BIRTH CONTROL

Biografie

2 (1998):

Die frühen 70er - die Zeit, in der sich in Deutschland eine eigene Rockszene entwickelte - in England und Amerika als KRAUTROCK bezeichnet. Wer diese Zeit miterlebt hat, der erinnert sich gern an die grandiosen Auftritte von BIRTHCONTROL. Die Band hat Musikgeschichte geschrieben und zählt mit fast 20 veröffentlichten Alben sowie über 250 Auftritten pro Jahr wohl zu den populärsten und erfolgreichsten deutschen Rockgruppen jener Zeit. In den Musikpolls von "Musik Express", "Sounds" und "Schallplatte" schaffte BIRTHCONTROL drei erste Plätze; das Kultalbum "Hoodoo Man" wurde über 100000 mal verkauft. Die Band durchlief mehrere musikalische und personelle Metamorphosen, ehe sie 1973 mit explosivem Hardrock ihre etwa zweijährige absolute Hoch-Zeit einläutete. Bernd Noske ("die Stimme von BC") und Bruno Frenzel waren die tragenden Mitglieder von BIRTHCONTROL. Nach Bruno's tragischem Tod 1983 löste sich die Band auf und ließ den Fans nur noch die Erinnerung an eine großartige Zeit.

Wohl niemand glaubte damals an ein Comeback. Zum einen kam Bernd Noske über den Tod seines Freundes Bruno nicht hinweg, zum anderen paßte die Musik von BIRTHCONTROL, die stets ihren eigenen musikalischen Vorlieben treu blieben und ihr Fähnchen nicht in den Wind hingen, nicht mehr in die Zeit der hereinbrechenden Neuen DeutschenWelle.
Es sollte jedoch nur eine Frage der Zeit sein. Wer "Nossi" live gesehen hat spürt, daß dieser Mann für seine Musik lebt. Seit nunmehr 5 Jahren ist er mit den neuformierten BIRTHCONTROL wieder on stage In dieser Zeit gab es auch nur eine Umbesetzung, was der Homogenität der Band sehr zugute kam.
Drei neue Alben sind erschienen, das vierte ist in Arbeit und wird vorraussichtlich im Herbst veröffentlicht. Ganz besonders live hat die Band nichts von ihrer Faszination und Ausstrahlung verloren. Wenn die Hallen, die BIRTHCONTROL füllt, auch kleiner sind als in der Krautrock-Ära, so ist es doch zunehmend junges Publikum, was begeistert mitgeht und jede Minute der Musik abfeiert. Es ist schon erstaunlich, mit welcher Power die Band ihre Gigs durchzieht, denn schließlich sind zwei der Leute schon über 30 Jahre im Geschäft...

Im Sommer 1968 entstand aus den Berliner Formationen EARLS und GENTS die Gruppe BIRTHCONTROL, deren Repertoire als Coverband sich hauptsächlich auf JULIE DRISCOLL Stücke beschränkte.
Zu den Gründungsmitgliedern gehörten neben BERND KOSCHMIDDER (Bass), REINHOLD SOBOTTA (Orgel), ROLF GURRA (Saxophon, Gesang), KLAUS ORSO (Gitarre), dem Münchner Gitarristen REINER BORCHERT auch EGON BALDER (Schlagzeug), der seit Ende der 80er beim Privatfernsehen (RTL) als Moderator und Produzent Karriere macht. Kurzzeitig spielte auch FRITZ "LITTLE LORD" GRÖGER mit. Im Herbst 1968 bekam die Band ein Angebot zu einem 3 monatigen Gastspiel in Beirut (Libanon). Kurz darauf wurden BERND KOSCHMIDDER und EGON BALDER in einen Autounfall verwickelt, bei dem KOSCHMIDDER ziemlich schwer verletzt wurde. BALDERs Eltern verboten diesem daraufhin die Mitarbeit in der Band und BIRTHCONTROL stand vor der Libanon Tour ohne Drummer da.So kam BERND NOSKE zu BIRTHCONTROL. Die Band hatte ihren "Trommler" und die Libanon-Tour war gerettet.

