-Englisch angereichert, würde in Wien wohl mit dem Prädikat Schaas mit Quastl versehen, hier eine eher zurückhaltende Formulierung. Die Instrumentalpassagen wabern wie missglückte Soundtracks von Richard Wagner zu irgendwelchen Star-War Crash-Bumm-Streifen..." (Peter Kreglinger, Audio,1979) "Der Meeresgott ist dürr, er hat ein Käppi auf, und trägt uns seine Botschaften mit einer dünnen Stimme vor, die sich manchmal überschlägt. Er hat sich eine Gitarre umgehängt und tut so, als habe er uns Wichtiges zu übermitteln. Allein der Sinn seines lyrischen Wortschwalls, er bleibt verschwommen, geht in den Nebeln wabernder Klangfluten unter. Vom Ozean hat er's, immerhin so viel ist zu erahnen, von den wieder-kehrenden Gezeiten. In Tiefen zu schürfen, das macht er schon seit 25 Jahren. Doch stets ist er im Flachen gestrandet mitsamt seinen Getreuen. Der Meeresgott heißt Frank Bornemann, und er steht Eloy vor, einer Kapelle aus vergangen geglaubten Zeiten. Kosmischen Kurieren gleich raunten sie uns damals ihre Botschaften aus Wolkenkuckucksheim, auf teutonisch sinfonischen Klangwogen, verblasen, schwerfällig, verquast zu..."(Ulrich Bauer, Stuttgarter Zeitung 1994) Soweit die Wortkreationen dieser beiden Herren. In dieser Form geht das noch eine ganze Weile weiter. Doch wie sehen eigentlich die Eloy-Fans ihre Band? Monika Hess aus der Schweiz schreibt: "Was versetzt Eloy in die absolute und unumstrittene Spitzenposition meiner Lieblingsbands? Was macht gerade Eloy so einzigartig, so besonders? Alles Geschmackssache, ganz klar. Bei mir jedenfalls ist es so, dass mir von keiner anderen Band insbesondere von denen, die mehr als zehn Alben gemacht haben, durchgehend alles gefällt. Magiepunkt Nr. 1 für Eloy: Die einzige Band, bei der dies der Fall ist. Klar, einige Songs mag ich mehr, andere weniger. Aber jede Platte kann ich mit Begeisterung von Anfang bis Ende durchhören, ohne dass hier und da ein Song übersprungen wird, wie das sonst durchaus üblich ist. Magiepunkt Nr. 2: Die Texte! Leider muss ich immer wieder feststellen, dass die meisten Leute auf Texte keinen allzu großen Wert legen. Was mich allerdings nicht wundert, denn bei den die Musikwelt dominierenden, immergleichen "silly love songs" lohnt sich das schon gar nicht. Da geht es ja stets um ein und dasselbe. Aussagekräftige und poetische Texte sind zwar für mich nicht Bedingung, damit mir eine Musik gefällt, können diese aber durchaus aufwerten! Um so besser, wenn gleich beides stimmt, wie bei Eloy! Dabei gibt es kaum eine andere Band, deren Message ich als so wichtig erachte, die sich so klar und deutlich wie ein roter Faden durch alle Werke hinwegzieht, wie bei Eloy. In den Texten von Eloy fand ich endlich die Message, nach der ich so lange gesucht hatte. Auf jedem Album, in jedem Song sogar (nun ja, abgesehen vielleicht von ein paar kaum nennenswerten Ausnahmen). Und das in die aufregendste Musik verpackt, die ich mir überhaupt vorstellen konnte. Message, das heißt für mich; Anstöße und Anregungen zu einer umfassenderen, bewussteren Denk- und Lebensweise. Message, das sind auch Antworten, welche sich durch deren Hinterfragung und Auseinandersetzung in wertvolle Erkenntnisse, Einsichten und ausschließlich positive Erfahrungen verwandeln können. Message, das bezieht auch den gesellschaftskritischen Aspekt mit ein, der gerade in den Texten von Eloy eine bedeutende Rolle spielt. Das sind auch hier wieder Anstöße und Anregungen, das Bestehende zu hinterfragen und sich kritisch damit auseinander zusetzen. Gerade in einer Welt, wo Kälte, Hektik und Oberflächlichkeit vorherrschend sind; in einer Gesellschaft, die materielle Errungenschaften als oberstes Ziel und gleichzeitig als Wertmaßstab setzt; unter Menschen, wo Verachtung, Neid und Missgunst gesät wird, wo ständig vor-,ge- und verurteilt wird, erscheint es mir als unheimlich wichtig, all dies zu erkennen und einen anderen Weg zu wählen. Dritter Magiepunkt: Eloy ist etwas ganz Besonderes, hat etwas Besonderes etwas Magisches eben. Ist es die geradezu perfekte Kombination von Musik, Text und Stimme? Ist es, weil Eloy ungeachtet der textlichen Aussage einfach eine unbeschreibliche Wärme, Kraft und Energie verströmt? Weil die Musik so lebendig ist? So ehrlich, so voller Gefühl, Herz und Verstand? Das alles sei dahingestellt. Hier stoße ich wiederum an die Grenzen der Sprache, und ich habe auch nicht vor, dieser einzigartigen Magie durch meine Worte einen Maulkorb zu verpassen. Würde sie sich mit Definitionen einfangen lassen so wäre sie gar keine solche! Diese Magie lässt sich nur selber spüren und erfahren. Sie ist im wahrsten Sinne des Wortes unbeschreiblich. Und ich bin sicher, mich jetzt mit schönen Worten abzumühen ist hier an dieser Stelle auch überflüssig, denn jeder, der Eloy kennt und mag, weiß ganz genau, wovon ich spreche..." Nach dem unglaublichen Ocean-Erfolg gab es einen Fernsehauftritt in der ZDF-Sendung Rock-Pop. Die umfangreiche Deutschland-Tour stand an. Es wurden wesentlich größere Hallen gebucht, als das bei den beiden Dawn-Touren der Fall gewesen war. Wie sich jedoch bald herausstellen sollte, waren selbst die größten dieser gebuchten Hallen viel zu klein, um die vielen Besucher aufnehmen zu können. Eloy hatten sich für diese Konzerte etwas ganz besonderes ausgedacht. Frank Bornemann: "Wir setzten einen Vierfarb-Laser ein, der uns auf der Tour mächtig Probleme bereitete. Damals steckte die Laser-Technik noch in den Kinderschuhen, und dieses Ding kam, soweit ich mich erinnere, aus England. Er verbrauchte 25 Liter Wasser pro Minute! So musste jedes Mal ein Schlauch durch die halbe Halle gelegt werden, damit dieser komische Laser lief. Und vor allem: Er war sehr gefährlich. Ein direkter Strahl von diesem Laser, und Du hättest ein Loch im Kopf gehabt. Also war jeden Abend der TÜV da! Auch unsere Pyrotechnik war bei keinem Hallendirektor sonderlich beliebt. Magnesiumbomben und dergleichen waren eben alles andere als willkommen. Der Tourmanager hatte jeden Abend sein gutes Tun, um durchzusetzen, dass das Konzert überhaupt stattfinden konnte. Aber der Effekt mit diesem Gerät war natürlich immens." Dergleichen hatte es bis dato bei keiner deutschen Band gegeben. Für die Tour waren Hallen gebucht worden, die 2000 bis 3000 Leute fassen konnten. Doch plötzlich standen 5000 Fans vor den Hallen, von denen dann die Hälfte wieder nach Hause geschickt werden musste. Die ganze Tour war ein einziger Triumphzug für Eloy. Um ein Live-Album zu realisieren, wurden alle Konzerte mit einer aus den EMI-Studios mitgeführten 24-Spur-Maschine aufgenommen. Ein fataler Fehler, wie sich herausstellen sollte. Frank Bornemann zu den Aufnahmen: "Ein Tonassistent wurde mit den Aufnahmen betreut, der damit offensichtlich überfordert war. Er vergaß allabendlich, zusätzliche Mikrofone Richtung Publikum zu positionieren. Abgesehen davon, dass eine saubere Aussteuerung der Instrumente mit dem Frontmixer nur erschwert möglich und eine Kontrolle der Instrumentenlevel aufnahmeseitig völlig unmöglich war, gipfelte die Katastrophe schließlich darin, dass bei jedem heftigen Einsatz der Traversenscheinwerfer ein gewaltiges Brummen und Knistern in die Audioleitungen eingestreut wurde. 80 Prozent der Mitschnitte waren somit unbrauchbar geworden. Am Ende standen wir mit musikalischen Flicken und Fetzen der verschiedenen Konzerte da. Wir waren drauf und dran, die Veröffentlichung des Live-Albums zu verwerfen. Dann aber, und das wussten wir genau, würde die gesamte Musikjournaille erneut über uns herfallen. Wir führten wegen des Live-Albums eine Menge Diskussionen. Schließlich einigten wir uns auf diesen Kompromiss, mit dem wir allerdings nicht besonders glücklich waren." Trotz der Einschränkungen wurde das Live Doppel-Album ein riesiger Verkaufserfolg. Die Band war 1978 auf dem Zenit ihrer Karriere!. Allerdings zeigten sich zu diesem Zeitpunkt schon die ersten Risse der doch stark belasteten Gemeinschaft innerhalb der Band. Jeder war mit der Situation unzufrieden und jeder Einzelne hatte für sich auch andere Ursachen und Gründe verantwortlich gemacht, weshalb bei Eloy nachhaltig der Wurm drin war... Die nächste große Reise des Segelschiffes stand bald an. Die Küste der Normandie war diesmal das Ziel. Um die Schwingungen innerhalb der Mannschaft wieder positiver zu tunen, hatte Eloy dort ein Haus gemietet. Die Vorbereitungen für den nächsten Meilenstein in der Geschichte der Band begannen: Silent Cries And Mighty Echoes! Die Musiker richteten sich im zentralen Wohnraum des Hauses einen Proberaum ein. Das malerische Ambiente und die räumliche Nähe zueinander sollte die Band wieder harmonisieren und die Inspiration eines Jeden beflügeln. Tat-sachlich entstand nach und nach sehr gutes Material, welches die Grundlage für die baldigen Aufnahmen im Sound N Studio sein sollte. Leider gab es in Frankreich weitere Spannungen zwischen den Bandmitgliedern. Insbesondere zwischen Frank Bornemann und Jürgen Rosenthal krachte es heftig. Es ging bei den Auseinandersetzungen meist um textliche Inhalte. Jürgen schuf weiterhin düstere Szenarien, während Frank Bornemann in eine andere Richtung wollte. Dieser inhaltliche Unterschied wird auf Silent Cries And Mighty Echoes besonders deutlich. The Apocalypse beschreibt Weltuntergangsstimmung, während ein Titel wie Pilot To Paradise vom Licht am Ende des Tunnels und dem goldenen Schlüssel, den wir alle in uns tragen, erzählt... Nach der Rückreise aus Frankreich raufte man sich allerdings erneut zusammen, um die Aufnahmen für die neue Platte zu realisieren. Es entstand ein sehr beeindruckendes Album, welches sich auch wiederum deutlich von den vorangegangenen Produktionen unterschied. Besonders auffallend ist die neu entwickelte Spielfreude von Detlev Schmidtchen. Er konnte sich als Keyboarder bei diesem Album endgültig profilieren. Aber noch etwas anderes ist auf dem Album, was nie zuvor bei einem Eloy-Album in der Form auftrat. Frank Bornemann: "Die Idee zu dieser Sonderperformance einer