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Wird man nach dem neuen Trend der 90er gefragt, so kommt man in Deutschland um den sogenannten Mittelalter Rock nicht vorbei. Viele Bands und Künstler geben der hiesigen Szene mit Drehleier und E-Gitarre neue Impulse, die ihre Wurzeln jedoch bis zurück in die Anfänge des letzten Jahrtausends haben. Wir vom German Rock nennen den Stil auch deswegen lieber Histo Rock, weil die Elemente dieses Zeitalters oft munter kombiniert werden.
Doch werfen wir einen Blick zurück in die Zeiten in denen die Spielleute das Fundament legten auf dem die heutige Szene sich bewegt.
Es gibt nicht sehr viele Künstler des Mittelalters die man heute noch kennt. Der wohl bekannteste ist Walther von der Vogelweide, der von etwa 1170 bis 1230 lebte. Vielleicht auch noch seinen bayerischen Zeitgenossen Sperrvogel, dem die ersten Weihnachtslieder zugeschrieben werden. Der Held war aber klar Walther. Er war damals schon auf "Tournee". Gelernt hat er sein musikalisches Handwerk in Österreich und war so eine Art Superstar der damaligen Zeit. Als einer der ersten verband er die deftigen Lieder der Straßenmusikanten jener Zeit mit den vornehmen Ausdrucksweisen wie sie am Hofe gebräuchlich waren. Dadurch konnte er so manch heißen Text Fürsten und Königen vortragen, für die er sonst direkt auf die Straße geworfen werden würde.
Wie lebensnah er damals schon das ewige Thema von Sex Drugs & Rock' n Roll rüberbrachte kann man seinem Text aus dem Lied Unter Den Linden entnehmen.
Under der Linden an der Heide,
dâ unser zweier Bette was,
dâ mugt ir vinden
schône beide gebrochen Bluomen unde gras.
vor dem Walde in einem Tal -
tandaradei!
Schöne sanc die Nachtigal.
Ich kam gegangen zuo der Ouwe,
dô was mîn friedel komen ê.
da wart ich enpfangen hêre Frouwe,
daz ich bin sælic iemer mê.
kuster mich? wol tûsenstunt!
tandaradei!
seht, wie rôt mir ist der Munt.
Dô het er gemachet also riche
von Bluomen eine Bettestat.
des wird noch gelachet innecliche,
kumt iemen an daz selbe Pfat.
bî den rôsen er wol mac -
tandaradei!
merken, wâ mirz houbet lac.
Daz er bî mir læge, wessez iemen,
- nu enwelle got - sô schamt ich mich.
wes er mit mir pflæge, niemer niemen
bevinde daz wan er unt ich
und ein kleinez Vogellîn!
tandaradei!
daz mag wol getriuwe sîn.
Hier besingt er aus der Sicht einer schönen Maid ganz unverholen ein Schäferstündchen im Grünen, wie es heute in so manchen Liedern vorkommt. Dies aber in einer Deutlichkeit, die vor 800 Jahren absolut ungewöhnlich war. Selbst heute hört man selten das Wort "vögeln" in den Songs unserer Sänger.
Walther konnte dies nur erreichen, weil er aus gutem Hause war und Manieren hatte. Das brachte ihm jede Menge Sympathien der Damenwelt ein, und so manche Maid verhalf dem Sänger zu neuen Inspirationen, die er als "Minnesang" den (eventuell gehörnten) Ehemännern am Hofe vortrug. Wenn man bedenkt, dass er heute noch vielen Musikern als Vorbild dient, so muss man wirklich vom Mittelalter-Megastar sprechen.
Die Musik der Straße sah indessen ganz anders aus. Derbe Späße und kräftige Texte mit vielen Tänzen waren in Mode. Obwohl Musik eine Kunst ist, hatten die Spielleute keinen allzu guten Ruf. Ähnlich wie die Zigeuner wanderten sie umher um ihr Brot zu verdienen. Denn nur wenn ihre Musik neu und in den Orten noch unbekannt war, konnten sie einige Groschen verdienen.