Nach der Tour ( FRITZ GRÖGER verließ die Band, REINER BORCHERT blieb kurzzeitig im Libanon, KLAUS ORSO begann sein Jurastudium) spielten BIRTHCONTROL, verstärkt durch den Gitarristen BRUNO FRENZEL, als Quintett weiter. Ohne ROLF GURRA, der Ende 1969 ausstieg, produzierte die Band ihr erstes Album "BIRTH CONTROL".* Passend zu ihrem provokativen Bandnamen, mit dem die Musiker Stellung zu der von Papst Paul verkündeten "Enzyclica humanae vitae" (u.a. strikte Ablehnung der Abtreibung des Ungeborenen) nehmen, war das erste Album in einer Pillendose verpackt. Um leben zu können (Noske), spielte BIRTHCONTROL anschließend als Begleitband auf MICHAEL HOLMs Deutschlandtournee. Als kreative Köpfe der Band kristallisierten sich schnell BRUNO FRENZEL und BERND NOSKE heraus, aus deren Feder die meisten Songs stammen. Als 1971 das zweite Album "OPERATION"* erschien, weigerten sich einige Geschäfte, es in ihr Sortiment aufzunehmen, da das Plattencover den Papst zusammen mit einem babyfressenden Monster zeigte. Die geänderte englische Version zeigte zwei riesige Kondome und führte zu einem Streik der britischen Packerinnen.

Dennoch gaben BIRTHCONTROL 1971 vier Konzerte in London und traten sogar bei der MIDEM Veranstaltung in Cannes und im britischen Fernsehen auf. "OPERATION" wurde vom MUSIK EXPRESS zur zweitbesten Platte des Jahres gewählt. Im Januar 1972 gab es erneut eine Umbesetzung. Für den Organisten SOBOTTA kam -nach einer kurzen Gastrolle des Mönchengladbachers HARTMUT SCHEULGENS-, der Siegener WOLFGANG NEUSER in die Band.

Ende 1972 nahm die Band in der Besetzung NOSKE - FRENZEL - KOSCHMIDDER - NEUSER ihr drittes Album "HOODOO MAN"* auf. Das Cover dieser LP mit der "Big fat mama" wurde das Markenzeichen von BIRTHCONTROL. Mit dem Song "GAMMA RAY" landeten sie ihren unbestrittenen Klassiker. Das Album wurde über 100000 mal verkauft. Der Anspruch der Band kam bei Fans und Medien gleichermaßen gut an. Die Presse überschlug sich vor Begeisterung und wählte sie als "explosivste deutsche Hard Rock Band" (Oberpfälzer Nachrichten) zur zweitbesten Formation Deutschlands (MUSIKMARKT). Dagegen bezeichnete die englische Presse BIRTHCONTROL als Kopisten ersten Ranges (MELODY MAKER).

Vor der ersten größeren Deutschland Tournee verließ BERND KOSCHMIDDER die Band. Seinen Platz nahm PETER FÖLLER ein. Nach einigen Festivalauftritten in Berlin und Frankfurt sowie einem Fernsehauftritt in der ARD Sendung "KLATSCHMOHN" verließ auch WOLFGANG NEUSER die Band. Neuer Organist wurde BERND HELD, bekannt als ZEUS B. HELD. Außerdem wurde DIRK STEFFENS als zweiter Gitarrist engagiert. Im gleichen Jahr bezogen die Musiker eine ehemalige Dampf-Molkerei in der Nähe von Frankfurt. Später siedelte BIRTHCONTROL in den Großraum Köln über, da sich von hier die vielen Konzertreisen am einfachsten bewerkstelligen ließen.