weiblichen Stimme hatte ich, und auch die Melodie hatte ich ganz konkret im Kopf. Da ich das Notenschreiben damals aber nur sehr unvollkommen beherrschte, half uns erneut Wolfgang Maus, der schon bei Dawn als Conductor des Streichorchesters mit uns zusammengearbeitet hatte. Ich krächzte ihm mit meinen für einen solchen Part stimmlich begrenzten Möglichkeiten die Melodie auf einen Kassettenrekorder. Der im Noten-schreiben routinierte Wolfgang brachte das Ganze dann auf Papier, so dass die ebenfalls notenfeste Sängerin Brigitte Witt den kompletten Part später vom Blatt singen konnte. Für mich ist ihre Performance ein Highlight in der gesamten Eloy-Discografie geworden und hat dem Album eine besondere Note gegeben. Insgesamt hat sich die Arbeit an der Produktion länger hingezogen als ursprünglich geplant, so dass wir aus terminlichen Gründen den finalen Mix nicht mehr in Georgis Studio machen konnten. Stattdessen wichen wir in das neu eingerichtete EMI-Studio 2 in Köln aus und baten Wolfgang Thierbach, den finalen Mix zu gestalten. Das Pult dort klang natürlich etwas anders als bei Georgi, und Wolfgang hatte sicherlich auch eine etwas andere Handschrift, aber er konnte sich dennoch gut in die Musik von Eloy einfühlen, die ihm sicherlich auch durch die Zusammenarbeit an Floating und Power And The Passion nicht fremd war." Im Januar 1979 kam das Album mit einem wunderschön gestalteten Cover auf den Markt und stürmte in Windeseile die Charts. Parallel dazu bereitete sich die Band auf die große Tour vor, die ab März stattfinden sollte. Die Konzert-Veranstalter Lippmann und Rau waren durch die spektakuläre Ocean-Tour auf Eloy aufmerksam geworden und waren nun die offiziellen Konzertveranstalter. Eloy spielte in diesem Jahr in den größten Hallen Deutschlands. Allerdings war die Band nicht besonders glücklich darüber, in den riesigen, oft nüchternen Konzertarenen auftreten zu müssen. Eloy legte immer Wert darauf, keine zu große Distanz zum Publikum aufzubauen. Bei der Silent Cries-Tour gab es zwar keine Lasershow, dennoch hatte die Band eine sehr beeindruckende Ton- und Lichtanlage aus England angemietet. Der Lichtdesigner hieß John Smeeton und war zuvor schon für Elton John und Queen tätig gewesen. Der Höhepunkt der Show bestand sicherlich darin, dass am Schluss des Konzertes ein riesiges Auge aus der Traverse heruntergelassen wurde. Die Iris dieses Monsterauges bestand aus einem Airport-Landing-Spot, welcher mit seiner gesamten Leuchtkraft in das Publikum strahlte. Ein Konzert dieser Tour sollte als besonderes Ereignis in die deutsche Rockgeschichte eingehen, nämlich das Doppelkonzert mit den Scorpions in der Kölner Sporthalle. Frank Bornemann: "Mitten auf unserer Tour betrat Fritz Rau die Garderobe und fragte uns, ob wir ihm in einer Sache aus der Patsche helfen könnten. Die Scorpions hätten in diesen Tagen im Kölner Satory-Saal ein Konzert spielen sollen, welches aber nicht stattfand, weil zuvor Michael Schenker die Band verlassen hatte. Der eiligst wieder zurückgeholte Matthias Jabs war zwar relativ kurzfristig wieder in der Lage, die Lücke zu füllen, doch musste für Frankreich und Deutschland ein komplett neues Tour-Timing gemacht werden. In Ermangelung eines freien Termins im Satory-Saal, hatte Fritz Rau dann die Idee, ein Doppelkonzert von den Scorpions und Eloy in der Kölner Sporthalle zu veranstalten. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt ca. 3700 Karten verkauft. Da die Sporthalle aber gut 6000 Plätze bereitstellte und nicht zu erwarten war, dass wir diese riesige Halle ganz ausverkaufen konnten, ergab sich die Möglichkeit, die Zusatzkapazität den ca. 2000 zu erwartenden Scorpions-Fans zur Verfügung zu stellen. Wir hatten kein Problem mit dem Doppelbilling, zumal wir mit den Scorpions gut befreundet waren. Um das Problem mangelnder Bühnenfläche zu lösen, baute man kurzerhand zwei gegenüberliegende Bühnen in der Halle auf, und so konnten beide Bands nacheinander ohne lästige Umbau-Pause ihr Programm spielen. Kurioserweise verließ ein Großteil unserer Fans während des Scorpions-Konzertes die Halle und umgekehrt gingen auch diverse Scorpions-Fans, während Eloy spielte. Dennoch war es ein gelungener Abend, bei dem das Publikum Hard- und Artrock in einem Programm erleben konnte. Es entstanden übrigens auch Fernweh-Aufzeichnungen für die Nachrichtensendung Hier und Heute, wo kurze Ausschnitte von beiden Konzerten gezeigt wurden." Trotz des enormen Erfolges gab es zunehmend Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Band. Das Schiff Eloy war auf Grund gelaufen und Frank Bornemann suchte hände-ringend nach einer Möglichkeit, diesen Zustand zu beenden. Dabei kam ihm die Idee, ein eigenes Studio in Hannover aufzubauen. Damit hätte die Band zusätzliche Unabhängigkeit von der Tonträgerindustrie erreicht und gleichzeitig auch ein Stück Zukunftssicherung für sich selber geschaffen. Zunächst wurde diese Idee von allen begeistert aufgenommen. Es stellte sich jedoch bald heraus, dass Detlev Schmidtchen und Jürgen Rosenthal nicht in dem Maße hinter dem Projekt standen wie Frank Bornemann und Klaus-Peter Matziol. Frank opferte viel Zeit für die Umsetzung des eigenen Tonstudios, was Jürgen und Detlev sehr missfiel. Die beiden bastelten zwischen den Eloy-Proben bereits an eigenem Material, woraus später Ego on the Rocks werden sollte, was wiederum Frank sehr störte. Dennoch wurde das Horus-Sound-Studio im September 1979 fertig-gestellt und ist heute eines der angesehensten Studios in Deutschland. Einmal noch kam diese Eloy-Formation für Studio-Aufnehmen zusammen. 1979 war das Jahr des Kindes, und als die erfolgreichste deutsche Band war Eloy gefragt, eine Single zum Thema veröffentlichen. Es entstanden die Songs Child Migration und Let The Sun Rise In Your Brain. Ersterer wurde mit einem Chorpart, eingesungen vom Tölzer Knabenchor und arrangiert von Eberhard Schoener, realisiert. Der andere Titel ist ein sehr Eloy-typisches Stück, das ein wunderschönes Querflöten-Solo enthält. Die Aufnahmen wurden mit dieser Besetzung nicht abgeschlossen. Manfred Wieczorke kehrte für ein paar kurze Sessions zurück und ergänzte die Aufnahmen mit seinen Keyboards. Die Abmischung wurde letztlich nicht fertiggestellt und die Single kam auch nie auf den Markt. Erst viele Jahre später waren die Aufnahmen auf den Rarities zu hören, einer EMI-Compilation, welche sämtliche Singles, Maxi-Singles und eben diese beiden unveröffentlichten Stücke enthält. Mit Hannes Arkona, einem zweiten Gitarristen, kam im Herbst 1979 noch ein letztes Mal frischer Wind in die Band. Aber anstatt in eine intakte Band zu kommen, erlebte er sehr schnell das Ende dieses Line-Ups. Es standen noch ein paar Konzerte in Frankreich an, bei denen Hannes dann schon mitmachte. Wenige Tage nach den Auftritten in Frankreich erklärten Detlev Schmidtchen und Jürgen Rosenthal ihren Ausstieg bei Eloy, und mit der Begründung, keine Unternehmer werden zu wollen, stiegen sie auch gleichzeitig aus dem soeben fertiggestellten Studioprojekt aus. Für Frank Bornemann war es in dieser Situation ganz besonders wichtig, dass Klaus-Peter Matziol in der Band verblieb und die Arbeit mit ihm fortsetzen wollte. So waren immerhin noch 50 Prozent der Erfolgsformation am Start. Auch Hannes Arkona zeigte starkes Interesse weiterzumachen, und so mussten nur noch die verbliebenen Lücken an den Drums und den Keyboards mit neuen, ambitionierten Musikern geschlossen werden. Nach zahlreichen Sessions mit den unterschiedlichsten Interessenten, unter anderem auch Matthias Ulmer von Anyones Daughter, der heute bei Heinz Rudolf Kunze spielt, entschied man sich für den Drummer Jim Mc Gillivray und den Pianisten Hannes Folberth. Beide unterschieden sich drastisch von ihren Vorgängern. Jim erwies sich als eine beständige, technisch versierte Groove-Maschine, im Gegensatz zu Jürgen Rosenthal, dessen Schlagzeugspiel eher von vielen Rolls mit rhythmischen Facetten und wertvollen Percussion-Einsätzen geprägt war. Hannes wiederum entpuppte sich als ein großer Tasten-Virtuose, der sich sehr gut in die Musik einfühlen konnte. Ihm fehlten zunächst die atmosphärischen Keyboard-Flächen, die Detlev Schmidtchen so meisterhaft beherrschte. In dieser neuen Besetzung galt es nun, in Windeseile neues Material zu erarbeiteten, um aller Welt mit einem neuen Album zu beweisen: Eloy gibt's wieder! Frank Bornemann: "Die Unruhen in der Band und der plötzliche Austritt von Detlev und Jürgen haben bei den Fans, der Plattenfirma und in den Medien für viel Irritation gesorgt und Stoff für Spekulationen gegeben. Es wurde daher allerhöchste Zeit, mit einer wieder kompletten und vor allen Dingen überzeugenden Formation die Wogen zu glätten und möglicherweise enttäuschte Fans zu versöhnen. Keine leichte Sache, wenn man bedenkt, dass sich die Band gerade mal im Frühjahr 1980 formiert hatte und bereits für September die nächste Albumveröffentlichung mit anschließender Tour anstand. Für ein spektakuläres Konzeptwerk in Eloy-Tradition war daher keine Zeit mehr, obwohl ich persönlich am liebsten ein solches gemacht hätte. Die kreative Motivation aller Musiker war jedoch enorm groß, so dass die Songs für das Album zügig entstanden. Die Band brannte förmlich vor Ehrgeiz, und jeder engagierte sich mit überdurchschnittlichem Enthusiasmus dafür, dass Eloy wieder richtig ins Rollen kam. Aufgrund des enormen Zeitdrucks erwies es sich als äußerst hilfreich, mit Jim Mc Gillivray einen Briten in der Band zu haben, dem schwerpunktmäßig die Textarbeit übertragen werden konnte. Ähnlich seinem Vorgänger Jürgen Rosenthal, verspürte Jim dazu starke Neigungen. Phonetisch waren seine Wortkreationen weitaus melodiöser umsetzbar als die oft literarisch geprägten, musikalisch aber eher sperrigen Texte von Jürgen. Auch inhaltlich konnte ich mich entspannter einbringen, als es mit Jürgen möglich gewesen wäre. Die Texte von Colours habe ich zwar als Kompromiss angesehen, aber als Übergangslösung waren sie durchaus geeignet."