So tourten sie oft mit einem von Hand gezogenen Leiterwagen, der auch als Unterkunft dienen konnte von Ort zu Ort und spielten auf Hochzeiten, Beerdigungen, Hinrichtungen, oder einfach nur so zur Gaudi auf den Marktplätzen, bevor sie oft genug von der Obrigkeit verjagt wurden.
Da sie in den Orten oft nicht bekannt waren mussten sie meist außerhalb der Stadtmauern nächtigen. Trotzdem hatten viele von ihnen Techtelmechtel mit den Frauen, denn damals wie heute gilt: "Wenn schön die Laute klingt, die Maid sehr gern die Hüften schwingt." Dies zumindest ist bis heute so geblieben. Ja, auch Groupies gab es hie und da. Trotzdem war es für die meisten ein karges Leben, das oft genug als Bettler endete, wenn man nicht bei Hofe oder in der Stadt eine feste Anstellung fand.
Eine andere Quelle unserer heutigen Mittelalterbands waren die kirchlichen Gesänge. Sie wurden in viel größerer Zahl überliefert, da sie von Mönchen schriftlich festgehalten wurden. Sie waren oft die einzigen, die des Lesens und Schreibens kundig waren. Natürlich sind die Texte nicht so prall und voller Leben wie die der Straße, aber verbunden mit Noten und Spielanleitungen der alten Instrumente noch heute ein unerschöpflicher Quell für alle Künstler dieses Genres.
Mit dem Ende des Mittelalters verschwanden viele der Melodien und auch die Musikinstrumente veränderten sich. Die Geigen und Gitarren verdrängten Drehleier und Laute. Alles wurde kultivierter. Nur auf vereinzelten Festen tauchten hier und da noch die alten Lieder wieder auf.
Das blieb so bis in das frühe 20. Jahrhundert. Mit dem Jugendstil kam auch eine romantische Bewegung auf, die sich "Die Wandervögel" nannten. Neben vielen eigenen Liedern fand auch die Minne wieder etwas Zuspruch. Ganze Heerscharen von Mensche ließen das "Blaue Band" flattern um der Romantik zu frönen. Hier gab es auch erstmals eine Verklärung der Ritterzeit zu beobachten, wie sie in einigen frühen Stummfilmen zu sehen ist.
Nach den Kriegen und dem Wiederaufbau folgte noch eine kurze Welle dieser Art. Der Folk kannte auch einige Sparten, die der Minne und dem Mittelalter gerecht wurden. Folkfestivals wurden feste (und) erfolgreiche Einrichtungen in Deutschland. Ich selbst habe noch in Osnabrück einige dieser überregionalen jährlichen Spektakel besucht, die über mehrere Tage im Haus der Jugend stattfanden.
Bands wie Ougenweide, Fiedelmichel, Elster Silberflug, Wallenstein, Hannes Wader und, und, und hatten neben eigenen Songs auch immer einige der alten Weisen im Programm. Liedermacher und Poeten lebten weltweit diese Tradition fort, denn Musik ist auch immer eine Reflektion der Zeit und des Umfeldes.
Aber es gab auch andere traditionelle Bands wie Kurtzweyl, die wesentlich genauer das Mittelalter hochhielt. Sie lebten nicht wie die Hippies in Jointschwaden und wollten die Welt verändern, nein sie orientierten sich an den ursprünglichen Lebensstilen und Gesängen. Natürlich traten sie auch in den entsprechenden Kostümen auf und spielten historische Instrumente. Weithin bekannt wurde Kurtzweyl, die sich 1977 formierten durch den Aufbau des mittelalterlichen Marktprojektes "Kramerey und Kurtzweyl" (heute "Kramer, Zunft und Kurtzweyl"). Die absolute Neuheit des Jahres 1982 fand rasch Anklang und zahlreiche Nachahmer bis in die heutige Zeit hinein. Jürgen Walter Körber huldigte Walther von der Vogelweide indem er sich selbst Herr Walther von der Pferdeweide nennen lässt. Als Duo mit Barbara Degener alias Spilwîb Barbara feiert er immer noch große Erfolge auf Festen und Veranstaltungen.