Im September 1973 tourte die Band noch einmal durch 23 große Städte und profilierte sich zu Deutschlands Live Gruppe Nummer 1 (Frankfurter Rundschau)! I m November 1973 nahm BIRTHCONTROL das vierte Album "REBIRTH" auf, das mit einem schlichten roten Cover erschien.
DIRK STEFFENS verließ die Band im Januar 1974, die zur Frühjahrstour wieder als Quartett auftrat. Aufnahmen der Auftritte in Attendorn, Dorsten und Freiburg, mitgeschnitten mit DIETER DIERKs Record-Mobil, wurden im Herbst 1974 als"LIVE"* Doppelalbum veröffentlicht. Die Leser des MUSIK EXPRESS wählten BIRTHCONTROL zur besten Live Band des Jahres. Nach einer 6 wöchigen Herbsttour trat die Band am 28.10. im Pariser Palais des Sports auf. Im Sommer 1975 gab es eine triumphale Tour durch Spanien. Es folgten Deutschland Tourneen im März und September 1975, bei denen BIRTHCONTROL ihren Ruf als deutsche Rockelite bestätigte.

Bei einem Konzert in der Schweiz kam es zu einem folgenschweren Unfall. BRUNO FRENZEL erlitt einen Stromschlag, der ihm fast das Leben gekostet hätte und an dessen Nachwirkungen er bis zu seinem Tod litt. Im Herbst stellte die Band ihr neues Album "PLASTIC PEOPLE" vor, auf dem sie den Weg zu anspruchsvolleren und komplizierteren Klangcollagen suchte.
Im November 1975 trat BC als Vorgruppe von BLUE ÖYSTER CULT in 4 englischen Städten auf. Auf der Herbsttour 1976 präsentierte BIRTHCONTROL das im Frühjahr entstandene Konzeptalbum "BACKDOOR POSSIBILITIES", das eine für die Band völlig neue Stilrichtung besaß. Viele Fans verstanden den verschachtelten Weg der Arrangements mit Jazz- und Klassikelementen nicht. Auch die Presse war der Meinung, daß die Band mit diesem Album weit hinter ihren Möglichkeiten zurückblieb und sich auf Imitation ihrer Vorbilder beschränkte (ROLLING STONE).

Noch während der Frühjahrstour 1977 wurde PETER FÖLLER durch den ehemaligen MESSAGE Bassisten HORST STACHELHAUS ersetzt, der die letzten 5 Konzerte der Tour bereits mit auf der Bühne stand. Auf dieser Tour wurde ein bis heute unveröffentlichtes Stück aufgezeichnet ("META VENTILATOR"). Es laufen zur Zeit Verhandlungen mit der Plattenindustrie, diesen Titel zusammen mit einem von Kurt Mitzkatis 1975 in Osnabrück aufgezeichneten Konzert, welches ich (Eckhard Gallus. Red.) am PC bearbeitet habe, zu produzieren.

Nach der Tour stieß MANFRED VON BOHR (drums), ebenfalls von MESSAGE, zur Band. In der Besetzung NOSKE - FRENZEL - HELD - STACHELHAUS -von BOHR erschien 1977 das Album "INCREASE" (VON BOHR drums, NOSKE drums und percussion), mit dem BIRTHCONTROL den im Jahr zuvor eingeschlagenenWeg fortsetzte.
Die 77er Herbsttournee war nur noch spärlich besucht. Am vorletzten Abend der Tour verunglückte der Wagen der Roadies in der Nähe von Lüneburg. Für die Musiker Anlaß, die eigene Situation zu überdenken und sich nach acht Jahren ununterbrochenen Reisens eine Konzertpause zu gönne.

1978 hatte BIRTHCONTROL nur einen einzigen Auftritt beim Brain Festival am 26.2. in Essen. BERND NOSKE nutzte diese Ruhephase, um an einem Soloprojekt zu arbeiten. Inspiriert durch die Spanien-Tour 1975 nahm er im Studio 9 Titel auf, die unverkennbar den Einfluß der spanischen Musik widerspiegeln. Dabei spielte NOSSI bis auf den Bass (Bruno Frenzel) sämtliche Instrumente (drums, percussion, keyboard, 6-und 12seitige Rhythmusgitarre) selbst! Dieses faszinierende Werk mit der unverwechselbaren Stimme von BC wurde nicht veröffentlicht, da die Plattenfirma sich von dieser Art Musik keinen kommerziellen Erfolg versprach.