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Das Material für das Album Colours entstand in nur wenigen Wochen. Die Arbeit daran kann als ausgesprochenes Gemeinschaftswerk bezeichnet werden. Erstmals wurde ein Eloy-Album im eigenen Studio in Hannover eingespielt, was Frank Bornemann mit besonderem Stolz erfüllte. Mit Jan Nemec saß ein junger, gerade 29 Jahre alter Toningenieur an den Reglern, der großen Ehrgeiz hatte und durch diese Produktion auf sich aufmerksam machen wollte. Colours kam mit dem Schwung des Neuen auf's Band. Durch die neuen Musiker gewann die Musik ein neues Profil. Die Songs waren kürzer, straffer arrangiert, und insgesamt fiel die Musik wesentlich rockiger aus. Die Band entfernte sich allerdings mit dem neuen Album ein gutes Stück von der alten Eloy-Tradition. Klaus-Peter Matziol:
"Es war kein ungefährlicher Schritt, und der Erfolg weist an dieser Stelle ja auch einen Knick nach unten auf. Wenn man bei einer erfolgreichen Band die Hälfte der Musiker wegnimmt, so ist das natürlich schon ein Verlust, und dann können noch so gute Leute dazu kommen...Wäre die alte Formation zusammengeblieben, so hätte man den riesigen Erfolg sicherlich noch eine gewisse Zeitspanne halten können, auch wenn wir technisch gesehen mit der alten Combo bestimmt eher an unsere Grenzen gestoßen wären als mit der neuen Besetzung." Interessanterweise reagierten die Journalisten insgesamt recht positiv, als das Album in einer groß angelegten Pressekonferenz in einem Frankfurter Hotel vorgestellt wurde. Es gab zu der Zeit auch erstmals sehr versöhnliche und umfangreiche Stories in Fachmagazinen. Auch Colours stürmte in Windeseile die Charts, allerdings nicht so explosionsartig wie die Vorgängeralben. Es wurde dennoch sehr schnell eine sechsstellige Verkaufszahl von dem Album erreicht. Die sich im Oktober 1980 anschließende Tour lief analog zum Verkaufserfolg des Albums. Dennoch hatte Frank Bornemann Grund zum Nachdenken: "Wir boten unseren Fans die alten und neuen Songs mit einer Souveränität wie selten zuvor. Hannes Arkona und Hannes Folberth fügten sich nahtlos in das Bandkonzept ein, und Matze genoss geradezu die konstante Stabilität, mit der Jim das Programm trommelte. Dennoch spürte jeder für sich eine latente Unzufriedenheit. Die Vergangenheit hatte noch zuviel Anteil an der Gegenwart! Eine sichere innere Stabilität war noch nicht eingetreten, und auch die Response von außen verriet noch Mixed Emotions hinter vordergründig rauschendem Beifall vieler Fans. Für mich war diese Stimmung absolut spürbar, und ich war auch der Einzige, der Vergleiche ziehen konnte mit einer ähnlichen Situation, die sich rund fünf Jahre zuvor abgespielt hatte. Jim, der fraglos erstklassige Drummer, zugleich aber von den Fans eher als farblose Musikerpersönlichkeit gewertet, blieb stets im Schatten des charismatischen Jürgen Rosenthal. Er hatte auch nicht das Performertalent von Fritz Randow, der vor Jürgen in der Band war und der kurze Zeit später Jim erneut folgen sollte. Man konnte deutlich spüren, dass einige Fans Jim als Fremdkörper in der Band empfanden. Wie sich später mehr und mehr zeigte, hatten sie auch Recht damit. Jim war für sich selbst als Mittel zum Zweck in die Band eingestiegen, ehrgeizig in Bezug auf die eigene Leistung, aber nicht richtig mit dem Herzen ein Eloy-Mitglied." Anfang der 80er Jahre brach auch das Zeitalter der Musikvideos an. Eloy war nie eine Single-Band, dennoch reizte es sie, Musiktitel visuell zu präsentieren. Musikerkollege Klaus Schulze hatte sich in seinem Studiokomplex in der Nähe von Celle schon voller Interesse diesem neuen Medium zugewandt. Mit seiner Hilfe realisierte die Band zwei Titel, Silhouette und Illuminations, des neuen Albums als Musikvideos. Silhouette war bereits verkürzt als ausgekoppelte Single auf dem Markt erschienen. Von daher bot es sich an, diesen Titel zu nehmen. Beide Titel waren wohl als Single nicht recht vermarktungsfähig, so dass die Platten-Firma schließlich eine ganz andere Idee verfolgte. Eloy sollte eine Single zur Tour veröffentlichen, die möglichst radiotauglich war und die parallel zur Tour promotet werden sollte. Nach anfänglicher Skepsis ließ sich die Band auf diesen Vorschlag ein, und so war der Titel Wings Of Vision innerhalb kürzester Zeit im Kasten. Eloys Plattenfirma träumte schon von einem Hit. Der Song kam als Single und Maxi-Single auf den Markt, wobei ein Live-Foto, auf dem jenes besagte "Auge" von der Silent Cries Tour zu sehen ist, als Cover diente.
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Wings Of Vision war sicherlich ein radiokompatibler und gefälliger Song. Er repräsentierte jedoch keinesfalls das musikalische Profil von Eloy. Von daher war die Single auch nie sonderlich erfolgreich und fand entsprechend dem Image und Status der Band im Radio kaum Beachtung.
Im Frühjahr 1981 bekam die Band ein sehr interessantes Angebot aus Griechenland. Eloy sollte dort drei Konzerte geben: Eines in Tessaloniki und zwei in Athen. Auslandskonzerte waren für eine deutsche Band natürlich eine interessante Sache, zumal bisher Eloy-Konzerte nur in der Schweiz und Frankreich stattgefunden hatten. Frank Bornemann: "Alle Konzerte waren ausverkauft! Die Band spielte an drei Tagen vor 14000 Leuten! Griechenland war buchstäblich im Eloy-Fieber. Sämtliche Medien brachten opulente Beiträge, und wir waren sehr überrascht, wie populär unsere Band gerade in einem Land war, welches wir bisher noch gar nicht auf unserer Aktvitätenliste berücksichtigt hatten. Sogar unsere Ankunft auf dem Flughafen wurde in der Tagesschau gezeigt!" Hannes Folberth schildert die Situation so: "Gut kann ich mich daran erinnern, dass ich mich zu dieser Zeit in einer ganz und gar nicht rosigen finanziellen Situation befand. Und da landete ich, der "Rockstar", in Griechenland, wurde mit einer Limousine abgeholt, durch die Straßen chauffiert, zu Pressekonferenzen geladen, wohnte im Hotel, Trubel hier, Tumulte da. Ich sah Eloy-Plakate von einer Größe, wie ich sie hierzulande noch nie gesehen hatte. Dieser Sprung war für mich ganz schön irre. Wir wurden gefeiert wie die allergrößten Superstars! Jeder von uns bekam zwei Bodyguards, damit wir überhaupt durch die Mengen kamen. Die Absperrung vor den Bühnen war ziemlich unprofessionell und schnell einmal durchbrochen. Die Leute stürmten auf die Bühne zu, es gab Schlägereien, richtig wild ging es zu! In Athen spielten wir in vollen Häusern, in Tessaloniki waren sicherlich auch 8000 Leute. Es war Februar und bitterkalt. Wir saßen nachmittags in den Hallen, und ich wärmte mich mit Metaxa. Am Abend ging ich dann leicht angeduselt auf die Bühne und sah nur noch dieses Meer von Blitzlichtern. Man kann sich kaum vorstellen, wie unwirklich mir das vorkam. Überhaupt, die ganze Griechenland-Tour war wie ein Trip, oder besser gesagt wie ein Traum."