Noch hier zu nennen wären die Fogelfrei Märkte und der Schwartenhalss eine Mühle in der immer wieder Mittelalterspektakel stattfinden.
In den 80er Jahren wurde so ganz langsam der Boden bereitet. Kleine Spielmanntruppen wie zum Beispiel Mit Voller Spielmannswucht, die sich 1987 bildeten traten immer häufiger auf Mittelalter und Burgfesten auf. Ich sah diese Burschen, die als Trio mit einem Leiterwagen und mit mittelalterlichen Gewändern über die Märkte zogen. Sie spielten damals schon mit den heute ach so beliebten Drehleiern, Sackpfeifen und Tröten. Als Bänkelsänger nahmen sie vieles schon vorweg, was zum Beispiel Saltatio Mortis heute mit ihrem Heptessenz-Programm aufführen. Mit Spiel und vor allem prächtigen Sprüchen gewannen sie jedes Publikum und sie tun das noch heute.
Das Trio lebt noch immer von ihrer Musik, obwohl sie nie eine eigene CD aufgenommen haben. Das ist um so bedauerlicher, weil sie meiner Meinung nach immer noch zum Besten gehören was diese Sparte zu bieten hat. Heute spielen sie auch Maritimes und sind nicht nur auf das Mittelalter festgelegt, doch zu Banketten sind sie nach wie vor zu buchen. Echte fahrende Spielleute also!
Nun kommen wir zu einem Schicksalsträchtigem Datum. Der neunte November brachte nicht nur den Mauerfall und die Wiedervereinigung, nein er war auch der wohl größte Impuls für den Mittelalter Rock.
In der ehemaligen DDR konnten sich Sparten wie Mittelaltermusik wesentlich besser halten als hierzulande, da auf Tradition sehr viel Wert gelegt wurde. Zusammen mit der in Berlin befindlichen Szene begann der Siegeszug der Mittelalter-Rockbands. Vorbedingung war jedoch unter anderem die Neue Deutsche Härte, deren Vertreter Rammstein Bands wie In Extremo den Weg in die heftigeren Gitarrengefilde wiesen.
Die Könige der Spielleute und eine der Urzellen sind Corvus Corax: Als im Dezember 1989 zwei Musiker erstmals unter dem Namen Corvus Corax auf der Bühne standen, war das nicht nur die erste deutsche Mittelalter-Rockband nach dem Fall der Mauer. Die Grundlagen für das, was da auf die Welt zukommen sollte, waren schon "Ante Casu Peccati" vor dem Sünden- (Mauer-) fall - gelegt. Was als Duo begann, schloss sich schnell mit "Zumpfkopule" zur "Congregatio" und zum Quintett zusammen und erregte allerorts Aufsehen. Als sich 1992 die Stammbesetzung endgültig formiert hatte und damit die "Tempi Antiquii" die Alten Zeiten - vorbei waren, war der Name Corvus Corax in der Mittelalterszene bereits ein Begriff.
Die Band hat die vereinzelt aufgeschriebenen Melodien in Bibliotheken aufgestöbert und behutsam bearbeitet, das Leben der Spielleute studiert und selbst nachgelebt, die alten Instrumente in der eigenen Werkstatt rekonstruiert und mit spielpraktischen Erfahrungen weiterentwickelt. Die stetig wachsende Fangemeinde und die Presse haben die Gruppe Corvus Corax 1994 zu den "Königen der Spielleute" erhoben.