Das im Sommer produzierte Album "TITANIC"* dokumentierte die Rückkehr zum klassischen Rock der frühen 70er. Nach dieser Platte stieg der Keyboarder ZEUS B. HELD aus, um eigene Wege zu gehen. Er wurde durch WOLFGANG "FOX" HORN ersetzt. Mit dieser Formation ging die Band nach einem Fernsehauftritt in der Sendung "Sparring" im Mai 1979 auf Deutschlandtournee. Das Konzert in der Weseler Niederrheinhalle (19.5.) kam im Herbst als LP "LIVE '79" auf den Markt. Wie schon bei dem 74er Live Album zeigte sich, daß die Band durch Spielfreude und Ausstrahlung erst auf der Bühne zu ihrer wahren Stärke fand. Der Oktober 1979 wird bei BIRTHCONTROL als neuer Anfang gesehen. Ein Plattenvertrag mit ARIOLA und ein neuer Musikverleger (bereits seit Juli '78 ZORRO-MUSIK, Köln) bilden dazu den Grundstein. Außerdem besannen sich die beiden "Masterminds" -NOSSI und BRUNO- auf die alten Werte der Band, sprich auf die stark rhythmischen Komponenten ihres "Losgeh-Rock". Auf "COUNT ON DRACULA", im Februar 1980 veröffentlicht, fand man erste Ansätze dieser Einsicht. Es fetzte wieder! Im März 1980 ging BIRTHCONTROL nach fast einjähriger Konzertpause wieder auf Tournee. Die Resonanz beim Publikum war hervorragend; viele ausverkaufte Säle, überall Zugaben - BIRTHCONTROL war live wieder gefragt. Ende April 1980 wurde MANNI VON BOHR mit einer akutenBlinddarmentzündung ins Krankenhaus eingeliefert. Die anstehende Mai-Tournee drohte zu platzen. So entschloß sich BERND NOSKE, der Mitte der '70er Jahre als bester deutscher Schlagzeuger galt, wieder hinter der "Schießbude" Platz zu nehmen. Der große Erfolg gab ihm Recht, denn von nun an war NOSSI's Schlagzeugsolo wieder der absolute Hammer bei jedem Live-Konzert und die Attraktion, auf die das Publikum wartete und über die es sprach.

Es folgten Fernsehauftritte und Aufzeichnungen für's Belgische Fernsehen. Im September gab es auch am Bass eine Neubesetzung. Für HORST STACHELHAUS kam JÜRGEN GOLDSCHMIDT. Mit ihm entstand das Album "DEAL DONE AT NIGHT". Auch damit blieb die Band ihrem einst so erfolggeichen Hardrockkonzept treu.
Es folgten weitere Umbesetzungen. Für den im Herbst abgewanderten WOLFGANG HORN kam ULRICH KLEIN als neuer Keyboarder, nachdem auch HARALD MEURER eine kurze Gastrolle gegeben hatte. 1981 stieß mit STEFAN LINKE ein zweiter Gitarrist zur Band. Als in dieser Besetzung im Frühsommer 1982 das Album "BÄNG"* eingespielt wurde, ahnte wohl keiner der Beteiligten, daß es vorläufig das letzte Werk der legendären Band sein würde. Die Platte entstand im Studio von DIETER DIERKS und die Band hatte nach Jahren mittlerweile ihr Faible für transparente Rockmusik wiederentdeckt. Das traditionell ausgerichtete Rockwerk wurde in einer Zeit, in der Techno Pop und Neue Deutsche Welle den Ton angaben, leider nicht mehr zur Kenntnis genommen. BIRTHCONTROL wechselte noch einmal aus. Für ULRICH KLEIN wurde JÖRG BECKER engagiert.