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Motiviert von diesem ganz enormen Erfolg, kehrte die Band zurück nach Deutschland und begann mit den Vorbereitungen für das vielleicht opulenteste Werk, das Eloy bis zu diesem Zeitpunkt gemacht hatte. Das Konzeptwerk Planets / Time To Turn.
Allein schon der Prolog, den Frank Bornemann schrieb und der im Innencover des Albums abgedruckt wurde, besticht durch die wirklich bemerkenswerte Story und sprühende Fantasie. Der Prolog sollte dem Leser schon die Inhalte des Albums nahe bringen. Frank wollte die Story möglichst gut zugänglich machen und alles auf den Punkt bringen. Er brauchte viele Wochen, um diesen Prolog fertigzustellen. Ursprünglich sollte Planets als Doppelalbum erscheinen. Von Time To Turn redete zunächst niemand. Um ungestört die musikalischen Parts für das anstehende Werk entstehen zu lassen, mietete die Band sich, wie einst 1974, ein Haus in der Lüneburger Heide. Die Formation hatte mittlerweile musikalisch und menschlich zusammengefunden. Es wuchs ein beachtlicher Berg an Material heran, das wirklich sehr gut war. Hannes Arkona spielte bei der neuen Produktion nicht nur Gitarre, sondern bediente mittlerweile auch zahlreiche Tasteninstrumente. Die beiden Hannesse ergänzten sich hervorragend an den Tasten. Während Hannes Arkona für die Flächen und einige Melodiebögen zuständig war, konnte Hannes Folberth sich der Musik als klassisch ausgebildeter und sehr virtuos spielender Pianist nähern. Dadurch entstand eine einzigartige Klangsynthese aus traditionellen Eloy-Elementen und neuen Klangstrukturen. Planets / Time To Turn war ein ausgesprochenes Gemeinschaftswerk. Nur die inhaltliche Grundidee stammte von Frank Bornemann. Nach und nach wuchsen auch die anderen Bandmitglieder in die Story hinein. Es geht um den Titelhelden Ion, der mit negativen Kräften im Zeitalter des Chaos konfrontiert wird und diese zu bekämpfen versucht. Es gilt, alte Wertigkeiten und Tugenden, die in dieser Zeit des Chaos leider verschüttet wurden, neu zu entdecken und für das goldene Zeitalter zu kämpfen. Das Ganze spielt sich auf dem Planeten Salta ab, der im übertragenen Sinne natürlich die Erde darstellen - und auch die Situation von uns Menschen verdeutlichen sollte. Time To Turn ist ein Titel, der eine Schlüsselrolle spielt. Die Menschen sollen umdenken und sich wieder auf tiefe inhaltliche Werte rückbesinnen. Stark inspiriert wurde Frank Bornemann bei seiner Geschichte übrigens von einem ganz besonderen Buch, das damals monatelang auf den Bestsellerlisten stand und in aller Munde war: "Nach uns die Zukunft" von Hans A. Pestalozzi. Frank Bornemann und Hans A. Pestalozzi hatten sehr ähnliche Ansichten, und es gab zwei Treffen, bei denen sie sich eingehend austauschen konnten. Hannes Arkona war derjenige, der sich neben Frank am meisten mit der inhaltlichen Seite des neuen Projektes befasste. Er beschreibt die damalige Zusammenarbeit so: "Das Ganze hat angefangen mit wilden Geschichten und Fantasien von Frank. Die Grundidee war eine Gut-und- Böse Geschichte, was im Grunde genommen ein uraltes und klassisches Thema ist. So etwas mit der Band zu realisieren, das hatte er schon sehr lange im Kopf. Franks Idee hat mich irgendwie begeistert. Die ganze Sache war zunächst nicht richtig greifbar. Ich habe darum für die Band und mich eine eigene Geschichte geschrieben. Ich bin tagelang in meiner Wohnung geblieben und habe versucht, an nichts Reales mehr zu denken, um diese Geschichte in mir wachsen zu lassen. Es ist auch eine Ion-Geschichte, die allerdings andere Stationen hat, als Franks Werk. Die beiden Versionen haben sich letztendlich sehr gut ergänzt. Meine Geschichte ist in seine eingeflossen. Die vielen Fantasienamen haben das Ganze dann auf dieses märchenhafte Niveau gebracht." Die textliche Umsetzung der Story realisierte Frank Bornemann zusammen mit Sigi Hausen, einem Amerikaner, der aber auch die deutsche Sprache perfekt beherrschte. So war ein optimales Ergebnis zu erreichen. Sehr oft wurde Frank Bornemann im Laufe der Bandgeschichte mangelhaftes Schulenglisch nachgesagt. - Zu Unrecht, denn gerade er hat sich immer darum bemüht, die Texte mit kompetenten Partnern umzusetzen, deren Muttersprache Englisch war. Frank Bornemann: "Ein solches Textwerk in Englisch sensibel und auf den Punkt umzusetzen, habe ich mir nicht zugetraut, und ich würde auch keinem Deutschen empfehlen, dies zu versuchen. Klar, man kann eine Textbasis machen. Um das aber in einer Fremdsprache wirkungsvoll umzusetzen, so dass es später nicht nach Wörterbuchaktion klingt, braucht man einen Partner, der in der jeweiligen Sprache zu Hause ist und der andererseits auch den Inhalt versteht. Er muss zudem auch begreifen, welches Gefühl man damit vermitteln will. So sind Texte entstanden, die zwar inhaltlich von mir sind, letztlich aber von Sigi Hausen formuliert wurden. Er hat auch die bildhaften Feinheiten der Story sehr gut herausgearbeitet und sich viele Formulierungen ausgedacht, die ich auf die vorgegebene Silbenrhythmik gar nicht hinbekommen hätte." Im Studio gab es dann bei den Aufnahmen zu Planets erhebliche Schwierigkeiten. Es fing damit an, dass Jim Mc Gillivray schlecht vorbereitet ins Studio kam und sich nicht in dem Maße einbrachte wie der Rest der Band. Das Ganze eskalierte schließlich damit, dass man sich von Jim trennte. Zu der Zeit äußerte die Plattenfirma den eindringlichen Wunsch, nicht ein Doppelalbum, sondern zwei kurz hintereinander folgende Alben auf den Markt bringen zu wollen. In dieser Situation kam das der Band entgegen, obwohl der ursprüngliche Gedanke eines Doppelalbums damit natürlich zunichte gemacht worden war. Die restlichen Aufnahmen von Planets wurden mit dem Studioschlagzeuger Olaf Gustafson realisiert. Für Time To Turn kam dann Ex-Eloyer Fritz Randow wieder ins Boot. Frank Bornemann war auch mit der Umsetzung einiger Titel nicht hundertprozentig zufrieden, insbesondere aber auch mit den Aufnahmen seiner Stimme. Auf der Produktion wurden erstmalig seit Dawn wieder Streicher bei zwei Titeln eingesetzt, die von Wolfgang Dyhr arrangiert wurden. Planets kam dann im Spätherbst 1981 auf den Markt. Aber die Band konnte sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen. Gleich im Anschluss an die Planets-Veröffentlichung ging es mit den Aufnahmen für Time To Turn weiter. Diesmal lief es aber wesentlich besser, und Frank Bornemann konnte insgesamt sehr zufrieden sein. Die wieder intakte Band brachte im Frühjahr 1982 das Album Time To Turn heraus, welches ein wirklich großer Erfolg wurde. Der Titelsong wurde als Single ausgekoppelt und erzielte eine hohe Radio-Präsenz. Im WDR erreichte der Titel in der Schlagerrallye nach einigen Wochen sogar den zweiten Platz. Und das in der Hochblüte von Punk und Neuer Deutscher Welle. Sowohl Planets als auch Time To Turn erschienen auch in England bei Heavy Metal Records. Lediglich der Song Magic Mirrors auf Time To Turn wurde durch eine remixte Version von Illuminations von dem Album Colours ausgetauscht. Das entsprach dem Wunsch von Frank Bornemann, der den Titel Magic Mirrors als Kompromiss empfand. Paul Birch, der Inhaber dieser kleinen Plattenfirma, war so überzeugt von der Eloy-Musik, dass er hart darum kämpfte, an die Lizenzrechte für England zu kommen. Er musste eine stattliche Summe dafür bezahlen. Für die beiden Platten entstanden wundervolle Cover, die Rodney Matthews aus England malte. Es gab auch Veröffentlichungen als Picture-Disc, die heute eine sehr teuer gehandelte Rarität darstellen. Diese Cover-Zeichnungen von Rodney Matthews haben alle Eloy-Musiker sehr beeindruckt und waren mit Sicherheit noch viel spektakulärer als die deutschen Cover von Winfried Reinbacher, der aber ebenfalls hervorragende Arbeit geleistet hatte. Auch er hatte eine besondere Gabe, die Inhalte der Eloy-Musik visuell darzustellen, was man unschwer feststellen kann, wenn man sich die Cover von Silent Cries...bis Time To Turn anschaut. Die Reaktionen auf das neue Werk von Eloy waren gespalten. Zum Einen gab es eine euphorische Response bei den Fans, zum Anderen aber wieder gnadenlose Verrisse in der deutschen Musikpresse. Ganz anders gestaltete sich dagegen die Situation in England. Frank Bornemann: "Ich habe mich sehr gefreut, dass gerade die Engländer die konzeptionelle inhaltliche Seite so gewürdigt haben. Es gab sogar spezielle Radiosendungen in England, in denen unsere Platten sehr ausführlich vorgestellt wurden. Die Prologe wurden von Schauspielern gesprochen. Es war richtig beeindruckend, welche Response dort aufkam. Während ich mir hier in Deutschland alles Mögliche an den Kopf schmeißen lassen musste, kamen in England sogar Vergleiche mit Peter Gabriel auf. Man zeigte richtiges Interesse an den Inhalten und versuchte nicht, wie hierzulande, diese ins Lächerliche zu ziehen. Es