Wenn das theoretische Fundament immer wieder an der praktischen Umsetzung geschliffen wird, muss es zu einer Entwicklung kommen: Corvus Corax haben bei ihren Reisen durch die mittelalterliche Welt überall Melodien und Rhythmen aufgegriffen und mit ihrer musikalischen Erfahrung zur neuen Musik ihrer Zeit verschmolzen und damit die gesamt-europäische Musikentwicklung entscheidend beeinflusst. Mit der gleichen spielmännischen Musikauffassung gehen sie an Musik heran und lassen ihre eigenen musikalischen Erfahrungen - auch die mit moderner Musik - in ihre "Alte"-Musik mit einfließen.
Dies ist auch eine Art und Weise, wie seit eh und je mit Geschichte und Geschichten umgegangen wurde und wird: um historische Begebenheiten herum spannen nicht erst seit dem Mittelalter u. a. Dichter - also auch Spielleute - Legenden, um zu unterhalten oder um auf ewige Zusammenhänge in der Daseinsgeschichte des Menschen hinzuweisen. Eine Ewigkeit ist vergangen und immer noch tanzen die Menschen zu denselben Melodien.
Während der Zeit ihres Bestehens ist Corvus Corax rund um die Welt gekommen: Konzertreisen führten die Band in fast alle europäischen Länder, nach Japan, Jordanien, Marokko und Mexiko. Fernsehanstalten haben die Gruppe für verschiedene Produktionen herangezogen und immer wieder waren die Könige der Spielleute auf historischen Stadtfesten und zu Konzerten in Burg- und Schlosshöfen zu hören. Seit ihrem 10. Jahr sind Corvus Corax regelmäßig im Winter auch auf Tour und spielen in Clubs und Konzerthallen in ganz Deutschland und Europa.
Aus den "Raben" sind aber auch immer wieder Impulse und neue Bands hervorgegangen. Ein direkter Ableger und gleichzeitig auftretende Band ist Tanzwut.
Die "Tanzwut"-Bewegung im 14. Jahrhundert, bei der sich viele Menschen den Spielleuten anschlossen und sich tanzend dem drohenden Weltuntergang durch die Pest zu entziehen suchten, hat Parallelen zu den Megaparties, den Raves der Technoszene von heute. Aus der Single Produktion Tanzwut ist ein zweites Projekt der Corvus Corax Musiker hervorgegangen, in dem neben den mittelalterlichen Instrumenten auch E-Gitarren und Keyboards eingesetzt werden: Und es trug sich zu im Jahre des Herrn 1353, als der Schwarze Reiter durch Europa strich und reiche Ernte einfuhr. Die Spielleute kamen in die Stadt mit Dudelsäcken und Trommeln und besonders das Weibsvolk verfiel das nahe Ende vor Augen in tagelange Raserei, in die Tanzwut.
Nun, an der Schwelle zum neuen Millennium, kehrte diese zurück, als eine Band, die Lied- und Instrumentalkunst des dunklen Mittelalters mit dem Maschinentakt unserer aufgeklärten Zeit zu neuen Klangdimensionen vereint, wie sie tatsächlich bisher nicht vernommen wurden.
Tanzwut folgen keinem Trend oder vermeintlichem Zeitgeist, haben sie doch kein musikalisches Vorbild außer sich selbst.
Jüngster (Teil-) Ableger von Corvus Corax sind Cultus Ferox. Diese Band besteht zum Teil aus Ex-Mitgliedern von Corvus Corax und anderen Mittelalter-Gruppen. Sie haben zwar erst eine CD abgeliefert, bringen aber ein sehr großes Potenzial mit. Ihr Album strotzt nur so vor toller Ideen und Rhythmus. Da kommen noch große Dinge auf uns zu.
Einen großen Einfluss auf die heraufziehende Mittelalterszene hatten auch Subway To Sally. Hier ein Kurzer Abriss der Bandgeschichte:
1990 April - August Eine Idee wird geboren: Eigentlich hatten die fünf Potsdamer Musiker, die an jenem nebligen Abend in einer kleinen Gartenpinte versumpften, einfach nur keine Lust mehr, den althergebrachten Rock´n Roll zu spielen. Noch in der selben Nacht wurde beschlossen, ein oder zwei Folkmusikerinnen anzuheuern, und das Projekt Subway To Sally zu nennen. Welche Musik dabei herauskommen würde, wusste allerdings niemand.