Am 18.9.1983 stand der bereits todkranke BRUNO FRENZEL zum letzten Mal auf der Bühne. Er starb 3 Tage später an den Folgen des Stromschlages, den er 1975 in der Schweiz erlitten hatte. Mit ihm starb auch BIRTHCONTROL. Obwohl BERND NOSKE zunächst an einen Fortbestand der Band glaubte (dies sei ganz im Sinne von BRUNO), löste er die Band im folgenden Frühjahr auf. Die Trauer über den Verlust seines Freundes war stärker und er entschloß sich zu einer fast 10jährigen Pause. Auf dem "BÄNG"*-Album ist BRUNO in 2 Titeln als Sänger zu hören. NOSSI spielte zwischenzeitlich in der Oldie-Band "LILLY & THE ROCKETS" sowie mit HORST STACHELHAUS als MR. GOODTRIP.

CBS veröffentlichte 1989 eine Maxi-CD unter dem Titel "GAMMA RAY-Special Remix", auf der neben dem Originaltitel auch eine Techno-Version des Klassikers enthalten ist. Diese CD erschien als Mini-Disc im Outfit der HOODOO MAN - LP.
Von BERND NOSKE & BIRTHCONTROL erschien 1990 eine Maxi - CD unter dem Titel "GAMMA RAY '90"*. Die 2 Pop- Versionen (extended und single) von Gamma Ray sind nicht erwähnenswert. Wohl aber die beiden anderen Titel! "Alamo" wurde von NOSSI in den späten 70ern geschrieben und kam als typischer Discotitel in den Müll statt auf eine LP von BIRTHCONTROL. Schade,denn der Titel geht gut ab und wäre auf Fetenhits - Samplern sicher ein Renner (auf "Fetenhits 3" ist übrigens "GAMMA RAY" enthalten). "Music In The Night" ist aus NOSSI's unveröffentlichtem Solo - Album von 1978.

Dieses "vergessene" Album von NOSSI ist einfach zu schade, um in der Schublade zu bleiben. Je öfter ich diese Scheibe höre, desto faszinierter bin ich von den gefühlvollen Klängen. Wäre da nicht diese unverkennbare Stimme, wohl niemand käme darauf, daß hier der Frontman von BIRTHCONTROL am Werk ist. Wir von GERMAN ROCK werden uns auch hier bemühen, mit der Musikbranche einen Weg zu finden, damit diese "Perle" den Fan's nicht länger vorenthalten bleibt.

1993 war es endlich soweit! Was niemand für möglich hielt,wurde Realität. HORST STACHELHAUS war es gelungen, NOSSI zum Weitermachen zu bewegen.
Eine der legendärsten Krautrockbands tourte wieder durch die deutschen Lande, war wieder live zu hören. Am 21.8. startete BIRTHCONTROL in der Besetzung BERND "NOSSI" NOSKE (drums,vocals, percussion), HORST STACHELHAUS (bass, backing vocals), XAVER FISCHER (keyboards) und ROCCO "ZODIAC" KLEIN (guitar, backing vocals) mit einem Konzert in der Balverhöhle im Sauerland ihr Comeback.

Das Repertoire der ersten Auftritte bestand aus den erfolgreichen Songs der frühen 70er (The work is done, Greedy eyes, Trial trip, Back from hell, That was yesterday, She's got nothing on you, No shade is real, Stop little lady, Gamma ray, Get ready to run und später auch Hoodoo man). Aufnahmen der Gigs in Düsseldorf (12.12.), Oberpleis (21.12.) und Übach-Palenberg der Herbst-Winter Tournee des gleichen Jahres wurden 1994 als Live Album "CONDOMIUM"* veröffentlicht.
Ich selbst hatte Gelegenheit, eines der ersten Konzerte der Neuzeit am 11.12.93 im Oberhaus Alzey live mitzuerleben. Die Band brannte ein gigantisches Feuerwerk ihrer Klassiker ab und ich war so begeistert, daß ich im Dezember 1994 wieder nach Alzey fuhr (500 km), um BIRTHCONTROL dort live zu sehen. Es hatte sich inzwischen herumgesprochen, daß die Jungs wieder touren; der Saal war brechend voll und die Simmung super. An diesem Abend entstand auch die Idee, BIRTHCONTROL nach Celle zu holen, was dann im April 1995 in die Tat umgesetzt wurde. Seitdem habe ich BC häufig gesehen und es ist jedesmal wieder ein grandioses Erlebnis.