waren ja auch Texte, die in der englischen Sprache richtig umgesetzt worden waren und vielleicht gerade deswegen ganz anders aufgenommen wurden. Man hatte einfach begriffen, um was es ging. Die Journalisten in England waren in keinster Weise voreingenommen, was bei einer deutschen Band normalerweise zu erwarten gewesen wäre, und das war eine wirklich sehr hohe Auszeichnung für unsere Band." In Deutschland gab es eine sehr umfangreiche Tour, die vor allem von zwei Faktoren gekennzeichnet war: Eine ausgeklügelte, sehr aufwendige Show und drastischen Besuchereinbruch. Frank: "Es gab erstmals bewegte Bilder als Projektionen, und um das Thema plastisch zu visualisieren, wurde ein riesiges Achteck gebaut, das innen einen Kreis als Projektionsfläche hatte, mit Flughafenlandespots bestückt. Durch die ringsum postierten Scheinwerfer wurde ein Licht geschaffen, das zum Teil ins Publikum strahlte und zum Teil die Bühne ausleuchtete. Es wurde auch viel Bodenlicht verwendet, um eine mystische, atmosphärische Stimmung auf der Bühne zu schaffen. Das Konzert fing mit einem Lichtervorhang an, der durch Streifenstrahler, die an der Fronttraverse angebracht waren, erzeugt wurde. Dieser Lichtervorhang wurde dann langsam aufgelöst. Das war eine Sache, die ich bis dahin auch noch nie gesehen hatte. Das sah einfach klasse aus! Außerdem hatten wir, wie üblich, Pyrotechnik dabei. Ein Wermutstropfen war bei dieser Tour allerdings der nicht unerhebliche Konzertbesucherschwund. Da die wachsende wirtschaftliche Rezession zu Beginn der 80er Jahre sich auch auf das Konzertgeschäft und den Plattenmarkt auswirkte, konnten wir da nicht mehr viel reißen. Das war sehr schade, denn gerade in jenem Jahr hatten wir besonders viel zu bieten, also ist sehr vielen Leuten etwas Besonderes entgangen." Von Planets und Time To Turn wurde auch ein Songbook veröffentlicht, welches sämtliche Noten zu den einzelnen Songs, sowie jede Menge erstklassiges Fotomaterial enthält. Die Band entsprach damit einem sehr langgehegten Wunsch vieler Eloy-Fans. Planets und Time To Turn waren zwar beides erfolgreiche Alben, dennoch herrschte in der Band eine gewisse Orientierungslosigkeit, wie es weitergehen sollte. Die Besucherzahlen der letzten Tour waren zahlenmäßig stark rückläufig gewesen. Es wurden die verschiedensten Möglichkeiten innerhalb der Band diskutiert. Frank Bornemann: "Die abstrusesten Vorschläge zu einer kompletten Neuorientierung wurden diskutiert, um nicht vom Strom neu aufkommender Trends hinweggespült zu werden. Aus England kamen Punk und New Wave, und in Deutschland regierte die Neue Deutsche Welle und geriet in einen wahren Kommerzrausch, bei dem wirklich jeder Schund vermarktet und jeder Dilletantismus glorifiziert wurde. Einige in der Band wurden dadurch offensichtlich stark verunsichert, und so nahmen die Vorschläge zur Veränderung des musikalischen Profils und zur imagemäßigen Anpassung an den Zeitgeist kein Ende und gipfelten z. B. darin, dass wir künftig nur noch deutsche Texte machen sollten und unsere Musik weniger komplex gestalten sollten. Nach einem Werk wie Planets und Time To Turn konnte ich es kaum fassen, welche Gesinnung sich in der Band breit machte."
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So begannen die Vorbereitungen für das neue Album Performance mit einer mehr oder weniger gespaltenen Band Eloy. Auf der einen Seite Frank Bornemann, der gerne die bisherige Tradition der Band fortführen wollte und auf der anderen Seite die anderen Gruppenmitglieder. Nach der anstrengenden Arbeit an dem großen Konzeptwerk waren jedoch die Batterien bei Frank Bornemann ziemlich leer, und er fand nicht immer die Kraft, gegen den breiten Strom in der Band an zu schwimmen. Hinzu kam noch, dass Eloy zu dem Zeitpunkt einen Manager hatte, Yogi Dramm, dem Frank Bornemann, ähnlich wie seinerzeit Jay Partridge, ein Dorn im Auge war. Auch er hätte am liebsten stilistisch und personell die ganze Band umgekrempelt. So machte sich eine Stimmung in der Band breit, die von Oberflächlichkeit und wenig Kreativität geprägt war. Frank Bornemann hatte nicht einmal mehr Lust dazu, die Texte für das neue Album zu schreiben und überließ den größten Teil dieser Arbeit Sigi Hausen, seinem Partner von Planets / Time To Turn. Auch kompositorisch hielt sich Frank diesmal sehr zurück und ließ den Rest der Band gewähren. Er beschreibt die Situation so:
"Ich hatte definitiv keinen Bezug mehr zu dem, was da ablief und schwamm zum ersten Mal in der Geschichte der Band einfach so mit, ohne mich wirklich motiviert und mit Begeisterung einzubringen. Die ganze Arbeit an dem Album empfand ich als ziemlich inspirationslose und blutarme Angelegenheit, und als das Cover auch noch so aussah, als wären wir eine von diesen neuen Wave-Kapellen, da herrschte bei mir komplettes Entsetzen. Die Performance-Livekonzerte ließen meine Zweifel an dem richtigen Weg von Eloy weiter wachsen, und ich verlor zunehmend die Lust, mit den anderen auf die Bühne zu gehen. In wilder Panik wurden die Haare kurz geschnitten und schrille, bunte Klamotten angezogen. Ich jedenfalls vermochte keinen Zusammenhang mehr zu erkennen zwischen dem äußeren Erscheinungsbild, der Art, wie sich die Band präsentierte, und unserer Musik. Allerdings hatte ich den Eindruck, dass meine Bandkollegen sich im neuen Image gefielen, und es muss für sie wohl ein richtiger Triumph gewesen sein, als ich mein mittelalterlich bzw. fantasiegeprägtes Outfit und die typische Eloy-Mütze ablegte, und stattdessen in farbigen T-Shirts und Jeans auf die Bühne ging. Manager Yogis Vorschlag, doch eine moderne Bundfaltenhose anzuziehen, die Haare kurz zu schneiden und ein buntes Hawaii-Hemd überzustreifen, habe ich allerdings nicht entsprochen. Obwohl wir faktisch gut spielten, war für mich die Magie dahin, und auch das Album Performance wurde der erste wirkliche Flop von Eloy. Zum ersten Mal war ich wenig stolz darauf, mit einer entsprechenden Prognose schon vor der Veröffentlichung der Platte richtig gelegen zu haben. Der Spirit der Band war weg, die Identität hatte tiefe Risse, und als Quittung verkaufte Performance nicht einmal die Hälfte von dem, was wir selbst in der Blüte der NDW-Zeit noch mit Time To Turn erreicht hatten." Zwar sind auf dem Performance Album einige sehr schöne Stücke vorhanden, aber auch die anderen Bandmitglieder sahen nach dem Albumrelease und der nur mäßig besuchten Deutschland-Tour ein, dass sie mit Performance wohl doch einen großen Fehler gemacht hatten. Und so raufte man sich ein letztes Mal zu einer gewaltigen Kraftanstrengung zusammen. Das nächste Album sollte wieder richtig gut werden und dem Spirit von Eloy entsprechen. Insbesondere Hannes Folberth und Hannes Arkona brachten sehr gute Ideen ein, die der Platte ein besonderes Flair gaben. Die Vorbereitungen für das Album waren zwar sehr stressig, aber dennoch kam eine fruchtbare Arbeit zustande. Gerade, weil Performance ein ziemlicher Flop war, hatte Frank Bornemann als Produzent der neuen Platte großen Ehrgeiz, diese besonders gut werden zu lassen. Von seinen Musikern wurde er oft despotisch empfunden, gerade weil die neue Produktion wieder kompromisslos Eloy sein sollte. Und auch die menschliche Seite in der Band sollte sich nie wieder ganz von den Performance Differenzen erholen... Mit Harald Lepschies, der sehr viel für Herbert Grönemeyer gearbeitet hatte, fand die Band einen hervorragenden Toningenieur, der sich sehr gut in die Musik von Eloy einfühlen konnte. So entstanden nach und nach ganz einzigartige Atmosphären auf dem Album. Leider konnte Harald Lepschies aus terminlichen Gründen nicht bis zum Ende der Produktion dabeisein, und so wurde es zum Schluss noch einmal richtig stressig. Diverse Nachfolger von Harald konnten nur schwerlich die hohen Ansprüche an den Mix erfüllen, die Frank Bornemann stellte. Hannes Folberth beschreibt die Situation so:
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"Metromania war ein sehr zeitaufwendiges Projekt und wurde in Grund und Boden produziert. In der Endphase fuhr ich mal für drei Tage weg. Als ich wieder kam, saßen sie alle mit heißen Köpfen da und fragten mich, wie das Ding klingen würde. - Es klang schrecklich! Eine kleine Pause hätte ihnen auch gut getan und hätte sie Abstand gewinnen lassen. Vielmehr setzten sie sich unter Stress, das neue Album so bald als möglich zu veröffentlichen. Frank stand damals Todesängste aus und änderte in letzter Sekunde hier noch was und dort noch was... Allerdings lohnte sich die ganze Mühe. Meiner Meinung nach ist Metromania die beste Produktion, die wir in dieser Besetzung gemacht haben. Zu dem Zeitpunkt waren die alte Tradition von Eloy und die Elemente der neuen Formation zusammengeschmolzen und gereift. Wenn man genau hinhört und Metromania mit den anderen Alben vergleicht, spürt man das auch."