15.09.90 Erstes Konzert im Lindenpark.
1991 Mai 1991 Vier Demotitel werden in einem winzigen Potsdamer Studio aufgenommen.
1992 16.01.92 Die eigentliche Geburtsstunde von Subway To Sally: erstes Konzert in der neuen Besetzung in der "Stube" in Potsdam.
03.12.92 Rockwettbewerb in Brandenburg: 2. Platz von vier Bands.
1993 August Aufnahmen zur ersten CD.
1994 Februar 94 erstes Video.
1995 Sommer 95 Die Höhepunkte der Open Air Saison aufzuzählen ist beinahe unmöglich. Insgesamt spielen sie 1995 ganze 107 (!!) Mal
1996 03.01.96 Aufnahmen zu Foppt Den Dämon.
1997 06.10. - 01.11. Bannkreis-Tour,
1998 Arbeiten am Album Hochzeit.
1999 Hochzeit erscheint. Tournee wird zu einem Triumphzug. Überall sind die Hallen ausverkauft.
2000 Das Livealbum Schrei erscheint und die Band tourt.
2001 Das Album Herzblut ruft unterschiedliche Reaktionen hervor. Das Outfit von Subway To Sally verändert sich. Eric "lässt Haare". Die Band zieht sich zurück um sich umzustrukturieren.
2003 Das Jahr der Überraschungen. Engelskrieger wird veröffentlicht und spaltet die Fans. Doch bei ihren Konzerten springt der Funke total über. Subway To Sally haben dem Mittelalter den Rücken gekehrt und trotzdem Erfolg, der auch durch die Doppel DVD Live dokumentiert wird.
Wohin sich Subway To Sally in Zukunft noch hinentwickeln wird wissen wir nicht, aber sie haben in der Vergangenheit dem Mittelalter Rock viele wichtige Impulse gegeben.
Der absolute Durchbruch des Mittelalter Rocks ist aber einer Band zu verdanken die auf Härte und Melodie zugleich setzte, nämlich In Extremo. Auch hier ein kurzer Abriss über den Werdegang der Truppe:
1995: Der erste gemeinsame Versuch, Dudelsäcke und Rockgitarren unter einen Hut zu bekommen. Es blieb bei einem Versuch, doch ein Proben-Mitschnitt von Ai Vis Lo Lop überlebte Für die neue Mittelaltersaison 1996 wird eine Kassette mit Akustik-Stücken eingespielt, auf die auch die Stücke Traubentritt und Ai Vis Lo Lop ihren Weg finden, eingespielt mit elektrischer Verstärkung von Thomas Mund, Reiner Morgenroth und Kay Lutter. Beginn der Proben für ein Akustikprogramm für die neue Saison. An den Dudelsäcken Flex der Biegsame und Conny Fuchs. Michael (das Letzte Einhorn) an der Trommel, er findet wenig später den Namen In Extremo für das neue Projekt
1996: In Extremo startet in die Mittelalter-Saison. Die Rockband (nun als Thomas der Münzer, der Morgenstern und Lutter) beginnen zusammen mit den Mittelalter-Musikern die Arbeit an einem Rockprogramm. Die erste Akustik-CD Die Goldene entsteht.
29.03.1997: Das erste Rockkonzert von In Extremo findet im Rahmen eines Mittelaltermarktes vor dem Leipziger Rathaus statt. Dieser Tag wird das offizielle Gründungsdatum von In Extremo.