Im Februar 1995 wurde nochmals ausgewechselt. PETER ENGELHARDT übernahm von ROCCO den Job an der Gitarre. Noch im gleichen Jahr erschien das Album "TWO WORLDS"*, auf dem neben neu eingespielten Klassikern auch 5 neue Stücke zu hören sind, die sich zeitlos in den Stil der Band einfügen. Die Texte der neuen Songs stammen ausschließlich aus der Feder des Youngsters XAVER "FISCHFINGER" FISCHER, die Musik steuerten "NOSSI" und HORST STACHELHAUS bei. Bis Mitte 1997 stand die Band wieder über 150 mal auf der Bühne. Dabei zeigte sich, daß BIRTHCONTROL live nichts von der einstigen Ausstrahlung und Spielfreude verloren hatte.
Mit dem Album "JUNGLE LIFE"* stellte BIRTHCONTROL 1996 die erste komplett neue CD seit der Reunion 1993 vor. Auch hier schrieb XAVER die Texte und neben BERND NOSKE auch die Musik. Diese CD präsentiert traditionellen Rock mit zum Teil sphärischen Elementen, die im Gegensatz zu den späten 70ern perfekt arrangiert sind, und die dem Heavy-Rock der Band eine eigene, typische und vor allem wiedererkennbare Note verleihen.

Im Sommer 1998 erscheint "GETTING THERE". Mit 10 neuen Titeln und ca. 50 Minuten Spielzeit schließt das Album stilistisch an die vorangegangene CD an. XAVER FISCHER hat uns freundlicherweise das Cover der neuen BIRTHCONTROL CD zur Verfügung gestellt.

Mit fast 20 veröffentlichten Alben und über 250 Liveauftritten im Jahr (in ihrer Glanzzeit), kann man BIRTHCONTROL durchaus zu den populärsten, aktivsten und erfolgreichsten deutschen Kraut-Rock Bands zählen. Wenn die ganz große Beachtung in der heutigen Zeit, wo computergemixte Sounds die Hitparaden stürmen und recycelte Hits von den Medien gepushed werden auch ausbleibt, so gibt es doch Hoffnung!

BIRTHCONTROL ist ein deutsches Rock - Urgestein, das alle Höhen und Tiefen des Musik-Business erlebt und überlebt hat. Heute sind zunehmend jüngere Leute bei den Gigs zu sehen und sie kommen wieder! Selbst in England scheint man die Nase von den "Boy-Groups" voll zu haben und erinnert sich plötzlich an die Krautrockszene aus "good old Germany". Die Nachfrage auf der Insel nach "German Rock" ist zur Zeit riesig. Grund genug für uns, auch etwas für BIRTHCONTROL zu tun!!
 

Ich danke allen, die mich mit Info's und Bildmaterial beim Rocklexikon unterstützt haben, allen voran BERND NOSKE, der reichlich Material aus seinem Archiv zur Verfügung stellte.

[Eckhard Gallus, Mai 1998]

Eckhard ist für den Birth Control Fanclub tätig und füttert den Lexikoneintrag der Gruppe mit Material aus dem Fanclub-Archiv.

[Mit weiteren Beiträgen von: Ralf Höntsch, Jürgen Hornschuh, Andrea Göbel, Kurt Mitzkatis, Rita Mitzkatis, Axel Nuglisch, Wolfgang Pokall, Klaus Unland]



© 1998, 2003 german rock e.v.
- 08-Juli-1998 -

Wir waren zu Beginn auf seiner Seite zu Gast:

George Sherpa's First Krautrock Page