Kurz vor dem Ende der Metromania-Produktion bekam die Band das Angebot, die Filmmusik für den Film Geheimcode Wildgänse zu schreiben. Frank Bornemann zog es vor, die Produktion von Metromania zu vollenden, während der Rest der Band sich auf das Filmmusik-Projekt stürzte. Frank Bornemann: "Mit meinem Ausschluss von der Teilnahme an dem Komponieren der Filmmusik vollzog sich eigentlich schon eine Art Trennung, die ich aber zunächst als Ventil für die anderen begriff, damit sie Dampf ablassen konnten und hoffentlich so viel Eigenbestätigung bekommen würden, um später wieder entspannter zusammenarbeiten zu können, um unseren neuen Weg weiterzugehen." Die restlichen Musiker schufen in nur zwei Wochen die Musik zu dem Film Geheimcode Wildgänse, der in sehr hochkarätiger Besetzung (Lewis Collins, Ernest Borgnine, Lee van Cleef und Klaus Kinski) weltweit in allen Kinos lief und in den Kinocharts sehr bald Platz 1 erreichte. Der Film wurde auch ein paar mal im Fernsehen gezeigt. Das Material für die Musik war zum Teil solches, das bei Eloy als Ausschuss gewertet worden war. Es entstand größtenteils Instrumentalmusik, die sehr gut auf die einzelnen Szenen des Films abgestimmt war. Einige wenige Gesangsstücke wurden mit dem Sänger John Simon erarbeitet. Das Album erschien parallel zum Filmstart bei Milan-Records. Klaus-Peter Matziol: "Wir sind nach Berlin gefahren und haben uns den Film im Schnittstudio angeschaut. Zusammen mit einem Kameramann wurden Schnittpunkte festgelegt, wo Musik integriert werden sollte. Diese Stellen wurden von uns bezeichnet mit M1 bis beispielsweise M99. Und nach diesem Schema sind wir vorgegangen. Es wurden natürlich auch Schwerpunktthemen gebildet, die immer wieder auftauchten, wenn auch in unterschiedlichen Variationen. Auch Spannungsthemen wurden komponiert, zum Beispiel bei einer Filmszene, die eine Verfolgungsjagd durch einen Tunnel zeigt. Bei einer anderen Szene, die in Hong Kong spielt, hört man in der Musik chinesische Einflüsse. Es war eine sehr interessante Arbeit und gleichzeitig eine völlig neue Erfahrung für uns. Fälschlicherweise wurde dann der Name Eloy dick auf das Plattencover gedruckt. Das war nicht ganz richtig, denn Frank war ja nicht dabei. Es hatte auch mit Eloy überhaupt nichts zu tun, sondern war lediglich Filmmusik von Eloy-Musikern." Als die Arbeiten an Metromania abgeschlossen waren, zeigte sich Frank Bornemann sehr zufrieden. Die Texte stammten diesmal wieder aus seiner eigenen Feder. Diesmal gab es auch wieder ein Eloy-würdiges Cover, welches Rodney Matthews geschaffen hatte. Ursprünglich war dieses wunderschöne Bild für ein Solo-Album von Frank geplant gewesen. Aber die Grafik passte so außerordentlich gut zu der Metromania-Thematik, dass Frank es den anderen Bandmitgliedern als Cover für das neue Eloy-Album vorschlug. Das Bild stieß bei Allen auf große Begeisterung, und somit war klar, welches Cover das neue Eloy-Album haben würde. Metromania war wieder ein Konzeptalbum, welches sich jedoch etwas von den bisherigen Konzeptalben der Band unterschied. Frank Bornemann: "Bei Metromania geht es nicht direkt um eine ablaufende Handlung, mit der eine Geschichte erzählt wird, wie bei Planets und Time To Turn. Vielleicht ist deshalb Themenalbum für solcherlei Konzepte das bessere Wort, denn es dreht sich dabei eher um Impressionen zu ganz bestimmten Situationen oder Begebenheiten. Bei Metromania ist das Thema eine Zukunftswelt, in der schon heute erkennbare Tendenzen zu Computerabhängigkeit eskalieren und das Gesellschaftsbild völlig verändern. Im Mittelpunkt steht ein Protagonist, der in einer von Computern, Robotern und Maschinen beherrschten und unterdrückten Welt lebt und dieser zu entkommen versucht, indem er auf einem Dach sitzt und musizierend Verse macht. Trotz dieser kalten und gesellschaftlich degenerierten Umgebung erkennt er seine Zugehörigkeit zur Natur als Teil eines Ganzen und reflektiert seine Gefühle und Gedanken in ein persönliches Refugium aus Wort und Musik. Das Bild von Rodney Matthews drückt diese Stimmung so perfekt aus, dass man den Inhalt des Albums eigentlich schon kennt, wenn man nur die Plattenhülle in den Händen hält!" Während des finalen Mixens bekam Eloy ein sehr in-teressantes Angebot aus England. Die Gruppe erhielt die Chance, in einem der berühmtesten Clubs der Welt, nämlich dem legendären Marquee-Club in London, zu spielen. Die Band nahm dieses Angebot natürlich gerne an. Nur wenig später kam die Nachricht aus England, dass das Konzert restlos ausverkauft sei mit der Anfrage, ob am nächsten Abend ein zweites Konzert gespielt werden könne. Die BBC in London wollte die Konzerte mitschneiden und im Radio senden. Die Musiker von Eloy fielen angesichts dieser groß-artigen Perspektiven aus allen Wolken, war doch so etwas für eine deutsche Band in England absolut nicht selbst-verständlich. Deutsche Bands wurden dort eher verrissen und als Krauts bezeichnet. Kurze Zeit später kam eine weitere Anfrage aus England. Frank Bornemann: "Wir erhielten die Mitteilung, dass mittlerweile auch das zweite Konzert im Marquee Club bereits ausverkauft war und ob es möglich sei, dass Eloy ein drittes Konzert spielt. Wir trauten unseren Ohren kaum und waren völlig frustriert, dass wir aufgrund verbindlicher Konzertverträge im Anschluss an die England-Gigs leider nicht annehmen konnten. Wir hätten eher erwartet, in London bestenfalls 200 Zuschauer anzulocken, statt dessen schlug uns am ersten Abend im Marquee eine Begeisterungswoge entgegen, die uns zu wahrhaftigen Höchstleistungen auflaufen ließ. Es sollte eines der besten Konzerte werden, die diese Eloy-Formation je gespielt hat und das vor den Augen und Ohren der versammelten Musikpresse und der englischen Majorfirma EMI. Für mich war das die Eintrittskarte in eine Zukunft, in der nun alles möglich schien. Die beiden Musiker-Kollegen Fish und Steve von Marillion waren ebenfalls zugegen und begrüßten uns nach dem Konzert in der Garderobe. Fish bot uns, völlig begeistert von dem Konzert, eine gemeinsame Tour in England an. Klar, dass wir über diesen Vorschlag sehr erfreut waren, denn Marillion füllte in England schon beträchtliche Hallen und war auf dem Weg nach ganz oben. Leider sollte es zu dieser Zusammenarbeit nicht mehr kommen. Die Euphorie von England hielt nicht lange vor, und von Aufbruchstimmung und neuem Schwung war schon nach wenigen Tagen nichts mehr zu spüren. Über gemeinsame Perspektiven sprach niemand mehr und mir wurde zunehmend klar, dass unsere Gemeinsamkeiten aufgebraucht waren." Zum dritten Mal in der Geschichte von Eloy bahnte sich ein Splitt an, bei dem Frank Bornemann auf der einen und der Rest der Band auf der anderen Seite stand. Manager Yogi Dramm gab dem Ganzen den Rest, in dem auch er separierend auf die Band Einfluss nahm. Es gab Konzerte in Auftrittsorten wie zum Beispiel Bierzelten, die dem Status der Band in keiner Weise mehr entsprachen. Es gab auch keine Besonderheiten bei der Lightshow mehr, und dies alles aus Kostengründen. Nach einem allerletzten Konzert in Brakel, welches katastrophal verlief, beschloss Frank Bornemann, die Band aufzulösen. Alles was Eloy ausmachte, der Spirit, die Magie, das Charisma und die Spielfreude waren komplett verschwunden, und so trennte sich die Band einvernehmlich. Lange Zeit war es still geworden um Eloy. Nach der Auflösung der Band 1984 rechnete eigentlich niemand mehr damit, dass es jemals noch einmal ein Lebenszeichen von der Gruppe geben würde. Eloy war tot! So schien es jedenfalls. Jedoch, Totgeglaubte leben länger als mancher denkt. Frank Bornemann machte eine musikalische Pause von mehr als einem Jahr und nutzte die Zeit, um sein Studio weiter nach vorne zu bringen. Nachdem auch sein langjähriger Weggefährte Klaus-Peter Matziol aus der Band und dem Studio ausgestiegen war, musste Frank Vieles neu organisieren. 1985 fuhr er nach Berlin ins Casablanca-Studio. Dort nahm eine Band mit dem Namen German Steel ein Album auf, welches später in Hannover im Horus-Sound-Studio abgemischt werden sollte. Der Keyboarder, der bei der Produktion als Studiomusiker fungierte, war Michael Gerlach. Er sagt über seine erste Begegnung mit Frank:
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"Ich musizierte ein bisschen vor mich hin, da kam Frank zu mir und sagte: "Mensch, das ist ja toll, was du da spielst. Lass uns mal was zusammen machen." Ich besuchte ihn daraufhin mal in seinem Studio in Hannover. Später kam er dann zu mir nach Berlin, und so entstanden die ersten Stücke für Ra. 1986 begannen wir mit den Aufnahmen, aber es sollte sich noch über zwei Jahre hinziehen, bis das Album dann endlich auf den Markt kam."
Frank Bornemann zu der Entstehung von Ra:
"Nach einjähriger Pause griff ich erstmals wieder zur Gitarre und sammelte musikalische Ideen. Um diese adäquat umsetzen zu können, hielt ich nach einem geeigneten Keyboarder Ausschau. Ich stieß in Hannover auf Achim Gieseler, der als Session- und Studiomusiker einen aus-gezeichneten Ruf hatte und auch schon mit Eberhard Schöner zusammengearbeitet hatte.
