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Wohl niemand glaubte damals an ein Comeback. Zum einen kam Bernd Noske über den Tod seines Freundes Bruno nicht hinweg, zum anderen paßte die Musik von BIRTHCONTROL, die stets ihren eigenen musikalischen Vorlieben treu blieben und ihr Fähnchen nicht in den Wind hingen, nicht mehr in die Zeit der hereinbrechenden Neuen DeutschenWelle.
Im Sommer 1968 entstand aus den Berliner Formationen EARLS und GENTS die Gruppe BIRTHCONTROL, deren Repertoire als Coverband sich hauptsächlich auf JULIE DRISCOLL Stücke beschränkte. Nach der Tour ( FRITZ GRÖGER verließ die Band, REINER BORCHERT blieb kurzzeitig im Libanon, KLAUS ORSO begann sein Jurastudium) spielten BIRTHCONTROL, verstärkt durch den Gitarristen BRUNO FRENZEL, als Quintett weiter. Ohne ROLF GURRA, der Ende 1969 ausstieg, produzierte die Band ihr erstes Album "BIRTH CONTROL".* Passend zu ihrem provokativen Bandnamen, mit dem die Musiker Stellung zu der von Papst Paul verkündeten "Enzyclica humanae vitae" (u.a. strikte Ablehnung der Abtreibung des Ungeborenen) nehmen, war das erste Album in einer Pillendose verpackt. Um leben zu können (Noske), spielte BIRTHCONTROL anschließend als Begleitband auf MICHAEL HOLMs Deutschlandtournee. Als kreative Köpfe der Band kristallisierten sich schnell BRUNO FRENZEL und BERND NOSKE heraus, aus deren Feder die meisten Songs stammen. Als 1971 das zweite Album "OPERATION"* erschien, weigerten sich einige Geschäfte, es in ihr Sortiment aufzunehmen, da das Plattencover den Papst zusammen mit einem babyfressenden Monster zeigte. Die geänderte englische Version zeigte zwei riesige Kondome und führte zu einem Streik der britischen Packerinnen. Dennoch gaben BIRTHCONTROL 1971 vier Konzerte in London und traten sogar bei der MIDEM Veranstaltung in Cannes und im britischen Fernsehen auf. "OPERATION" wurde vom MUSIK EXPRESS zur zweitbesten Platte des Jahres gewählt. Im Januar 1972 gab es erneut eine Umbesetzung. Für den Organisten SOBOTTA kam -nach einer kurzen Gastrolle des Mönchengladbachers HARTMUT SCHEULGENS-, der Siegener WOLFGANG NEUSER in die Band. Ende 1972 nahm die Band in der Besetzung NOSKE - FRENZEL - KOSCHMIDDER - NEUSER ihr drittes Album "HOODOO MAN"* auf. Das Cover dieser LP mit der "Big fat mama" wurde das Markenzeichen von BIRTHCONTROL. Mit dem Song "GAMMA RAY" landeten sie ihren unbestrittenen Klassiker. Das Album wurde über 100000 mal verkauft. Der Anspruch der Band kam bei Fans und Medien gleichermaßen gut an. Die Presse überschlug sich vor Begeisterung und wählte sie als "explosivste deutsche Hard Rock Band" (Oberpfälzer Nachrichten) zur zweitbesten Formation Deutschlands (MUSIKMARKT). Dagegen bezeichnete die englische Presse BIRTHCONTROL als Kopisten ersten Ranges (MELODY MAKER).
Im September 1973 tourte die Band noch einmal durch 23 große Städte und profilierte sich zu Deutschlands Live Gruppe Nummer 1 (Frankfurter Rundschau)! I m November 1973 nahm BIRTHCONTROL das vierte Album "REBIRTH" auf, das mit einem schlichten roten Cover erschien.
Bei einem Konzert in der Schweiz kam es zu einem folgenschweren Unfall. BRUNO FRENZEL erlitt einen Stromschlag, der ihm fast das Leben gekostet hätte und an dessen Nachwirkungen er bis zu seinem Tod litt.
