Bluesrock
der eher Rock-orientierte Sektor des Blues
siehe auch Blues'n'Soul
Blues in Deutschland und dann noch von hiesigen Musikern. Für die meisten eingeschworenen Bluesfans lange Zeit ein doppelter Anachronismus. Blues ist die Musik der schwarzen Amerikaner in Mississippi, in Detroit oder Chicago und nicht in Hildesheim, Osnabrück oder in Bayern. Howlin Wolf, Muddy Waters oder B.B. King sind die Stars des originären Blues. Wer ist Abi Wallenstein, Toscho Todorovic oder Richard Hagel ? Das man auch hierzulande erstklassigen Blues spielen und hören kann, ist von diesen und vielen anderen Bluesmusikern inzwischen unstrittig gezeigt worden. Dabei sind die einheimischen Wurzeln des Blues weit vor den Krautrockjahren vor gut 25 Jahren schon in den frühen fünfziger Jahren gepflegt worden. Musiker wie Günter Boas, Oskar Klein und Leopold von Knobelsdorff fanden im Spannungsfeld des Nachkriegsjazz und des frühen RockīnīRoll ersten Zugang zum schwarzen Blues und begannen in Jazzclubs und Kneipen Blues in das Programm zu heben. Klaus Doldinger absolvierte seine ersten Auftritte mit Bluestiteln. Joachim Ernst Behrend initierte das American Folk Blues Festival 1962. Viele hörten hier erstmalig Blues im Original von Originalen und wovon sich Eric Clapton und Keith Richards inspirieren ließen, daß fruchtete auch bei vielen einheimischen Musikern.
Eigenständige Bluesgruppen formierten sich, spielten in lokalen Kneipen und lösten sich wieder auf. Einige Musiker verdingten sich als Begleitmusiker tourender Bluesmeister aus den Staaten und lernten das Bluesspiel direkt von ihren Vorbildern. Champion Jack Dupree, Louisiana Red oder Guitar Crusher gehören zu den schwarzen Bluesern, die sich in Deutschland niederließen und den hiesigen Musikern den Blues authentisch näher brachten.
Ein erster Zusammenschluß von Bluesenthusiasten gründete sich 1976 mit dem German Blues Circle in Frankfurt. Erste Bluesfestivals mit einheimischen Bands wurden ins Leben gerufen und die Auftritte in Gaildorf, Lahnstein oder Bremen entwickelten sich zu festen Treffpunkten für Musiker wie Fans. Fanzines wie das Magazin Blues Forum erschienen und die Produktion von Platten deutscher Bluesmusiker begann sich im Schatten des Deutschrockbooms zu entwickeln.
Aus den Anfängen von Toscho Todorovic, Udo Wolff, Rainer Baumann, Frank Diez, Al Jones und zahlreichen anderen ist 25 Jahre später eine breite und lebendige deutsche Bluesszene entstanden. Statt einer Handvoll Bands und ein paar Individualisten an Gitarre, Mundharmonika oder Klavier treten heute hunderte von Gruppen und Formation in den Clubs und auf den Festivals auf die Bühne und spielen den Blues. In Hildesheim, Osnabrück, Hamburg, Berlin, Frankfurt oder München existieren lebendige lokale Bluesszenen. B.B. & The Blues Shacks, The Bluescasters, FriendīnīFellow, Richard Bargel, Christian Rannnenberg, The Dynacasters, Matchbox Blues Band, Dieter Kropp sind nur einige Namen von vielen, die inzwischen in Deutschland die Fans mit solidem Blues begeistern. Dutzende von CD-Veröffentlichungen belegen die Bandbreite und Qualität zahlreicher deutscher Blueser, die vom soliden City-Blues, Cajun, Country oder Jump & Jive alle Stilrichtungen präsent hält und weit über dir gängigen Bluesklisches alter Männer am Mississippi oder sonnenbebrillter Blues Brothers Clowns hinaus geht.
[Thomas Gutberlet]
© 1998, 2003 german rock e.v.
- 15-Oktober-2002 -