"Gesanglich konnte ich nun endlich auch im mehrstimmigen Bereich agieren, was meine Mitmusiker früher nicht gewollt hatten. Zwar musste ich bei den Studioaufnahmen stets mit mir selbst singen, doch konnte ich dabei die Stimmenarrangements frei gestalten und mich ohne kreative Hemmschwellen meinen Visionen widmen. Obwohl teilweise mit Drumcomputern und synthetischem Bass realisiert, wurde Ra aus meiner Sicht eines der geschlossensten und harmonischsten Werke in der gesamten Eloy-Diskografie. Die Platte wurde auf Grund der großen Harmonie während der gesamten Produktionszeit und der ungezwungenen kreativen Atmosphäre ein sehr facettenreiches Werk, das uns auf Anhieb in die Charts zurückbrachte." Inhaltlich war Ra wieder ein Konzeptalbum. Frank Bornemann setzte sich kritisch mit dem Thema Gen-Manipulation und dem Wunsch des Menschen nach Unsterblichkeit auseinander. Dabei ging es ihm auch darum, darzustellen, dass der geklonte und von der Wissenschaft erschaffene Mensch sich vermutlich in einer Welt wiederfinden wird, in der es Begriffe wie Familie und Tradition nicht mehr geben wird. Ebenso beschäftigt sich Ra auch mit dem Verhältnis der Technik zur Natur und beschreibt die Unverträglichkeiten, mit der die moderne Gesellschaft dieses Verhältnis steuert und gestaltet. Das Cover von Ra wurde von einem sehr talentierten jungen Künstler, Michael Narten, aus Hannover gestaltet, das die Thematik des Albums exakt wiedergibt. Die Platte erschien bei SPV und verkaufte sich für eine Band, die Jahre lang totgeglaubt war, sensationelle 60000 mal. Jetzt wären eigentlich Live-Aktivitäten gefragt gewesen, aber da es ein funktionales Line up nicht gab, fand demzufolge auch keine Tour statt. Nur einmal stellte Frank eine Liveband zusammen. Es ging um ein Festival in Ahlen, das ein privater Fernsehsender komplett mitschnitt und welches irgendwann zu nachtschlafener Zeit gesendet wurde. Es waren Musiker mit von der Partie, die auf dem Album mitgewirkt hatten, und auch Fritz Randow machte für diese eine Session wieder mit. Aufgrund des guten Erfolges von Ra erhielt die Band auch eine Einladung für die Nachrichtensendung Hallo Niedersachsen, wo die aktuelle Single des Albums Rainbow präsentiert wurde.
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Es sollten vier weitere Jahre vergehen, bis ein neues Eloy-Album erschien. Sowohl Michael Gerlach als auch Frank Bornemann waren von dem Erfolg von Ra derartig überrascht, dass sie nicht angemessen und direkt darauf reagieren konnten. Da Beide auch Betreiber eines eigenen Studios waren, lag es in erster Linie auch an damit verbundenen Verpflichtungen, dass ein schnelleres Erscheinen von Destination nicht möglich war. Im Horus-Sound-Studio war das Zeitalter des Heavy Metal angebrochen. Viele Bands, die in dem Hannoveraner Studio aufgenommen hatten, brachten sehr gute und erfolgreiche Alben heraus. Frank Bornemann musste sich zwangsläufig sehr intensiv mit dieser Musikrichtung auseinandersetzen, und so schlugen sich diese Einflüsse auch auf dem neuen Eloy-Album nieder. Es wurde stellenweise sehr rockig, ja sogar metalbeeinflusst. Frank Bornemann zu dem neuen Album:
"Auch Destination war gewissermaßen wieder ein Themen-Album, welches sich allerdings in unserem Sinne des Verständnisses für dieses Wort darstellte. Der Begriff Bestimmung ist hier wirklich im Sinne von "Vorsehung" und "Schicksal" zu verstehen. Jeder Schritt, den wir Menschen tun, ist von unserem persönlichen Schicksal abhängig, dem wir nicht entrinnen können. Das war die Kernaussage des Albums. Die Keyboards traten bei dieser Produktion etwas in den Hintergrund, was an den vielen gitarrenlastigen Arrangements und den sehr rockigen Einflüssen lag. Bei den Stimmen habe ich mich überwiegend im Satzgesang mit mir selbst präsentiert, was mir im Rückblick etwas übertrieben erscheint und was mir viel Personality und Charakter weggenommen hat." Klaus-Peter Matziol kehrte für diese CD erstmals als Gast-Musiker zurück und spielte Bass bei zwei Titeln des Albums. Es gab noch einen dritten Song bei dem Matze mitmachte, doch dieser erschien nicht auf Destination, sondern wurde als Bonus-Track für das erste Chronicles Album verwendet. Der Rest der Stücke wurde mit weiteren Studio-Musikern umgesetzt. Es gab auch noch andere interessante Elemente bei dieser Produktion, wie zum Beispiel ein Kinderchor bei Silent Revolution. Frank Bornemann wechselte sich beim Singen mit den Kindern ab, was ein Frage-Antwort-Thema ergab, welches sehr gelungen umgesetzt wurde. Auch war erstmals ein klassischer Chor auf diesem Album vertreten. Frank hatte seine Leidenschaft für Jeanne d'Arc entdeckt und widmete dieser bedeutenden Frauengestalt aus Frankreich erstmalig einen Titel. Destination wurde nicht so erfolgreich wie Ra, allerdings brachte das Album der Band ein äußerst positives Medienecho. Das sehr ansprechende Cover-Bild stellt die zwölf Tierkreiszeichen dar, was thematisch perfekt zu dem inhaltlichen Konzept passte und von dem Maler Albert Belasco umgesetzt wurde. 1994 war ein ganz besonderes Jahr für Eloy. Die Band konnte auf ihr 25-jähriges Bestehen zurückblicken. Klaus-Peter Matziol kehrte als festes Bandmitglied zu Eloy zurück, und gemeinsam mit Frank Bornemann und Michael Gerlach begannen die Planungen für die nächsten Aktivitäten. Die drei Musiker wollten ein neues Album realisieren welches im Herbst auf den Markt kommen sollte. Vorher galt es aber noch eine ganz besondere Herausforderung zu bestehen.: Chronicles! Frank Bornemann hatte sich vorgenommen, zwei Alben auf den Markt zu bringen, die eine Retrospektive der besten und erfolgreichsten Eloy-Titel enthalten sollten. Frank Bornemann: "Wir beschlossen, frühere Stücke und Repertoire-Highlights noch einmal in Originalbesetzung zu produzieren, oder, sofern die Aufnahmen technisch gut genug waren, auch durch Remixe im aktuellen Sound-Gewand zu präsentieren. Hierzu wurden frühere Band-Mitglieder eingeladen, und es entstand eine größere Session, deren Resultat wir dann auf den beiden Chronicles-Alben veröffentlicht haben. Chronicles wurden zwar ohne spektakulären Marketingaufwand veröffentlicht, doch hatten sie insbesondere bei den Fans ein sehr positives Echo und verkauften sich erstaunlich gut." Die Stücke auf Chronicles klingen tatsächlich teilweise kraftvoller und dynamischer als im Original. Beide CDs wurden in schöner Aufmachung bei SPV veröffentlicht. Schade ist nur, dass die Auswahl der Stücke erst 1977 mit Ocean anfängt. Stücke von Dawn oder Power And The Passion wären bei einer Retrospektive eigentlich unerlässlich gewesen. Damit verbunden wäre es natürlich noch interessanter gewesen, die jeweiligen Besetzungen bei den Aufnahmen einzubeziehen. Vielleicht ist das der Grund, warum EMI -Electrola fast zeitgleich mit der SPV anfingen, Best of Eloy-CDs auf den Markt zu bringen. Die Erste deckt die Zeit von 1972 bis1975 ab und heißt The Early Years. Die Zweite dann umfasst die Zeitspanne der zweiten großen Besetzung von 1976-1979 und heißt The Prime. Beide CDs sind mit einem schönen Cover aufgemacht, das war's dann leider aber schon. Kein Booklet, keine Informationen, nichts. Erwartungsgemäß hätte es dann auch noch eine dritte CD mit den Werken von 1980 bis 1984 geben müssen, aber diese ist bis heute noch nicht erschienen. Statt dessen kamen weitere Best-Of-Eloy-CDs in Griechenland und USA auf den Markt. Gottlob hat die EMI Electrola sich aber heute dazu entschlossen, alle Eloy-CDs remastert und mit aufwendig gestalteten Booklets wieder zu veröffentlichen!