Im Herbst stellte die Band ihr neues Album "PLASTIC PEOPLE" vor, auf dem sie den Weg zu anspruchsvolleren und komplizierteren Klangcollagen suchte. Noch während der Frühjahrstour 1977 wurde PETER FÖLLER durch den ehemaligen MESSAGE Bassisten HORST STACHELHAUS ersetzt, der die letzten 5 Konzerte der Tour bereits mit auf der Bühne stand. Auf dieser Tour wurde ein bis heute unveröffentlichtes Stück aufgezeichnet ("META VENTILATOR"). Es laufen zur Zeit Verhandlungen mit der Plattenindustrie, diesen Titel zusammen mit einem von Kurt Mitzkatis 1975 in Osnabrück aufgezeichneten Konzert, welches ich (Eckhard Gallus. Red.) am PC bearbeitet habe, zu produzieren.
Nach der Tour stieß MANFRED VON BOHR (drums), ebenfalls von MESSAGE, zur Band. In der Besetzung NOSKE - FRENZEL - HELD - STACHELHAUS -von BOHR erschien 1977 das Album "INCREASE" (VON BOHR drums, NOSKE drums und percussion), mit dem BIRTHCONTROL den im Jahr zuvor eingeschlagenenWeg fortsetzte. 1978 hatte BIRTHCONTROL nur einen einzigen Auftritt beim Brain Festival am 26.2. in Essen. BERND NOSKE nutzte diese Ruhephase, um an einem Soloprojekt zu arbeiten. Inspiriert durch die Spanien-Tour 1975 nahm er im Studio 9 Titel auf, die unverkennbar den Einfluß der spanischen Musik widerspiegeln. Dabei spielte NOSSI bis auf den Bass (Bruno Frenzel) sämtliche Instrumente (drums, percussion, keyboard, 6-und 12seitige Rhythmusgitarre) selbst! Dieses faszinierende Werk mit der unverwechselbaren Stimme von BC wurde nicht veröffentlicht, da die Plattenfirma sich von dieser Art Musik keinen kommerziellen Erfolg versprach. |
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Das im Sommer produzierte Album "TITANIC"* dokumentierte die Rückkehr zum klassischen Rock der frühen 70er. Nach dieser Platte stieg der Keyboarder ZEUS B. HELD aus, um eigene Wege zu gehen. Er wurde durch WOLFGANG "FOX" HORN ersetzt. Mit dieser Formation ging die Band nach einem Fernsehauftritt in der Sendung "Sparring" im Mai 1979 auf Deutschlandtournee.
Das Konzert in der Weseler Niederrheinhalle (19.5.) kam im Herbst als LP "LIVE '79" auf den Markt. Wie schon bei dem 74er Live Album zeigte sich, daß die Band durch Spielfreude und Ausstrahlung erst auf der Bühne zu ihrer wahren Stärke fand.
Der Oktober 1979 wird bei BIRTHCONTROL als neuer Anfang gesehen. Ein Plattenvertrag mit ARIOLA und ein neuer Musikverleger (bereits seit Juli '78 ZORRO-MUSIK, Köln) bilden dazu den Grundstein. Außerdem besannen sich die beiden "Masterminds" -NOSSI und BRUNO- auf die alten Werte der Band, sprich auf die stark rhythmischen Komponenten ihres "Losgeh-Rock". Auf "COUNT ON DRACULA", im Februar 1980 veröffentlicht, fand man erste Ansätze dieser Einsicht. Es fetzte wieder! Im März 1980 ging BIRTHCONTROL nach fast einjähriger Konzertpause wieder auf Tournee. Die Resonanz beim Publikum war hervorragend; viele ausverkaufte Säle, überall Zugaben - BIRTHCONTROL war live wieder gefragt. Ende April 1980 wurde MANNI VON BOHR mit einer akutenBlinddarmentzündung ins Krankenhaus eingeliefert. Die anstehende Mai-Tournee drohte zu platzen. So entschloß sich BERND NOSKE, der Mitte der '70er Jahre als bester deutscher Schlagzeuger galt, wieder hinter der "Schießbude" Platz zu nehmen. Der große Erfolg gab ihm Recht, denn von nun an war NOSSI's Schlagzeugsolo wieder der absolute Hammer bei jedem Live-Konzert und die Attraktion, auf die das Publikum wartete und über die es sprach.