1998:Die Akustik-CD Hameln entsteht in einem Berliner Studio und erscheint pünktlich zur Eröffnung der Marktsaison ´98. Die Mitglieder der Rockband (ohne Thomas dem Münzer) gehören von nun an ebenfalls zur Akustik-Besetzung von In Extremo. Sie entscheiden sich, für beide Projekte ein und denselben Namen zu verwenden
März 1998 erste Rock-CD Weckt Die Toten! Die Konzerte auf dem mittelalterlichen Markt der Runneburg in Weißensee/ Thüringen werden für eine spätere CD-Veröffentlichung mitgeschnitten. Der Mitschnitt des Akustikprogramms auf der Runneburg erscheint als Die Verrückten sind in der Stadt.
1999: Verehrt & Angespien erscheint und erreicht einen sensationellen 11.Platz in den Album-Charts. Eine kurze Auslandstour führt uns nach Dänemark, Holland und Tschechien.
2000:Die Single Vollmond erscheint. Thomas der Münzer gibt seinen endgültigen Abschied aus der Band bekannt und Basti van Lange wird von nun an vollwertiges Mitglied von In Extremo.
2001: Sünder Ohne Zügel wird veröffentlicht, erreicht einen 10. Platz in den deutschen Album-Charts. Auf dem Kyffhäuser-Denkmal in Thüringen wird ein Konzert für eine DVD mitgeschnitten.
2002: Sie erscheint unter dem Titel Live 2002, parallel dazu wird eine Live-CD unter diesem Titel veröffentlicht.
2003: Die Single Küss Mich steigt auf Platz 35 der "Media Control Single Charts" ein und kann sich sogar neun Wochen halten. Die neue CD Sieben wird veröffentlicht und steigt auf Platz drei der deutschen Album-Charts ein. Eine Woche später erscheint die Single Erdbeermund. Im Herbst starteten sie zu ihrer bis dato erfolgreichsten Tour, die am 12.10. in der Berliner "Arena Treptow" endete. Die sieben Vaganten machen klar da weiter wo sie anfingen. Sie sind es, die die Musik der früheren Jahrhunderte pogotauglich machten.
Aber es gibt noch mehr merkwürdige Bands. Eine davon ist Geyers, die früher unter dem Namen Des Geyers Schwarzer Haufen bekannt waren. Die vier Musiker, die sich den Liedern und Tänzen aus sieben Jahrhunderten verschrieben haben, beherrschen zusammen mehr als 40 verschiedene Instrumente Die meisten davon - und das scheint mir am bemerkenswertesten - beherrschen sie perfekt !
Die ehemaligen Musiker von Des Geyers Schwarzer Haufen Thomas Roth, Albert Dannenmann und Jost Pogrzeba schlossen sich vor knapp drei Jahren mit Georg Hesse (Gitarren) und Maik Walter (Bass) zusammen und nannten sich von nun an Geyers.
Im Jahre 1984 haben Albrecht Schmidt-Reinthaler und Thomas Roth, ab 1986/87 zusammen mit Albert Dannenmann und Jost Pogrzeba die Musikgruppe Des Geyers Schwarzer Haufen ins Leben gerufen und ihr zu einer erstaunlichen positiven Popularität verholfen. Ganz am Anfang war auch Ulrich von Olnhausen mit dabei, ein fürwahr kraftvoll eigenartiger Bursche, der Anfang '86 aus eigenem Beschluss nicht mehr mitmachen wollte.
Einen weiteren Höhepunkt des Mittelalter Rocks bietet Saltatio Mortis, die im Jahre 2001 mit Tavernakel eine rein akustische Mittelalterplatte vorlegten. Da sie aber auch die Elektronik und den Rock mögen haben sie 2002 mit Das Zweite Gesicht eine wunderschöne Mittelalter Rockscheibe präsentiert. Sie hatten schon immer Spaß auf der Bühne, und der äußerte sich auch schon mal in den wildesten Coverversionen wie Eine Insel Mit Zwei Bergen oder God Give Rock And Roll To You. 2003 bestachen sie wieder mit mittelalterlich akustischen Klängen die im Album Heptessenz mündeten. 2004 bringen sie mit Erwachen wieder den Mix. Sie leben wirklich das Prinzip der Mixtur, wie aus auch an der Grafik unseres Titelblattes sichtbar wird, das zum Teil aus dem Pressematerial der Band stammt. Übersetzt bedeutet Saltatio Mortis übrigens schlicht und einfach "Totentanz".