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Doch zurück ins Jahr 1994. Frank Bornemann fuhr oft zu Michael Gerlach nach Berlin, und so entstand nach und nach die Musik für das neue Eloy-Album The Tides Return Forever. Man kann sicherlich sagen, dass dieses Album einen ganz besonderen Platz in der Eloy-Diskografie verdient hat. Die Musiker besannen sich ihrer besten Zeiten, und so wurden auch wieder verstärkt Instrumente und Sounds verwendet, die aus den guten, alten 70ern stammen. Frank Bornemann:
"Es wurden ausschließlich analoge Keyboards eingesetzt, und auch die alte Hammondorgel wurde wieder in den Sound integriert. Das Album sollte ganz bewusst an markante Stilelemente früherer Werke erinnern, und so entstand eine Synthese aus modernen, aber komplexen Arrangements und sehr traditionellen Eloy-Motiven und Atmosphären. Das Finale bei The Tides Return Forever bildet ein weiterer Song zum Thema Jeanne d' Arc, nämlich Company Of Angels, für welchen ich erneut einen klassischen Chor in das Klangbild einarbeitete. Im Gegensatz zu Destination wurden diesmal die Chorstimmen aber nicht in einem Take und in einem Raum aufgenommen, sondern die einzelnen Stimmen wurden paarweise auf separate Multitrackspuren aufgenommen, um so später mehr Druck zu erzeugen. Insgesamt kamen wir dabei auf 120 Stimmen pro Passage, welche alle in diesem Verfahren produziert wurden und bekamen daher Textverständlichkeit, die wir ansonsten im diffusen Klangbild mit herkömmlichen Aufnahmeverfahren nicht hätten erreichen können." Musikalisch hat dieses Album sehr viel zu bieten. Das Titelstück The Tides Return Forever ist schon jetzt ein Klassiker unter den Highlights aller besonderen Eloy-Titel. Ein weiterer Höhepunkt ist sicherlich auch der zweite Jeanne d'Arc Titel, Company Of Angels. Und Matzes unverwechselbares Bassspiel zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Werk und ist das Tüpfelchen auf dem I. Das Album kam im Spätherbst 1994 auf den Markt, genau zu dem Zeitpunkt, als es in sieben deutschen Großstädten etwas zu erleben gab, das es in den letzten zehn Jahren nicht mehr gegeben hatte: Eloy auf Tour! Das Trio Frank Bornemann, Klaus-Peter Matziol und Michael Gerlach hatte sich um Bodo Schopf (dr), Steve Mann (gt, kb) und die beiden Sängerinnen Tina Lux und Susanne Schätzle für die Anniversary-Tour verstärkt. Diese Konzerte wurden für das Publikum zu einem Happening für Augen und Ohren. Eloy war mit einer sehr guten Licht- und Tonanlage unterwegs, die eine wirklich eindrucksvolle Show ermöglichte. Die Konzerte waren sehr gut besucht, und die Band wurde von ihren Fans nach der doch sehr langen Bühnenabstinenz euphorisch begrüßt und gefeiert. Es war ein wahrer Triumphzug, mit dem niemand richtig gerechnet hatte. Die neue CD fand am Merchandisingstand so regen Absatz, dass sie jeden Abend ausverkauft war und nachgeordert werden musste. Keiner der Konzertbesucher verließ vor dem Ende eines Konzertes den Saal. Den Musikern wurde allmählich klar, wie sehr ihre Fans nach einer persönlichen Begegnung gedürstet hatten. Aufgrund des riesigen Erfolges gab es im Frühjahr 1995 nochmals fünf Konzerte, die genauso erfolgreich verliefen. Dabei gab es auch einige schicksalhafte Begegnungen zwischen verschiedenen Eloy-Fans, aus denen sehr tiefe Freundschaften erwuchsen. Es wurde auch zeitgleich der Eloy-Fanclub gegründet. Und als Sahnehäubchen wurde Eloy in der Bochumer Zeche für das Album Ocean die Goldene Schallplatte für weit mehr als 250000 verkaufte Einheiten verliehen! Eigentlich hatte Frank Bornemann nach der Anniversary-Tour vorgehabt, die Band aufzulösen, da es ein würdiger Abschluss gewesen wäre. Doch der immense Erfolg und die so durchweg positive Response aus dem Fankreis ließen ihn zweifeln, ob diese Entscheidung wohl richtig wäre...
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So raffte er sich noch einmal auf und wollte diesmal eine noch größere Herausforderung annehmen, die sehr viel Zeit kosten würde. Ocean 2 - The Answer. Frank Bornemann zu der Entstehung der Idee:
Ich fragte mich, was wir den vielen, oft langjährigen Eloy-Fans nach so vielen Alben eigentlich noch bieten könnten. Die Antwort gab mir schließlich die "Goldene Ocean", die bei mir im Büro hängt. Wie oft war ich schon gefragt worden, ob nicht Eloy wieder einmal ein so opulentes und spektakuläres Konzeptwerk machen könnte. Auch der immense Verkaufserfolg würde sicherlich im Falle eines Nachfolgers große Plattenfirmen interessieren, was eine notwendige Voraussetzung zur Realisierung eines solchen Projektes sein würde. Ocean war bis zu diesem Zeitpunkt das erfolgreichste in Deutschland produzierte Progressiv-Rock-Album aller Zeiten und genießt Kultstatus. Solch einem Thema nähert man sich nicht leichtfertig, denn die Messlatte hängt enorm hoch, und inhaltlich war das Album ohnehin völlig outstanding. Es war mir klar, dass zum Einen die Kernaussage von Ocean thematisch wieder aufgegriffen und Inhalte geschaffen werden mussten, die von vergleichbarer Tiefe und Zeitgeistreflektionen getragen sein sollten. Zum Anderen hieß das aber auch, konsequent den musikalischen Geist der 70er Jahre wiederzuerwecken, jedoch diesen mit den produktions-technischen Möglichkeiten von heute umzusetzen." Nach einer für Frank sehr inspirierenden Frankreichreich kehrte er mit einem riesigen Fundus an Ideen nach Hannover zurück. In gut einer Woche entstand daraufhin bei Michael Gerlach in Berlin das gesamte Rohmaterial für Ocean 2. Die anderen Musiker erhielten alsbald Songskizzen, um das musikalische Grundgerüst durch eigene Ideen zu ergänzen. Eloy war inzwischen wieder zum Quartett herangewachsen. Bodo Schopf, der Drummer der Anniversary-Tour, gehörte nun fest zur Band. Im Sommer 1997 gab es erste Aufnahmetermine im Horus-Sound-Studio, wobei zunächst Rhythmus-Fundamente, Drums und Bass an der Reihe waren, auf denen später alles Weitere aufgebaut werden sollte. Über ein Jahr verging bis letztendlich alle Aufnahmen im Kasten waren. Es wurde, wie schon 1977, mit der bewährten Analog-Aufnahmetechnik gearbeitet. Allerdings gab es auch Unterschiede zu damals: Klaus-Peter Matziol: "Die Musik hat sich weiterentwickelt und ebenso wir Musiker. Ocean 2 weist mit Sicherheit andere Qualitäten auf als Ocean. Es ist ein Album, das in vielerlei Hinsicht technisch versierter klingt, außerdem ist der Sound einfach besser geworden. Es ist ein Spiegelbild des Standes, auf dem wir uns zur Zeit befinden. Natürlich haben wir musikalisch einen Anknüpfungspunkt gesucht, und ebenso gibt es ja inhaltlich eine konkrete Verbindung zu Ocean." Frank Bornemann, der die Texte wiederum in Zusammenarbeit mit Diana Baden schuf, wollte bewusst eine Abgrenzung zu den Wortschöpfungen von Jürgen Rosenthal schaffen. Er sagt zu seiner textlichen Arbeit:
"Nach der ersten musikalischen Euphorie stand ich vor dem Problem, ein inhaltliches Konzept zu schaffen, welches zum Einen nahtlos an Ocean anschließt, und das zum Anderen aber auch die fortgeschrittene Zeit und das gegenwärtige Zeitgeschehen reflektiert. Ocean war damals hauptsächlich eine Auseinandersetzung mit dem Weg und dem Schicksal der gesamten Menschheit, aber auch geprägt von bizarren, esoterischen und visionären Bildern, welche durch antike Überlieferungen, apokalyptische Prophezeiungen, sowie religiösen, teilweise sogar okkulten Reflektionen geprägt war.
Im Dezember 1998 gab es eine Tour durch sechs deutsche Großstädte. Eloy ging mit einer wahrhaft gigantischen Technik auf die Reise. Außer Surround-Sound gab es lichtstarke Projektionen und sehr atmosphärische Lichteinsätze. Eloy-Fans aus der ganzen Welt waren angereist, um "ihre" Band endlich einmal auf der Bühne zu erleben. Alle Konzerte waren, wie auch schon bei der Anniversary-Tour, ein riesiger Triumphzug für die Musiker. Nun sind wir am Ende einer langen Reise durch die Eloy Geschichte angekommen... Ob es in absehbarer Zeit noch einmal ein Eloy-Album geben wird, ist noch ungewiss. Tatsache ist, dass die Band sich im Jahre 2000 von ihren Fans mit einem Abschlusskonzert zumindest live endgültig verabschieden wird. Des Weiteren wird die EMI Electrola nach und nach alle EMI- Alben der Band, remastert und teilweise neu gemischt oder mit Bonustracks versehen, wiederveröffentlichen. Geplant ist auch eine 3-CD-Box mit einem neuen Song, der demnächst aufgenommen werden soll. Alle Booklets werden neu und sehr aufwendig mit bisher unbekanntem Fotomaterial gestaltet. Zum Schluss ein dickes Dankeschön an alle Eloys für die überaus kooperative Zusammenarbeit, insbesondere Frank Bornemann, der nie müde wird, die Geschichte der Band meisterhaft zu erzählen, meinen beiden Mitstreitern im Fanclub Monika Grounds und Robin Stierkat für die jahrelange intensive Zusammenarbeit, Michael Narten für so viel Kreativität, Gerd Gliniorz von der EMI und natürlich Kurt Mitzkatis vom German Rock e. V. für die gute Kooperation! Die Fotos stammen größtenteils aus dem Eloy-Archiv. Weitere Aufnahmen: Bernd Kunze, Robin Stierkat, Rudolf Schenker. Eine kooperative Zusammenarbeit ist zwischen den Fanclubs und Vereinen heutzutage wohl unerlässlich, denn von den Medien ist nicht mehr viel zu erwarten. Es ist ein fataler Fehler, wenn wir nur stur unser eigenes Süppchen kochen... Ich habe jedenfalls den Eindruck, dass die Musik, die wir lieben, von der breiten Medienlandschaft nahezu vollständig ignoriert wird. Um so wichtiger, dass wir kleineren Gruppen uns austauschen und gegebenenfalls. zusammentun, um uns Gehör zu verschaffen. [Mit Beiträgen von: Klaus Unland, Stephan Schelle, Wolfgang Pokall, Bernd Kunze, Kurt Mitzkatis, Eckhard Gallus, Roland Weiler, Karsten Maaß, Carsten Agthe, Walter Habner] |
© 1998, 2003 german rock e.v.
- 1-Juni-2000 -
Für Idee, Inhalt und Umsetzung:

Vielen Dank, Web.de!
Wir hoffen, wir können der Auszeichnung auch in Zukunft Ehre erweisen!