Es folgten Fernsehauftritte und Aufzeichnungen für's Belgische Fernsehen. Im September gab es auch am Bass eine Neubesetzung. Für HORST STACHELHAUS kam JÜRGEN GOLDSCHMIDT. Mit ihm entstand das Album "DEAL DONE AT NIGHT". Auch damit blieb die Band ihrem einst so erfolggeichen Hardrockkonzept treu. Am 18.9.1983 stand der bereits todkranke BRUNO FRENZEL zum letzten Mal auf der Bühne. Er starb 3 Tage später an den Folgen des Stromschlages, den er 1975 in der Schweiz erlitten hatte. Mit ihm starb auch BIRTHCONTROL. Obwohl BERND NOSKE zunächst an einen Fortbestand der Band glaubte (dies sei ganz im Sinne von BRUNO), löste er die Band im folgenden Frühjahr auf. Die Trauer über den Verlust seines Freundes war stärker und er entschloß sich zu einer fast 10jährigen Pause. Auf dem "BÄNG"*-Album ist BRUNO in 2 Titeln als Sänger zu hören. NOSSI spielte zwischenzeitlich in der Oldie-Band "LILLY & THE ROCKETS" sowie mit HORST STACHELHAUS als MR. GOODTRIP.
CBS veröffentlichte 1989 eine Maxi-CD unter dem Titel "GAMMA RAY-Special Remix", auf der neben dem Originaltitel auch eine Techno-Version des Klassikers enthalten ist. Diese CD erschien als Mini-Disc im Outfit der HOODOO MAN - LP. Dieses "vergessene" Album von NOSSI ist einfach zu schade, um in der Schublade zu bleiben. Je öfter ich diese Scheibe höre, desto faszinierter bin ich von den gefühlvollen Klängen. Wäre da nicht diese unverkennbare Stimme, wohl niemand käme darauf, daß hier der Frontman von BIRTHCONTROL am Werk ist. Wir von GERMAN ROCK werden uns auch hier bemühen, mit der Musikbranche einen Weg zu finden, damit diese "Perle" den Fan's nicht länger vorenthalten bleibt.
Das Repertoire der ersten Auftritte bestand aus den erfolgreichen Songs der frühen 70er (The work is done, Greedy eyes, Trial trip, Back from hell, That was yesterday, She's got nothing on you, No shade is real, Stop little lady, Gamma ray, Get ready to run und später auch Hoodoo man). Aufnahmen der Gigs in Düsseldorf (12.12.), Oberpleis (21.12.) und Übach-Palenberg der Herbst-Winter Tournee des gleichen Jahres wurden 1994 als Live Album "CONDOMIUM"* veröffentlicht.
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Im Sommer 1998 erscheint "GETTING THERE". Mit 10 neuen Titeln und ca. 50 Minuten Spielzeit schließt das Album stilistisch an die vorangegangene CD an. XAVER FISCHER hat uns freundlicherweise das Cover der neuen BIRTHCONTROL CD zur Verfügung gestellt.
Mit fast 20 veröffentlichten Alben und über 250 Liveauftritten im Jahr (in ihrer Glanzzeit), kann man BIRTHCONTROL durchaus zu den populärsten, aktivsten und erfolgreichsten deutschen Kraut-Rock Bands zählen. Wenn die ganz große Beachtung in der heutigen Zeit, wo computergemixte Sounds die Hitparaden stürmen und recycelte Hits von den Medien gepushed werden auch ausbleibt, so gibt es doch Hoffnung!
BIRTHCONTROL ist ein deutsches Rock - Urgestein, das alle Höhen und Tiefen des Musik-Business erlebt und überlebt hat. Heute sind zunehmend jüngere Leute bei den Gigs zu sehen und sie kommen wieder! Selbst in England scheint man die Nase von den "Boy-Groups" voll zu haben und erinnert sich plötzlich an die Krautrockszene aus "good old Germany". Die Nachfrage auf der Insel nach "German Rock" ist zur Zeit riesig.
Grund genug für uns, auch etwas für BIRTHCONTROL zu tun!!
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Ich danke allen, die mich mit Info's und Bildmaterial beim Rocklexikon unterstützt haben, allen voran BERND NOSKE, der reichlich Material aus seinem Archiv zur Verfügung stellte.
[Eckhard Gallus, Mai 1998] Eckhard ist für den Birth Control Fanclub tätig und füttert den Lexikoneintrag der Gruppe mit Material aus dem Fanclub-Archiv. [Mit weiteren Beiträgen von: Ralf Höntsch, Jürgen Hornschuh, Andrea Göbel, Kurt Mitzkatis, Rita Mitzkatis, Axel Nuglisch, Wolfgang Pokall, Klaus Unland] |
© 1998, 2003 german rock e.v.
- 08-Juli-1998 -
Wir waren zu Beginn auf seiner Seite zu Gast:
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George Sherpa's First Krautrock Page