Es spielen auf: Alea der Bescheidene (Gesang, Sackpfeifen, Schalmeien), Dominor der Filigrane (Sackpfeifen, Schalmeien, Pommern, Binjou, Programming), Die Fackel (Sackpfeifen, Schalmeien, Mandola, Harfe, Keyboards), Falk Irmenfried von Hasen-Mümmelstein (Sackpfeifen, Schalmeien, indisches Wui, Conferenzen), Ungemach der Missgestimmte (Sackpfeifen, Schalmeien, Percussion, Gitarre), Lasterbalk der Lästerliche (Davul, Trommeln, Percussion, Pauken, Programming), Thoron Trommelfeuer (Darabuka, Trommeln, Percussion), Magister Flux (modernes Gerät).
Saltatio Mortis sieht sich seit Jahren der Marktmusik des Mittelalters verpflichtet: Die fünf Sackpfeifer und zwei Trommler können auch ohne elektronische Verstärkung mühelos Tausende von Zuschauern beschallen und begeistern. So ist es nicht verwunderlich, dass die Zahl der Zuschauer, die nur wegen Saltatio Mortis überhaupt auf Mittelaltermärkte gehen, stetig wächst.
Die Idee zu Schandmaul entstand im Sommer 1998 und war, einen bunt zusammengewürfelten Haufen einschlägig bekannter Landkreis-Mucker, zu lustigem, akustischen Musizieren von ein paar Folk-Stückchen zu vereinen. Und nachdem dann schließlich die einhellige Meinung entstand, das nur covern doof und langweilig ist, entstand mit Teufelsweib die erste eigene Nummer. Jetzt brauchte das Projekt nur noch einen Namen. Über die Vision eines Schabernack treibenden Narren, der kein Blatt vor den Mund nimmt und inspiriert von einem Kartenspiel-Joker tauften sie das ganze dann: Schandmaul.
1999: Erste Platte Wahre Helden, die im Eigenvertrieb unter die Leute gebracht wurde.
2000: Von Spitzbuben Und Anderen Halunken hieß das zweite Werk.
2001: Remix Spitzbuben kommt in die Plattenläden. Es entstand noch im selben Jahr Narrenkönig der gleich mal in die Album-Charts auf Platz 70 hüpfte.
2003: Mit der CD und DVD Hexenkessel erfüllten sie sich den tiefen Wunsch nach einer Live-Platte und können mit ein wenig Stolz auf eine Menge toller Arbeit und auf eine nette Erfolgsentwicklung in den letzten Jahren zurückblicken. Von ihnen werden wir noch sehr viel hören!
Das Mittelalter-Elektronik Projekt Qntal wurde 1992 von Ernst Horn, Instrumente (Deine Lakaien), Michael Popp (Estampie) und Sigrid Hausen, Gesang (Estampie) ins Leben gerufen.
Das Ensemble verbindet in eigenwilliger kompositorischer und akustischer Weise mittelalterliche Poesie und Elektronik. Innovative Klanglandschaften und Arrangements fügen sich harmonisch oder auch kommentierend ein in die mittelalterliche Poesie. Das Hauptthema der Texte aus dem 12. und 13. Jahrhundert kreist um Politik, Religion und Liebe und scheint in archetypischer Weise Emotionen und gesellschaftliche Realitäten der Postmoderne widerzuspiegeln: Mittelalter meets Postmoderne!
Doch hierzu und vielen anderen Bands werden noch mehrere Aufsätze folgen. Diese Abhandlung ist nur als Beginn der Aufzeichnung des neuen (?) Musikstils zu sehen. Als Quellen dienten eigene Erfahrungen, das Internet, die verschiedenen Bands, sowie PR-Agenturen und Label - Vielen Dank!
[Kurt Mitzkatis]
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